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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südkmerika.

alten, bei den ehemaligen spanischen Colonien so vielfach vorhandenen Gründe derTrennung wurden zu Peru und Bolivia noch durch, die natürliche Lage und dieLandeszustä'nde gesteigert. Beide Staaten liegen durch große Strecken ungebautenLandes und durch Gebirge geschieden. Die einzelnen Gauen haben eine dünne, ingeringem Verkehr miteinander stehende Bevölkerung und ermangeln deshalb dergegenseitigen Interessen. Überdies widersetzen sich Nachbarstaaten den großem Con-föderationen und jeder straffangezogenen Centralgewalt in ihrer Nähe. Sie fürchtennämlich für ihre Selbständigkeit, für die Störung des Gleichgewichts. Zur Erhal-tung dieses, zum großen Theile eingebildeten Gleichgewichts sind, gleichwie in Europa,auch im spanischen Amerika nicht selten blutige Kriege entstanden und jahrelang fort-geführt worden. Chile fand sich durch die neue überragende Conföderation ammeisten bedroht, und zwar in commerzieller wie in politischer Beziehung. Um allenHandel nach Callao zu ziehen, hatte Santa-Cruz die Waaren jener Schiffe, welche ineinem Hafen Chiles gelandet, mit einem Differentialzoll belegt und so jenem, süd-lichen Nachbarstaate große Nachtheile bereitet. Man rächte sich. Alle mit den neuenperuanisch-bolivianischen Zuständen Unzufriedene erhielten in Chile gastliche Aufnahme,die flüchtigen Offiziere Stellen in der Armee. Santa-Cruz foderte Erklärungen, dieunbefriedigt ausfielen, sodaß man alsbald zu den Waffen griff. Nach mehren fol-genlosen Kämpfen erfochten die Chilesen unter der Führung des Don Manuel Bul-ues bei Aungay (20. Jan. 1839) einen vollständigen Sieg. Die Unzufriedenenund Ehrgeizigen erhoben sich nun zu Bolivia wie in Peru. Santa-Cruz mußte lan-desflüchtig werden, und die Conföderation stürzte zusammen. Peru und Boliviasahen sich schon im Jahre 1859, wie sie es früher gewesen, geschieden, und bliebenbis auf den heutigen Tag zwei getrennte, mit Scheelsucht sich beobachtende Staaten.Zu Huancayo in Peru trat ein neuer Congreß zusammen, welcher eine neue Constitu-tion entwarf und den aus dem Exil zurückgekehrten Gamarra nochmals an dieSpitze der Regierung stellte. Der peruanische Präsident betheiligte sich alsbald beiden in Bolivia entstandenen Unruhen, in denen ein Anhänger und Adjutant deSflüchtigen Santa-Cruz, General Ballivian, große Macht errang, während Gamarraselbst in dem hartnäckigen Treffen bei Jngavi (1811) seinen Tod fand. Perugerieth jetzt in die größte Verwirrung; mehre Generale bemächtigen sich schnell nach-einander der Regierung. Unter diesen war Vivanco, welcher die Verfassung wiederaufhob und eine Willkürherrschaft einführte. Dem widersetzte sich General Castillaund behauptete auch, nach wiederholten mörderischen Kämpfen, die Oberhand. Mitseiner Präsidentschaft (1846) erst beginnt ein stetiger, gesetzlicher Zustand. Um diesevon seinem Nachfolger Echenigue gestörten glücklichen Verhältnisse dem Vaterlandevon neuem zu verschaffen, griff Castilla acht Jahre später nochmals zum Schwerte,und errang auch, wie wir sehen werden, nach langen Anstrengungen das vorgesteckteZiel zum zweiten male.

General Don Ramon Castilla hak an den meisten Kämpfen des Unabhängigkeits-krieges der Colonien gegen Spanien theilgenommcn. Sein Name erscheint seit dem Jahre1850 in allen Wirren auf der Seite der legalen Behörden. Im Bürgerkriege von1854 hielt er so lange zum Präsidenten Orbegoso, bis dieser sich in allen Angele-genheiten der bolivischen Regierung und ihrem Präsidenten Santa-Cruz fügte. ZurZeit, wo sein Vaterland von Fremden regiert wurde — als solche erschienen ihmdie Bolivier — ging Castilla nach Chile und betheiligte sich an den Unternehmun-gen zum Sturze des Protektors Santa-Cruz. Nach der Verjagung deS DespotenVivanco besaß Niemand zu Peru Macht und Ansehen genug, um dem Sieger Ca-stilla die Präsidentschaft streitig zu machen. Dies gereichte ber Republik zu großemHeile. Sie erfreute sich unter seiner Verwaltung, die von 1845 — 51 dauerte, ei-ner so anhaltenden Ruhe, wie niemals seit ihrem Bestände. Castilla vollzog die zuHuancayo am 10. Nov. 1859 beschlossene Constitution mit Gewissenhaftigkeit. Nachdiesem peruanischen Grundgesetz ward die ausübende Gewalt einem Präsidenten über-tragen, welcher jährlich 40000 Piaster Besoldung erhält, sechs Jahre im Amte ver-