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Zwöflter Band.
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Brafilien und Südamerika. 329

Gewalt eingesetzter General, welcher gewöhnlich die bürgerliche und die militärischeGewalt in seiner Person vereinigt.

Präsident General Castilla richtete alsbald seine Aufmerksamkeit auf die man-nichfachen Verbesserungen, welche die Zustande der Republik erheischten. Die Fi-nanzen waren wahrend der langen Bürgerkriege in Unordnung gerathen, die Armeewar über alles Maß vermehrt, die Marine hingegen vernachlässigt worden, nament-lich fehlte es an Dampfern. Um diese Misstände zu beseitigen und für die Bedürf-nisse Mittel zu gewinnen, mußten die verschiedenen Hilfsquellen des Landes besserausgebeutet und neue eröffnet werden. Unter diesen nimmt jetzt die Ausbeutungdes Guano die hervorragendste Stelle ein; der Gewinn aus diesem Dünger über-trifft selbst die noch immer starken Erträgnisse der Silber- und Quecksilberminen.Und doch brachte die Silbcrmine von Cerro de Pasco allein, die bedeutendste desLandes, selbst während des Bürgerkriegs jährlich 250000 Mark, und alle Minenzusammen während des zehnjährigen Zeitraums von ä836— 46 im Durchschnitt jähr-lich zwischen 5 und 6 Millionen Gulden. Die Huanaras oder Euanolager hin-gegen brachte» dem peruanischen Staate während der letzten Jahre einen jährlichenReinertrag von 3 — 4 Millionen spanischer Thaler, eine Summe, die sicherlichin der nächsten Zeit noch steigt. Die Guanoanhäufungen auf den zu Peru gehörigenInseln wurden aus 40 — 50 Millionen Tonnen gerechnet, und diese Vorrälhe er-gänzen Und mehren sich dazu immer wieder durch neue Anhäufungen, welche dieVögel bewirken.

„Das Guano oder Huanu *)", sagt Tschudi in seiner, vorzüglich auf die Unter-suchungen und Beobachtungen des Peruaners Francisco de Nivero gegründeten Ab-handlung über diesen Gegenstand, „ist der Mist von verschiedenen Arten von See-vögeln. Diese Vögel nisten auf unbewohnten Inseln und auf windgeschützten steilenVorgebirgen, und bringen die Ruhezeit am Tage und die Nacht dort zu. IhreMenge ist so außerordentlich groß, daß sie wörtlich ganze Flächen dicht bedecken,und wenn sie in Schwärmen auffliegen, Züge bilden, die Wolken gleichen und fürAugenblicke die Sonne verdunkeln. Ihre Nahrung besteht ausschließlich aus See-thieren, besonders Fischen, die sich in'zahllosen Scharen in dem fast ewig ruhigenMeere aufhalten. Bei der außerordentlichen Gefräßigkeit dieser Vögel, denen über-dies die Nahrung nie mangelt, und der damit proportionirten Excrementenabsonderungbegreift man leicht, wie im Verlaufe von Jahrhunderten auf den im Ganzen wenigumfangreichen Inseln so bedeutende Mistniederlagen gebildet wurden, daß diese Hua-naras zu den neuern geologischen Formationen gerechnet werden können." Alexandervon Humboldt sagt: „Der Guano bildet 50 — 60 Fuß mächtige Lager auf demGranit mehrer Südseeinseln an der Küste von Peru. Seit drei Jahrhunderten ha-ben alle Küstenvögel mit ihrem Unrakhe die Felsen kaum einige Linien hoch bedeckt.Wie viele Vögel und wie viele Jahrhunderte sind also nöthig gewesen, um dieseGuanoschichten zu bilden!"

Die Farbe der obersten Schichten des Guano, also der jüngsten Ablagerungen,ist weißlich-grau, zuweilen ganz weiß, sodaß sie blendend die Sonnenstrahlen reflec-tiren. Die etwas tiefern Lagen sind mehr grau, schon ins gelblich-braune über-gehend. Diese Schichten, die gegenwärtig vorzüglich auf den Inseln Punta de Hor-nillos, Jesus, Margarita und einigen andern gefunden werden, liefern den sehr ge-schätzten Huanu blanco, weißen Guano. Je tiefer man in die Lager eindringt, destodunkler wird in der Regel die Schichtenfärbung und geht vom Hellgelben ins

*) ktusnu ist ein Wort der Quichuasprache und heißt „Mist" von Thieren im Allgemeinen.Zur genauern Bezeichnung wird oft der Name des Thieres, von dem der Mist herrührt, vor-gesetzt, z. B. IIsms buanu, d. i. Lamamist. Zn dem Sinne, wie dieses Wort gegenwärtiggebraucht wird, steht es für „piokiu kusini", Vogelmist. Da die Spanier das stark aspirirteindianische Ii durch ein g wiedergaben und in der Regel das schließende u der Quichuawortem o umwandelten, so entstand aus dieser Schreibart das fast überall in Europa gebräuchlicheGuano.