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Zwöflter Band.
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342 Brasilien und Südamerika.

der, Schaft, Schweine und Hühner, doch wenig Maulthiere. Sie ziehen wederGartengewächse noch Fruchtbäume. Die Rinder und Pferde verbreiten den Samender Äpfelbäüme allenthalben. Die Pehuenches besitzen viele Stutereien, deren Fleischund Milch ihnen Nahrung gewähren. Obgleich sie Rinder und Schaft halten, soessen sie doch nie deren Fleisch. Sie verarbeiten selbst die Wolle ihrer Schaft, ver-handeln aber das Vieh an die Spanier. Die Frauen sind sehr arbeitsam: sie hel-fen ihren Männern bei den Arbeiten des Feldes und sind ihnen im hohen Gradeunterwürfig. Nach der Anzahl ihrer Frauen, diesen arbeitenden Hausthieren, schätzendie Männer ihre Würde und ihren Reichthum. Die Guilmen oder Bevorrechtetenhaben deren wenigstens fünf, die Kaziken dürfen nicht weniger als zehn besitzen.Ein alter Indianer wollte es kaum glauben, daß der Präsident der nordamerikani-schen Union blos Eine Frau habe. „Nur Eine!" rief er im Erstaunen aus, undhielt einen Finger empor, damit kein Irrthum möglich sei. „Ja, nur Eine!" entgeg-uete der Marineoffizier Smith, welcher vor kurzem Araucanien besuchte und dieSitten des Volks in lebhafter Weise darstellte.*) „Er muß also sehr arm sein",meinte der Indianer, „da sogar ich, ein armer Mann, zwei Weiber habe." Man siehtauch hier wiederum, wie der Rang, welchen das weibliche Geschlecht in der Gesell-schaft einnimmt, ein sicherer Maßstab ist in der Cultur.

Der Flächeninhalt der Republik Chile beträgt jetzt gegen 21000 Geviertmeilen,und die Bevölkerung, nach der amtlichen Zahlung vom April 1855, die Zahl von4,439170 Seelen, wovon 712982 männlichen und 726188 weiblichen Geschlechts.Der von den Kordilleren hinab zum Meere sich abdachende chilenische Boden istreich an allerlei Metallen, an Gold, Silber und Kupfer. Vor kurzem (November1855) wurden unfern von Haciamento, 15 deutsche Meilen oberhalb Conception, nichtWeit vom Araucan, reiche Goldlager aufgefunden. Ein Bergbaukundiger behaup-tete, alle Länder der Republik vom 36. zum 40.° der Breite geben durch ihre äußer-liche Beschaffenheit Zeugniß von großen Goldlagern, nicht wenigerreich als Australienund Californien. Es ist übrigens aus der Geschichte bekannt, daß schon die Spanieraus diesen Gegenden edle Metalle gezogen haben. Der Boden Chiles liefert die ver-schiedensten Gattungen Getreide, welche während der letzten Jahre in großen Massennach Californien und Australien und selbst nach Tahiti**) ausgeführt wurden: Mais,Hanf, Zucker, Taback und Bauholz in großer Menge. „Unerschöpflich", sagt ei»Spanier, „sind die Reichthümer, die Chile hegt. Sein Boden ist der angemessenstefür jedes der Erzeugnisse, die Europa bereichern, indem er an seinen äußerstenGrenzen einer gleichmäßigen Temperatur genießt, und weder die Gewitter kennt,welche deni Seidenwurm feind sind, noch den Hagel, der die Früchte der Erde ge-fährdet. Kein reißendes Thier hält sich in seinen Gebirgen auf, das den Menschenbedrohen könnte, und kein einziges giftiges Gewürm kommt innerhalb seiner Gren-zen vor." Nur fehlt es dem Lande an Wasserverbindungen, obgleich es von mehrals 120 Flüssen und Waldbächen durchzogen wird, wovon Biobio, Maule, Valdiviaund Sin Fondo die vorzüglichsten. Alle diese Gewässer tragen jedoch den Charakterder Bergströme und könnten nur durch kostspielige Bauten schiffbar gemacht werden.Und solch ein Land ließ der Spanier in gefesselter Kindheit darben, ohne Schiffahrt,Handel und Industrie. „Der Schleichhandel der Nordamerikaner", sagt Chamisso,welcher Chile im zweiten Jahrzehnt» unsers Jahrhunderts besuchte, „deren Vermittler

*) Vgl. Smith, „Ibs ^rsuc»Äin-w8" (Reuhork und London 1855).

**) Die Unfähigkeit der Franzosen , in dauernder Weise fremde Länder zu beherrschen undzukunstreiche Ansiedelungen zu begründen, zeigt- neuerdings ihre Herrschaft innerhalb derFreundschaftsinseln. Tahiti ist nicht mehr zu erkennen. Man sieht keine Boote mehr in demHafen von Papiti. „Die ehemals zahlreichen Heerden Rindvieh und Schweine", sagt «Lslikornis(lbromels» (I. Mai 1855), „sind verschwunden. Alles wurde geschlachtet zur Berprovianti-.rung der französischen Schiffe. Frisches Ochsen-und Schweinefleisch wird jetzt von Californien,von Chile und den Sandwichinseln eingeführt. Die zum Protestantismus bekehrten Insulanerwerden verfolgt und evangelischen Sendboten der Zutritt versagt."