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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika. 341,

heutzutage nirgends mehr rein. Es ist vermischt worden theils durch die vielenSpanier, welche eine Zuflucht vor der spanischen Gerechtigkeit unter ihnen gesucht,theils durch die Spanierinnen, welche die Araucancn bei Zerstörung von sieben Co-lonien in verschiedenen Ereignissen des Kriegs zu Sklavinnen gemacht, theils auchdurch die Holländer,' die in so großer Anzahl von der Expedition descrtirten, welcheunter der Regierung Philipp's IV. bei Valdivia landete, daß deren Führer bei sei-nem Rückzüge zwei Galeonen in den Grund bohren mußte, die zu bemannen ernicht mehr stark genug war. Man erkennt setzt noch die Nachkömmlinge dieser Hol-länder von Villarica und Tolten bis zu den Ufern des Nio Jmperial. *)

Das Land der Indianer iss, nach Maßgabe der Polhöhe, von gleicher Frucht-barkeit mit dem der Spanier. Aber man sieht darin wegen der beträchtlich ver-minderten Bevölkerung viele mit hohen Bäumen und niedrigem Gesträuch bewach-sene Felder, deren ebener Boden bezeugt, daß sie einst dem Feldbau angehört, undvon denen es sich aus vielen andern Zeichen darthun läßt, daß sie ihre ehemaligenBewohner verloren. Jetzt gebrauchen die Indianer, um die Freiheit ihrer Staatenzu bewahren, eine behutsame Politik. Sie lassen keinen Spanier oder Fremdendurch ihr Gebiet reisen, noch viel weniger es durchforschen, ohne Vorwissen und Er-laubniß des Kaziken des Districts, und dieser ertheilt nie die Erlaubniß, ohne Denwohl zu kennen, deni er sie gibt. Dieses Verfahren wird auch in Ansehung derMissionare beobachtet, welche im Innern des Landes von einer Station zur andernreisen, ohne von dem Missionar des Districts begleitet zu sein. Gegen diesenselbst besondere Vorsichtsmaßregeln zu gebrauchen, so weit erstreckt sich das Mis-trauen des Indianers nicht. Die meisten Indianer sind Christen, und alle ohneAusnahme wollen, daß ihre Kinder getauft werden. Aber sie weigern sich, sobaldals solche in dem Alter sind, den christlichen Unterricht zu empfangen, sie der Kirchezu überantworten, weil, sagen sie, die Missionare, falls sie sich der Kinder bemei-stern, sich auch der Ältern bemeistern würden, sodaß sie Gefahr liefen, die politischeFreiheit ihrer Väter einzubüßen.

Die vier Provinzen oder Abtheilungen der Indianer heißen die Araucanen, dieLlanistas oder Bewohner der Ebene, die Huylliches und Pehuenches. Die Arau-canen bewohnen die Küste, eingetheilt in folgende Gouvernements: Arauco, das derganzen Provinz den Namen gibt; Tucapen, aus welchem sie stets zu ihren größtenUnternehmungen ihre Feldherren erwählen; Llaullen, Tixua, Jmperial baxa, Voxoa,Tolten, wo die Gerichtsbarkeit von Valdivia anfängt; Maxiguirra, Valdivia, Eu-dico, Cumcos. Jedes Gouvernement hat seinen Kaziken, der allen Bezirken vorsteht,die sein Gebiet umfaßt. Den: Bezirke aber ist ein Indianer von Ansehen vorgesetzt,unter dem Namen Guilmen. Die Würden der Kaziken und Guilmen sind erblich.Dieselbe Eintheilung in Gouvernements und Bezirke und dieselben Namen von Ka»zike und Guilmen findet man in den drei andern Provinzen, bei den Llanistas, denBewohnern der Ebene, den Huylliches, den Bewohnern des Abhanges der Cordil-leren, dann bei den Pehuenches, den Bewohnern der Thäler und Hochflächen. KeinKazike oder Guilmen mischt sich in eines andern Gebiet. Sie berufen wol, umwichtige Geschäfte abzuhandeln, Prvvinzialversammlungen, so die der Küste vonArauco bis zu Tolten in Chile und die von Tolten bis zu Cumco in Valdivia.Die Kaziken kommen allein mit wenigen Kriegsleuten zu diesen Provinzialversamm-lungen. Betrifft das Geschäft das ganze Land, so nehmen Beauftragte der andernProvinzen an den Rathschlägen Antheil, nachdem die Sache zuvor in besondern Ver-einen erwogen worden. Alle Indianer, bis auf die Pehuenches, bauen das Feldund säen Weizen, Mais, Gerste, Bohne» verschiedener Arten und Lein, dessen Sa-men sie essen und dessen Stroh sie zu Besen benutzen. Sie besitzen Pferde, Rin-

P Die Nachrichten von der Expedition der Holländer nach Chile im Jahre 1613 unterHendrick Bromver sind im entschiedenen Widerspruch mit den hier von Aldah angeführtenThatsachen. Vgl. Burney, „ Ldronologicsl bistorx", V, 113.