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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika.

ruhende Constitution gab, deren Ausführung von Seiten der Neactionäre zum Wi- iverstände und 1829 zum Bürgerkriege führte.

Präsident Pjnto mußte sein Amt niederlege» und die reactionä're Partei siegte:General Don Joaquin Prieto ward nach einigen kurzen Zwischcnregiernngcn zur Prä-sidentschaft 1830 erhoben und 1833 eine andere Constitukion gegeben, deren Umrissewir soeben dargestellt haben. Dieses Verfassungswerk hat seit jener Zeit keinegrundsätzliche Veränderung erfahren. Die wesentliche Verschiedenheit des frühernGrundgesetzes mit dem vom Jahre 1833 besteht in der Stärkung der ausübendenGewalt, welche die Befugniß erhielt, meuterische Orte und Gegenden in Belagerungs-zustand zu erklären, in der Einführung eines Staatsraths, aus frühern Ministern,aus alten Generalen, dem Landesbischof und andern angesehenen Männern, welchernun Chile in eine conservative Richtung zu bringe» und zu erhalten suchte, bis aufden heutigen Tag. Den unbedingten Militäreinfluß, von so großem Unheil in den an-dern südamerikanischen Ländern, hat man durch diesen Erhaltungssenat gebrochen, ohnedaß, da die Generale Sitz und Stimme darin haben, das Ansehen der Armee ge-brochen wurde. Die Stetigkeit der Exekutivgewalt förderte ebenfalls die ruhige Ent-wickelung im hohen Grade. Der General Don Joaquin Prieto, 1836 nochmalszum Präsidenten gewählt, behauptete sich zehn Jahre (1833—43) im Amte. Auchsein Nachfolger, General Bulnes, ist 1846 in der Präsidentschaft bestätigt worden,sodaß während des Verlaufs von 20 Jahren nur zwei Männer das Staatsruderführten, dem Wesen nach in derselben Richtung. Dies sind aber keineswegs die al-leinigen Gründe der Ruhe, wie die conservativen Anhänger der Verfassung von 1833behaupten, dieser am weitesten gegen Süden reichenden Republik. Die durch Natur-grenzen gesonderte Lage des Landes, sowie die Herrschaft der Aristokraten, welche diebeweglichen volksthümlichen Elemente ausschließen, trugen und tragen viel dazu bei, ,Chile vor den Stürmen der Schwesterrepubliken zu bewahren. Es exiflirt zwar sauch hier, nach dem Wortlaut der' Gesetze, kein Unterschied der Stände. Die Sitteist aber mächtiger als die Schrift. Aus den spanischen Zeiten hat sich der über-wiegende Einfluß der gebildeten aristokratischen Classen erhalten, und wie man sieht,zum großen Heile in > der weitgestreckten Landesmark. Die freisinnige Partei desGrundgesetzes von 1829 hat sich jedoch ihrem Schicksale nicht ruhig ergeben; sieversuchte wiederholt Ausstände, welche von den Conservativen niedergeschlagen undderen Theilnehmer dann mit großer Grausamkeit behandelt wurden. General Bul-nes zeichnete sich vorzüglich aus in diesen Kämpfen, was ihn seiner Partei empfahlund zur Präsidentschaft führte. Die tüchtigsten Genossen des Prieto und Bulneswaren ihre Minister Portales und Manuel Montte Portales, der grausamste Ver-folger der Liberalen, verlor 1837 das Leben in einem Militäraufstande, und Monttsteht seit 1850 an der Spitze der Republik. Präsident Bulnes versuchte nicht ganzohne Erfolg eine Aussöhnung der Parteien zu erwirken. Er verfuhr mit großerMilde gegen die Liberalen: ihr Haupt, der ehemalige Präsident Pinto, ward selbstin den SkaatSrath berufen, und der früher zum Tode verurtheilte General Freierwurde begnadigt und wieder in seine frühere Stellung und Besitzungen eingesetzt.

In ähnlicher versöhnender Weise verfuhr die neue Regierung mit andern ihrer Gegner.

Mit diesen Concessionen haben sich indessen die Anhänger der Verfassung von1829 nicht begnügt: sie wollten und wollen die bestehende Ordnung in friedlicheroder gewaltsamer Weise umstürzen, dann auf breiterm Grunde aufbauen und selbstzur Herrschaft gelangen. Sie suchten besonders die Bevölkerung mittels heftigerReden in den Clubs und der Presse aufzureizen, und griffen dann 1850, als sieglaubten, die Minen gelegt zu haben, zu gleicher Zeit in mehren Provinzen undselbst in der Hauptstadt Santiago zu den Waffen. Die Aufstände wurden aberschnell niedergeschlagen. Ein Führer blieb und ein anderer flüchtete in die Woh-nung des nordamerikanischen Gesandten. Man glaubte, und, wie es scheint,- nichtohne Grund, die Agenten der Vereinigten Staaten ständen mit den Liberalen inVerbindung, sie arbeiteten im Geheinien zum Sturze der conservativen Grundgesetze.