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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika.

Ebenso schnell wurde der neue Aufstand bei Gelegenheit der wiederholten Wahl desPräsidenten Montt niedergeschlagen. Die Republik war gegen das Ende des Jahres-1851, freilich nicht ohne großes Blutvergießen, beruhigt; die neue Verwaltung stießferner auf keinen thatsächlichen Widerstand. „Dank der hochherzigen und patrioti-schen Bestrebungen des Volks", mit diesen Worten konnte Präsident Montt dieneugewä'hlte Legislatur am 1. Juni 1852 eröffnen; „dank der Tapferkeit unsererArmee in den Schlachten von Longomilla und Copiapo, die Republik ist jetzt be-ruhigt von einem Ende zum andern. Das Vertrauen ist zurückgekehrt. Alle un-sere Kräfte können aus die Mehrung der Wohlfahrt des Vaterlandes gerichtet sein."Dessenungeachtet wurden dem Präsidenten die früher vom Congresse ihm übertra-genen außerordentlichen, zum Theil dictatorischen Vollmachten — er konnte jedenVerdächtigen gefangensetzen oder verbannen — auf den Zeitraum eines ganzen Jah-res erneuert. Sie erreichten erst am 1. Juni 1853 ihr Ende. „Die Republik",erklärte Montt in seiner Botschaft von diesem Tage, „befindet sich in solchem gedeih-lichen Zustand, daß die der ausübenden Gewalt mittels der Verfassung zuständigengewöhnlichen Befugnisse ausreichen."

Regierung und Congreß waren einsichtsvoll genug, sich von jeder Reaction fern-zuhalten. Man ließ die überwundenen flüchtigen Liberalen von Lima aus ihrefruchtlosen Proklamationen verkünden (Juni 1852) und ging ungestört fort auf demWege praktischer Verbesserungen. Eine Menge administrativer, staatswirthschastlicherund finanzieller Reformen wurden und werden ergriffen. Projekte zur Anlegungvon Eisenbahnen und Landstraßen, zur Verbesserung der Gerichte, des Post- undHypothekenwesens, des Ackerbaus und der Steuern, sowie Maßregeln zur Herbei-ziehung fremder Arbeitskräfte, zur Förderung der Schulen und Volksbildung wur-den berathen und zum Theil auch ausgeführt. Eine Gesetzgebungscommission, anderen Spitze der durch mehre Werke bekannte Jurist und Publicist Andres Bellosteht, statistische Bureaus in der Hauptstadt wie in den Provinzen sind errichtetworden. Ein neuer Codex des Civilrechks ist vollendet, welcher im Beginne des Jah-res 1857 ins Leben treten soll. Andres Bello, der Verfasser, erhielt dafür vomCongreß eine Belohnung von 20000 Dollars. Die Colonisationsprojecte nahmeneinen gedeihlichen Fortgang. Im Jahre 1852 kamen über 800 deutsche Einwandererin der Provinz Valdivia an, wo ihre Gegenwart fördernd wirkt nach vielen Richtungen.Nach außen hin wurde die Stellung der Republik durch Abschließung mehrer Handels-und Freundschaftsverträge mit den Vereinigten Staaten, mit England, Frankreich,Ecuador und andern Ländern (1846 — 55) befestigt und im Ansehen erhöht. DerVertrag mit England vom 4. Oct. 1854 beruht auf den liberalsten Grundsätzen. Diefreie Ausübung des Glaubens der Betheiligten ist ausdrücklich bestimmt; für die ver-schiedenen Neligionsgenoffen sollen eigene Kirchhöfe errichtet werden.

Chile ist so glücklich, daß sich seine Geschichte während der Jahre von 1853— 55 blos um diese innere Entwickelung, um die Maßregeln eines stetigen Fort-schritts bewegt. Und in voller Wahrheit konnte Präsident Montt bei Eröffnungdes Cgngresses am 1. Juni 1855 erklären: „Unser Land geht nach und nach undgeräuschlos der Entwickelung aller seiner Kräfte entgegen. Alle Interessen sind ver-einigt und zielen zur Erhaltung des Friedens, der Ordnung und Gesetzlichkeit. Wirleben der frohen Hoffnung, daß wir auch in Zukunft vor den Stürmen bewahrtbleiben, wodurch unsere Schwesterrepubliken so häufig heimgesucht werden. Unsbleibt die schöne Aufgabe, die Ehre unserer Race, welcher man so häufig den Sinnund die Fähigkeit zur Selbstregierung abgesprochen hat, zu wahren. Wir im äußer-sten Süden werde», gleichwie unsere große Schwesterrepublik im Norden, zeigen,welch einen schnellen Segen demokratische Institutionen über ein Land verbreiten.Für die Volkserziehung, für den öffentlichen Gottesdienst, zur Verbesserung derStraßen und anderer Culturanstalten wurden in der letzten Zeit große Summenangewiesen. Eine Gesellschaft ist zusammengetreten zum Bau einer Eisenbahn vonSantiago nach Talca; die Betheiligten sind überzeugt, große Gewinnste zu er-