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Brasilien und Südamerika.
Kapitäns Hotham Bericht würden Schiffe von 6—14 Fuß Tiefgang diesen Strom250 Seemeilen aufwärts bis zum ersten Wasserfall befahren können.
Der Parana wird durch die Vereinigung der mächtigen Ströme Nio Grandeund Paranahyba gebildet. Der erstere entspringt (unter 22° südlicher Breite) inder brasilischen Provinz Minas Geraes auf der Serra de Mantiqueira, nur 20 geo-graphische Meilen von der atlantischen Küste entfernt, durchströmt in westlicher Rich-tung ein ausgedehntes, überaus reiches Thal der Provinz Minas Geraes und densüdlichen, beinahe ganz menschenleeren Theil der brasilischen Provinz Goyaz, undvereinigt sich nach einem Laufe von ungefähr 150 geographischen Meilen, nachdemer eine große Zahl kleinerer und größerer Nebenflüsse, unter denen der Sapucahyund Pardo als die ansehnlichsten zu nennen sind, aufgenommen, auf der Grenzevon Mattogroffo mit demssast nicht minder bedeutenden Pacanahybastrom. Dieserletztere hat seine Quellen in der Provinz Eoyaz aus der Serra da Matta da Corda(18° südlicher Breite), nimmt zuerst einen westsüdwestlichen Lauf, dann, nachdemer den von Norden kommenden ansehnlichen Curumba aufgenommen, einen mehrsüdlichen Lauf auf der Grenze zwischen Goyaz und Mattogroffo und mischt seineWafsermaffe unser 20° 22' südlicher Breite mit dem Nio Grande. Von dieser Ver-einigung ab nimmt der majestätische Strom den Namen Parana an, den er biszu seiner Einmündung in den La Plata beibehält. Nach einem Laufe von mehr als180 geographischen Meilen durch ziemlich unbekannte Wildnisse Brasiliens, einerseitsdie Grenze zwischen Paraguay und Brasilien, andererseits zwischen Paraguay undder Argentinischen Conföderation bildend, nimmt er den gewaltigen Paraguaystromauf, und wendet sich von hier ab in südlicher Richtung dem noch 130 geographischeMeilen entfernten La Plata zu, allein der Argentinischen Conföderation angehörend.Nur auf dieser letztem Strecke ist er näher bekannt; aber selbst auf dieser, wo erdie Hauptader des innern Verkehrs bildet, hat sich in den 300 Jahren seit herEroberung in seinem Ansehen wenig geändert. „Es ist immer dieselbe Wafsermaffe,welche sich ihr Bett gräbt bis zu Tiefen, die häufig das Senkblei kaum zu erreichenvermag, bald einen Spiegel bildend, auf welchen, sich das Auge vergebens abmüht,die Ufer zu schauen, bald ihre Wogen in Engen aufthürmend, wo sie sich zwischenInseln, die sich dem Laufe entgegenstellen, einen Weg bahnen muß. Zuweilen be-spült der Strom seine Uferränder, die er auch wol überflutet, und man glaubt sichdann in einem See zu befinden; bald stürzt er an dem Fuße eines steilen Ufershin, dessen Rand 100 Fuß seinen Spiegel überragt und scheint in einen Ab-grund zu fliehen."*) Dies ist der Parana von der Einmündung des Paraguaybis zum Nio de la Plata, in welchem er sich verliert. Daß er auch in seinemobern Laufe, welcher zum Theil Brasilien allein, zum Theil Brasilien und Paraguayutid der Argentinischen Conföderation und Paraguay gemeinschaftlich angehört, ebensowie seine mächtigen, heute noch menschenleeren Wildnisse, welche die Natur mitgroßem Reichthum ausgestattet hat, durchströmenden Nebenflüsse, für größere Fahr-zeuge schiffbar ist, kann nicht bezweifelt werden. Man weiß indessen, daß sieben Was-serfalle (zwischen 23'/)° und 25° südlicher Breite), in welchen sich die gewaltigeWassermaffe auf einer Strecke von 25 Leguas von Abgrund zu Abgrund hinab-stürzt, die Schiffahrt unterbrechen.
Von der Beschaffenheit des Fahrwassers des untern Laufes des Parana, welcherfür jetzt nur von größerer Wichtigkeit ist, haben wir erst eine genauere Kenntinßerlangt, seit im Jahre 1852 britische und französische Dampfschiffe den Paranaund Paraguay bis Asuncion hinaufstiegen. Das englische Dampfschiff hatte 10 FußTiefgang und machte die Reise ohne Schwierigkeit. Inzwischen hat sich aber beidieser Fahrt gezeigt, daß weniger tiefgehende Schiffe die Reise schneller machen kön-nen, indem sie nicht genöthigt sind, das tiefere Fahrwasser zu halten, wo dsie Strö-mung meist sehr stark ist. Dampfschiffe von 8 Fuß Tiefgang gelangen, wie die
') Bgl. Page, „l.s ksrogus^" (Paris 1851).