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Brasilien und Südamerika.
der Geschichte die trostlosen Zustände der Gegenwart zu verantworten haben. Wärensie in aufrichtiger ehrlicher, Weise aus dem Wege des Fortschritts gegangen, hättensie die gemeine Selbstsucht und noch gemeinere Gcldmacherei ferngehalten, so wärevielleicht der europäische Continent in verhältnißmäßig ruhiger Weise einer glücklichenEntwickelung entgegengegangen.
Im Jahre 1837 gebot Rosas, infolge eines vor längerer Zeit erlassenen Ge-setzes, alle Fremden zu Buenos-Ayres müßten sich bei der Nationalgarde betheiligen.Auch mehre Franzosen wurden gewaltsam eingereiht. Die wiederholten Klagen derfranzösischen Agenten blieben erfolglos, und die Regierung zu Paris sah sich belei-digt und griff zu Zwangsmaßregeln. Am 28. März 1838 wurden, gegen den Rathder im Lande ansässigen Franzosen, alle Häfen der Argentinischen Conföderation inBlockadezustand erklärt. Noch mehr! Die Franzosen verbanden sich mit den Unioni-sten, mit den Feinden des Rosas, an deren Spitze bald der vertriebene General La-valle, welcher von Montevideo herbeikam, sich stellte und einzelne Truppenhaufendes Dictators von Buenos-Ayres besiegte. Auch zu Montevideo suchte Frankreichdie legitimp Regierung des Präsidenten Manuel Oribe zu stürzen und das Haupteines revolutionären Aufstandes, den General Fructuoso Rivera, an dessen Stelle zusetzen. Französische Eitelkeit wollte in Südamerika die Gebieter ein- und absetzen.Die Franzosen dachten nicht daran oder kümmerten sich nicht darum, daß sie dasNationalgefühl aufstacheln, die Bevölkerung sich zu Feinden machen und ihrem Han-delsverkehr mit diesen Ländern großen Schaden zufügen würden. Im September1810 rückte das „Befreiungsheer" unter Lavalle bis vor die Stadt Buenos-Ayres,brachte diese und andere Provinzen in Aufstand, belagerte die festen Plätze und ge-wann unter dem Schutze und der Beihülfe der Franzosen mehre Ortschaften. , Alsdie Unionisten mitten in ihrem Siegesläufe waren, kam der französische AdmiralMackau nach Montevideo (23. Sept. 1840) mit dem Auftrage, Alles aufzubieten,um Frankreich so schnell als möglich aus den La Plata-Wirren zu ziehen. Dieeuropäisch.orientalische Frage, der Krieg des Vicekönigs von Ägypten gegen seinenLehnsherrn, den Sultan, mußte zu jener Zeit alle Aufmerksamkeit Ludwig Philipp'?und seiner Minister in Anspruch nehmen. Frankreich stand isolirt im europäischenConcert; der Vertrag vom 13. Juli 1840 war ohne seine Zustimmung abgeschlossenworden. Mackau beeilte sich, die Freunde Frankreichs in Südamerika zu verrathen,indem er sich mit Rosas verständigte und den berüchtigten Vertrag vom 29. Oct.1840 einging, der folgende Grundlage hatte: Die Republik Uruguay oder die Banda-oriental sollte sich nach dem Vertrage von 1828 (welchen wir seinem wesentlichenInhalte nach unter dem Abschnitte Brasilien mitgetheilt haben) auch ferner der Un-abhängigkeit erfreuen; die Aufständischen gegen Rosas sollten amnestirt und die Fran-zosen, welche Verluste erlitten, entschädigt werden. Frankreich sollte überdies gleichden begünstigsten Nationen im argentinischen Staatenbunde behandelt werden.„Mackau, Frankreich und Verrath", erklärten dagegen die Unionisten, die Banda-oriental und alle ihre Verbündeten seit dem Ausbruch dieses ersten französisch-ar-gentinischen Krieges, „sind von nun an gleichbedeutende Namen, gleichbedeutende Be-griffe in den südamerikanischen Ländern. Wir Alle, die Banda-oriental und sämmt-liche Bundesgenossen in den Gemarkungen des Rio de la Plata sind verkauft, sindverschachert worden von dem einsichtslosen und verrätherischen französischen Cabinet.Im Vertrage vom 29. Oct. hat dieses Frankreich für einiges Geld seine Ehre undseine Verbündeten verkauft, ja sogar den eigenen wohlverstandenen Vortheil. Glaubtman denn, daß Rosas daran denkt, die eingegangenen Verpflichtungen jemals zuerfüllen?"*) Alle diese Vorwürfe waren begründet, alle diese Verkündigungen sindzu Buenos-Ayres wie in Uruguay eingetroffen. Unter den Augen des französischenAdmirals, während derselbe mit der aufgehißten Parlamentärflagge im Hafen lag,
') Vgl. die Auszüge aus den Noten und Druckschriften in dem erwähnten Werke des Ma-garinos Cervantes.