Brafilien und Südamerika. 355
wurden zu Buenos-Ayres auf Rosas' Geheiß gegen die scheinbar Amnestirten diegrößten Grausamkeiten verübt, und selbst mehre Fremde, darunter auch Franzosen,emhaupttt. Alle die Unglücklichen werden von den argentinischen Schriftstellern wiein den argentinischen Tageblättern mit Namen aufgeführt.
Die frühern Verbündeten Frankreichs, Lavalle an der Spitze der Unionistenin der Argentinischen Conföderation, sowie General Rivera sammt den Behördenvon Montevideo, welche Gegner des Präsidenten Oribe, des Freundes von Rosaswaren, haben den Vertrag des Admirals Mackau unbedingt zurückgewiesen. „Ver-rath, Anmaßung und Dummheit sind ihm an der Stirne geschrieben. Wer gabFrankreich das Recht, im Namen der Unionisten und der Republik Uruguay, ohnediese nur darum zu begrüßen, einen Frieden mit Rosas zu schließen? Und glaubtman denn in Paris, der Gaucho Rosas werde sich durch derlei Redensarten, wieAmnestie für die Aufständischen, Unabhängigkeit von Uruguay, in seinem Rachedurstund seiner Herrschsucht hemmen lassen? Nimmermehr!" Und so ist es auch in derThat geschehen. Der von König Ludwig Philipp unbedingt ratificirte Vertrag vom29. Oct. ist in allen seinen wesentlichen Bedingungen ei» todter Buchstabe geblieben.Obgleich Guizot von der Nednerbühne herab es wiederholt verkündete, das wildehalbbarbarische Volk am 8a Psata verdiene keine bessere Regierung als die des Ro-sas; obgleich die „kovus cls8 clsux monllss" zur Unterstützung dieser Ansicht mehreausführliche Darstellungen brachte, so führten doch die Argentiner und Orientalen,wie die Bewohner der Banda-oriental gemeinhin genannt werden, den Kampf ge-gen Rosas allein ohne alle fremde Hülfe noch längere Zeit fort. Erst am 19. Sept.1841 wurde Lavalle in der Ebene von Famalla in entscheidender Weise geschlagen,fünf Tage später sein Freund „Lamadrid bei Rode» del Medio in der Provinz Men°doza. Lavalle fand bei dem Überfalle zu Jujuy (8. Oct. 1841) seinen Tod, womitdas Heer der Unionisten in Auflösung gerieth, sodaß nun Rosas seine Gegner voll-ends niederschlagen konnte. Was seinem Racheschwert entrinnen konnte, flüchtetenach den Cordilleras de los Andes, um hinüber nach Chile zu entkommen, odersuchte anderwärts Schutz zu erhalten. Nur Wenige aber entrannen glücklich, den«die Meisten erlagen dem Hunger und der Kälte, die auf den Höhen der Cordillerasin den Monaten September und October einen hohen Grad erreicht. Eine furcht-bare Zeit für alle Feinde der Zwingherrschaft begann jetzt in der Argentinischen Con-föderation. Ist Alles wahr, was seine Gegner und fremde Reisende berichten, somuß die Regierung des Tiberius im Vergleich zu jener des Rosas eine väterlicheHerrschaft genannt werden. Die Geistlichkeit stand diesem Tyrannen in der dämo-nischen Verfolgungssucht alles Höher« und Edeln getreulich zur Seite. Der BischofJose Manuel Eufracio nannte den wilden Gaucho einen göttlichen Helden, segneteihn und sprach: „Die wahre christliche Liebe, die kräftige und erhabene, welche wirktzum Wohle des Volks, sie erheischet die Ausrottung der gottlosen Rotten, der ruch-losen Feinde Gottes und der Menschen, sie die wahre christliche Liebe fodert dieVertilgung der wilden Unionisten." Man bedenke, daß Magarinos Cervantes, wel-cher diese und andere Gräuel in seinen quellengemäßen Studien über die Länder amRio de la Plata erzählt, ein getreuer Anhänger der römischen Kirche ist, in demGrade, daß der verblendete Mann immer noch von ihr allein das Heil der Welterhofft und seine Mitbürger auflodert, den Andersgläubigen weder staatliche nochbürgerliche Rechte zu ertheilen.
Zur Ausführung aller seiner blutigen Entwürfe gründete Rosas einen Geheim-bund. Mashorco, Maisähre nannte er ihn, weil seine Theilnehmer so fest anein-ander halten sollten wie die Körner einer Maisähre. Alle verrufenen, schlechtenLeute wurden in diesen Verein aufgenommen, um unbedingt die Gebote des Ty-rannen zu vollziehen. Dumpfer Schreck hielt Buenos-Ayres in Banden wegen derfurchtbaren Verbrechen, welche von den Mashorcos jede Nacht verübt wurden. Früham Morgen fand man verstümmelte unkennbare Leichen auf den Straßen liegen z