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Brasilien und Südamerika.
und der ehemals so gerühmten englischen Verfassung, zwischen dem Wachsthum unddem Wohlstand der unter ihnen lebenden Völker und den Zustanden der Massenin Großbritannien. Diese alkenglischen Institutionen, die Verhältnisse der unter ihnenlebenden Massen wurde» jetzt gar mangelhaft und selbst traurig befunden. Es zeigtesich, daß das Land unter einem aristokratischen Absolutismus schmachte, welcher invielen Beziehungen nicht weniger selbstsüchtig, nicht weniger drückend ist wie oft- ^
mals der auf dem Conkinent. Die Vortheile der über einen großen Theil der :Erde verbreiteten Herrschaft Großbritanniens fließen in die Hände, im Verhältniß >zum ganzen Volke, weniger großen Familien; die hiermit verbundenen, aus derMacht hervorgehenden Lasten haben dagegen die Kleinen ebenso zu tragen wiedie Großen. Daß dies im angloindischen Reiche anders ist, liegt in der Geschichteseiner Gründung. Indien ward durch die Mittelklassen erobert, und Leute,, dieserArt behaupten sich noch in den meisten Stellen. Die höchsten und höhern Ämter,im bürgerlichen und im Kriegswesen, sind aber bereits der Aristokratie verfallen. Diemeisten andern müßte» nachfolgen, wenn streng nach dem Prüfungsplane für An-stellungen verfahren würde, welchen Macaulay und Genossen entworfen haben. Nurdie reichen aristokratischen Classen besäßen dann die Mittel, ihre Söhne in allen denverlangten Kenntnissen unterrichten zu lassen — ein veraltetes zum großen Theilnutzloses Gezeug für den asiatischen und jeden andern Staatsdienst. Ist man dochso weit gegangen, griechische und lateinische Verskunst unter die Prüfungsgegenständeaufzunehmen! Die untern Classen genießen nur mittelbar die Vortheile, welche ausder englischen Weltherrschaft fließen: sie sind auf Handel und Gewerbe, auf dietägliche Arbeit in den Fabriken und auf dem Felde angewiesen. Diese Arbeiter sindmisachtet, sind gedrückt und daher roh und unwissend, in England noch mehr wieauf dem Festlande. Und die Episkopalkirche thut alles Mögliche, um diese geschän-deten Armen — Armuth ist in England ein Vorwurf, der nahe an Schande und >
Verbrechen streift — in der herkömmlichen Unwissenheit zu erhalten. Sie ist einer !.vernünftigen Nationalerziehung in eben dem Grade entgegen wie die römische undlutherische Pfaffheit. Selbstsucht und Heuchelei bilden, wenn nicht einzig und allein,doch vorzüglich die Grundhebel des Gezänkes zwischen 'Tones und Whigs. Einprincipieller Unterschied ist, seit langer Zeit, in beiden Parteien nicht mehr vorhan-den: es sind die Anhänger des Pompejus und des Cäsar, welche sich um die Vor-theile und das Ansehen der Herrschaft streiten. Die Einen wie die Andern regie-ren zum Nutzen ihrer Standesgcnossen, und das Parlament steht zu ihrem Dienstebereit. Alles das tausenderlei Gerede/ alle die vielen Untersuchungen sind nutzlos,solange keine grundsätzliche Änderung stattfindet. Die Minister sind in allem We-sentlichen, namentlich bei den auswärtigen Verhältnissen, so unverantwortlich wie dieder continentalen Absolutien. Das Parlament ist machtlos; die Nation ist hier nurzum kleinen Theile vertreten. Und wie Viele, welche dieser Minderzahl angehören, imBeginne unabhängige Leute, verfallen nicht den Anlockungen des Reichthums, desAnsehens und der Titulaturen, dann dem alle Zweige der Regierung und Verwal-tung durchziehenden Patronatwesen! Der gerühmte Fortschrittsmann Joseph Huniebelästigte die hohen Gebieter im Indischen Hause unaufhörlich mit Gesuchen um An-stellungen für seine armen schottischen Laudsleuke, für seine Verwandten und Freundeund Anhänger. Joseph Hume war derart mit Leib und Seele der OstindischenCompagnie verkauft, daß er in den Ausschüssen zur Berathung der indischen An-gelegenheiten Papiere unterschlug, welche seinen hohen Gönnern, den Ämkerverlei-hern im angloindischen Reiche, zum Nachtheile gereichen könnten. So wenigstensbehaupten die ersten Organe der angloindischen Presse. *)
In den Freistaaten jenseit des Atlantischen Ocean bedarf Niemand der Herren-gnade. Auch die ärmsten Kinder, Mädchen wie Knaben, erhalten ohne alles Ent-
*) Man vergleiche hierüber die Stellen verschiedener Zeitungen in der Zeitschrift „Id«Inclian l^ocvs" vom I. Juni 1855, Rr. 307, S. 251, und in andern Nummern.