386 Preußens Statistik.
Einwohnerzahl gewonnen hat: im Jahre 1855: 446500 Bewohner. Breslau undKöln habe» sich im Lause eines Jahrhunderts in der Bevölkerung nur verdoppelt,die erste Stadt bis auf 117700, die zweite bis auf 104757 Bewohner (mit Ein-schluß von Deutz) im December 1852. Königsberg und Danzig, die nächstdem inder absoluten Bevölkerung folgen, sind in dem gleichen Zeitraume nicht voll um 50°/»gewachsen, jene im December 1852 bis auf 79150, diese nur auf 65217 Bewoh-ner. Magdeburg und Aachen, beide durch die regste Industrie und eine günstigeLage für den Verkehr des Landhandels in den letzten 50 Jahren außerordentlich ge-stiegen, lassen diesen vortheilhasten Einfluß auch durch die in diesem Zeitabschnitt fastverdoppelte Bevölkerung erkennen, im December 1852 für Magdeburg 61159 Ein-wohner (ohne Neustadt und Sudenburg, mit diesen beiden Vorstädten 77159 Ein-wohner), für Aachen 51969 Einwohner. Die nächste Classe der preußischen großenStädte können wir durch eine Bevölkerung von 35 — 50000 Bewohnern abgren-zen. Es gehören zu dieser sechs, von denen nur Potsdam mit 39864 Bewohnernals Residenz und starke Garnisonstadt das allmälige Fortschreiten seiner Bevölkerungdieser politischen Stellung verdankt, die übrigen fünf aber als sehr wichtige Concen-trationspunkte für Handel und Fabrikenindustrie durch diese belebende Hebel ihr ra-sches Wachsthum ununterbrochen zunehmen sehen; Stettin und Posen bereits nahean 50000 Bewohner, Elberfeld, Krefeld und Barmen zwischen 37 — 40000 Be-wohnern. Die letzte Classe der großen preußischen Städte mit mehr als 15000 undweniger als 35000 Bewohnern zählt 16, meistentheils alte Städte, die theils alsHauptstädte der Provinzen und Regierungsbezirke, theils als Universitätsstädte oderHandelsplätze zweiten Ranges, ohne besonders schwunghafte Industrie im Handel undder technischen Cultur nur ein allmäliges Fortschreiten der Bevölkerung bekunden:sie sind nach der Stärke der Bevölkerung gereiht Halle, Erfurt, Frankfurt an derOder, Düsseldorf, Koblenz, Münster, Elbing, Halberstadt, Stralsund, Görlitz, Trier,Brandenburg, Bonn, Neisse, Wesel und Groß-Glogau. In der ersten Classe dermittlern Städte, die 10—15000 Einwohner zählen, und deren gegenwärtig bereits35 aufgeführt werden, befinden sich gerade die blühendsten Fabrikstädte für Me-tallwaaren, Baumwolle- und Wollenmanufacturen, die zum Theil erst seit dem An-fang dieses Jahrhunderts aus kleinen Ortschaften von einigen Hundert Bewohnernbevölkert, rasch zu ansehnlichen Städten von mehr als 10000 Bewohnern sich erho-ben haben, wie Remscheid, Höhescheid mit Merscheid, Burscheid und Lcichlingen undandere Orte der Rheinprovinz. Darauf folgen in der zweiten Abtheilung der mitt-lern Städte 117, die zwischen 5000 und 10000 Einwohner besitzen. Unter den799 kleinen Städten des preußischen Staats zählen 443 noch zwischen 5000 und2000 Einwohner, 287 zwischen 2000 und 1000 Einwohner und 69 erreichen nichteinmal die Höhe von 1000, 15 darunter selbst nicht 600 Einwohner; diese letztemsind indessen nur im Großherzogthum Posen und Schlesien zu finden.
Die Bewegung in der Bevölkerung ist in den letzten Jahren, unter dem Ein-flüsse der politischen Unruhen in den Jahren 1848 und 1849 und der in jedem Jahrein einer oder der andern östlichen und mittlern Provinz des Staats sich einstellendenCholera*) namhaften Schwankungen unterworfen, namentlich was die Mortalitätanbetrifft. Die Zahl der jährlichen Geburten weist einen geringern Unterschied nach:sie betrug im Jahre 1847: 583348, 1848: 576937, 1849: 691562, 1850: 679931,1851: 678111, 1852: 673850, zusammen 3,883739, d. i. im jährlichen Durch-schnitte 647288, oder auf 26 Einwohner eine Geburt. Die Zahl der stehendenEhen war im Jahre 1846: 2,675531, 1849: 2,691055, 1852: 2,706930, mit-hin traf ziemlich genau auf vier Ehen jährlich eine Geburt. Die Zahl der jährlichgeschlossenen neuen Ehen entsprach der jährlichen Zunahme der Bevölkerung, indem
*) Die Cholera federte in den Zähren 1848 und 1849 allein 71466 Opfer, und mit Aus-nahme des Jahres 1851 sind bisjetzt jährlich ähnliche außerordentliche Verluste in den sechsöstlichen Provinzen dieser Krankheit zuzuschreiben.