Preußens Statistik. 385
Zu dem deutschen Staatenbunde gehören bekanntlich jetzt sieben preußische Pro-vinzen, da die beiden letzten im April und Mai 1848 in den Bund aufgenommenen(Preußen und der größere Theil des Großherzogthnms Posen) im October 1851 mitbeiderseitiger Zustimmung aus diesem Bundesverhältnisse wieder ausschieden. Es ge-hört mithin gegenwärtig von Preußen ein Territorium von 3389,is Quadratmeilenmit 12,948927 Bewohnern zum Deutschen Bunde, d. i. beinahe ein Drittel desgesammten Territorialbestandes des Deutschen Bundes (genau 29,42°/«) und säst dergleiche Antheil an der Gesammtbevölkerung des Bundesgebiets (genau 30,s"/»)*), imFlächeninhalt um 190 Quadratmeilen geringer, in der Bevölkerung unzweifelhaftmindestens um 500090 Seelen stärker als der östreichische Antheil. Das preußischeStaatsgebiet außerhalb des Deutschen Bundes umfaßt 1714,S4 Quadratmeilen mit3,986493 Bewohnern. Vergleichen wir außerdem die beiden großen durch andereStaaten voneinander getrennten Theile des preußischen Staats, so enthalten die sechsProvinzen des östlichen Theils 4227 ,77 Quadratmeilen mit 12,447430 Bewohnern,die drei Provinzen des westlichen Theils 875,ss Quadratmeilen mit 4,488080 Be-wohnern, also jene etwa fünf Sechstheile des Staatsgebiets mit einer relativen Be-völkerung von je 2944 Bewohnern auf einer Quadratmeile, diese zwar nur ein Sechs-theil, aber mit einer fast doppelt so dichten Bevölkerung, mit 5123 Bewohnern aufeiner Quadratmeile.
Als Wohnsitze haben wir nach der letzten Zählung (1852) 980 Städte, 347Flecken, 31795 Dörfer, 11466 Vorwerke und isolirte Höfe, 9227 Colonicn undWeiler, endlich 26127 einzelne Etablissements verzeichnet, welche zusammen 4,298035Gebäude enthalten, von denen 80455 für öffentliche Zwecke und kirchliche Angele-genheiten, 1,945182 für Privatwohnungen und 2,272398 für gewerbliche oder öko-nomische Zwecke bestimmt sind. In den Städten wohnten im December 18524,815654 Bewohner, auf dem platten Lande 12,119766 Bewohner; es befandensich demgemäß durchschnittlich unter 1000 Bewohnern 284 städtische und 716 länd-liche. Aber von diesem Verhältnisse weichen zu Gunsten der ländlichen Bevölkerungsehr wesentlich die Regierungsbezirke Gumbinnen, Trier und Oppeln ab, welche ver-hältnißmäßig die wenigsten Städte und außer Trier keine große Stadt besitzen. Auf1000 Einwohner kommen im gumbinner nur 125 Städter und 875 ländliche, imtrierer 131 Städter und 869 ländliche Bewohner und im oppelner 181 Städter und819 ländliche Bewohner. Die stärkste städtische Bevölkerung liefern uns die dreiRegierungsbezirke Potsdam mit Einschluß Berlins, Düsseldorf und Magdeburg: je-doch nur in dem ersten ist durch das Übergewicht der Hauptstadt die städtische Be-völkerung an sich sogar zahlreicher als die ländliche; auf 743069 Bewohner in denStädten kommen 567094 ländliche, d. i. unter 1000 Bewohnern auf 572 Städter428 ländliche Bewohner; im Regierungsbezirk Düsseldorf auf 410688 Städter548126 ländliche, d. i. auf 429 Städter 571 ländliche Bewohner; im Regierungs-bezirke Magdeburg auf 276090 Städter 438178 ländliche, d. i. auf 387 Städter613 ländliche Bewohner.
Unter den für jede Art des bürgerlichen Verkehrs bedeutsamsten Concentrations-punkten zählen wir sieben große Städte, die zwischen 50000 und 450000 Bewoh-ner in sich einschließen. Aber außer Berlin sind alle diese Städte schon am Schlüssedes Mittelalters große ansehnliche Städte gewesen, welche eine Bevölkerung von fast50000 Menschen oder auch noch darüber in sich nährten. Nur Berlin hat sowoldurch seine Stellung als Haupt- und Residenzstadt eines großen Staats wie durchseine rege Industrie seit dem Zeitalter Friedrich's des Großen in seiner Bevölkerungso außerordentlich zugenommen, daß es in 150 Jahren eine 15 mal so starke
) Die zuletzt angegebene Berhältnißzahl für die Bevölkerung kann um v,z —0,s"/o zuhoch angegeben sein, da die Volkszählungen für sämmtliche Bundesstaaten nicht bis auf denDecember 1852 reichen, namentlich nicht für Östreich, Holstein und die Hansestädte.
Die Gegenwart. XII. 25