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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

im 17. Jahrhundert da. Wir mußten mit kurzen Worten der Bildung dieser ver-schiedenen Richtungen gedenken, da wir sehen werden, daß die Medicin des 18. Jahr-hunderts ihren nothwendigen Ausgangspunkt aus ihnen nahm und sie selbst amSchlüsse desselben noch deutliche Züge jener Bestrebungen ausweist.

Nicht ohne Bedeutung für die Ausbildung der Medicin im vergangenen Jahr-hundert ist der Umstand, daß wir nicht wie im 15. und 16. je einen Mann (dortParacelsns und Sydenham) als Hauptförderer der Heilkunde zu betrachten haben,sondern gleichen Accent auf die Leistungen Mehrer legen müssen. Die künstleri-sche Richtung der Medicin tritt in diesem Zeitraum allmälig immer mehr und mehrzurück; dagegen gewinnen die sich nun glänzend entwickelnden Naturwissenschafteneinen immer großer» Einfluß auf die wissenschaftliche Begründung jener, und be-sonders ist dieser Abschnitt reich an Theorien der Krankheit, wie ja überall die höchsteAufgabe diejenige ist, an welcher sich neugebildete Kräfte am ersten zu versuchenpflegen. Von dem Begriffe der Krankheit aus bildeten sich dann die die speciellenKrankheitsformen umfassenden Systeme, welche trotz mancher für den jetzigen Standunserer Kenntnisse freilich nicht haltbarer Punkte doch mit Hinsicht auf die Abrun-dung und besonders auf den Erfolg derselben die Anerkennung auch der neuern Zeitin hohem Grade verdienen. Ehe jedoch das wissenschaftliche Triumvirat der erstenzehn Lustren des vorigen Jahrhunderts, Boerhaave, F. Hoffmann und G. E. Stahl,ihrer Stellung nach charakterisirt werden können, müssen wir zuvor eines Andernnicht genug zu preisenden Mannes gedenken, welcher, nur wenige Jahre jünger alsjene, für unsere Zeit eine um so größere Bedeutung hat, als die von ihm ins Lebengerufene Wissenschaft gerade jetzt zur größten Blüte gelangt ist. Es ist dies Giam-battista Morgagni, der Gründer der pathologischen Anatomie. War nämlich auchvor Morgagni schon manche Sectivn in der Absicht, den Krankheitssitz zu ergründen,mit großer Feierlichkeit oder heimlich vorgenommen worden, so wurden doch die hier-aus entspringenden Resultate mehr als vereinzelte Merkwürdigkeiten betrachtet, diesich täglich bietenden Erscheinungen als bedeutungslos angesehen. Morgagni dage-gen brachte die Thatsachen, welche er zahlreichen äußerst geschickt angestellten Zerglie-derungen kranker Leichen verdankte, zum ersten male in eine wissenschaftliche Formzusammen und wies dabei mit seinem „beständig auf das Anwendbare gerichtetenSinne" auch gewöhnlichen Vorkommnissen ihren bedeutungsvollen Platz im Ge-sammtbilde an. Sein Werk „Über den Sitz und die Ursachen der Krankheiten"ist in Bezug auf Inhalt und Form eine der bedeutendsten Erscheinungen der medi-cinischen Literatur.

Während so auf der einen Seite der Grund zu einer anatomischen Charakteri-stik der einzelnen Krankheitsformen gelegt wurde, sorgten/ andererseits Männer vongroßer Bedeutung für die Ermöglichung einer naturgemäßen Krankheitstheorie. Ein-mal sind hier die Leistungen auf dem Gebiete der Physik und Chemie, dann beson-ders die Neubegründung der Physiologie durch Ax Haller zu erwähnen. Hallerführte das Experiment wieder in die Physiologie ein und gab derselben dadurch denGrund, welcher sie in den Stand setzte, allmälig zu der jetzt an ihr bewundertenSicherheit und Genauigkeit zu gelangen. Da es hier nicht darauf ankommt, Hal-ler's Leistungen überhaupt zu schildern, sondern nur seinen Einfluß auf die Ent-wickelung der Medicin anzudeuten, so werden wir ihn ausführlicher bei der Jrrita-bilitätslehre erwähnen, welche aber durch ihre Folgen so sehr in das 19. Jahrhun-dert herübergreift, daß wir sie erst später berühren können. Was die Einflüsse derPhysik und Chemie auf die Medicin betrifft, so liegt die Physik der damaligen Zeitder Medicin noch fern, obschon Halley's, Franklin's, Galvani's, Volta's Entdeckun-gen später von Bedeutung wurden. Viel eingreifender in das ganze Wesen derMedicin stellt sich die Chemie dar. Während die Bemühungen der Scheidekünstlerbis auf die Zeiten Paracelsns' darauf gerichtet waren, die unedel« Metalle in edlerezu verwandeln, Gold zu machen, den Stein der Weisen zu finden, trat mit Para-celsus diese alchemistische Richtung auf immer in den Hintergrund, um allmälig