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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

welches geistige Band miteinander in Verbindung zu sehen. Dies geschah seit Hip-pokrates. Nur waren die leitenden Grundsätze verschieden, insofern diese von demStande der Naturwissenschaften, besonders der Anatomie und Physiologie in einermehr oder weniger tief eingreifenden Weise gebildet oder wenigstens bestimmt undmodisicirt wurden, und insofern sie nach den jeweiligen philosophischen Systemen sichzu modeln hatten. Es würde zu weit führen, sollte hier auch nur ein flüchti-ger Überblick über das Wechseln der Ansichten von Hippokrates bis auf Paracelsus,von Galen bis auf G. E. Stahl gegeben werden. Doch ist es nicht ohne Wich-tigkeit für die jüngste Entwickelung der Medicin, daß sich gerade die Männer, anderen Namen sich Epochen der Heilkunde knüpfen, fast jedes Einflusses von andererwissenschaftlicher Seite her zu einschlagen juckten, und auf die Beobachtnng allein,wie Hippokrates sie gelehrt hat, zurückgingen. Es ist dies in mehr als einer Hin-sicht bemerkenswerth. Einmal zeugt es für die Selbständigkeit der wissenschaftlichenMedicin, welche sich, mögen die Nebenwissenschaften sich verirren wohin sie wollen,doch denselben nicht überall zu folgen gezwungen ist. Dann aber spricht dieser Um-stand für das Urtheil der Männer selbst, welche ohne etwas Besseres an die Stelleder physiologischen und chemischen Hypothesen und Theorien setzen zu können, dochderen Ünhaltbarkeit für die Gründung einer Heilwissenschaft fühlten und die Me-dicin dahin zurückführten, wo sie nicht irren konnte, zur Naturbeobachtung. In ei-nem diesem ähnlichen Sinne hatte Galen die Heilkunde zu reformiren gesucht, sogarmit einer für seine Zeit gewiß überraschenden Rücksichtnahme auf anatomische Ver-hältnisse. Starrer, aber trotz seines Mysticismus in der Geschichte der Heilkunde-Epoche machend, begegnet uns Theophrastus Paracelsus. Vor Allen Lber ist Tho-mas Sydenham zu nennen, welcher nicht wie Paracelsus auf die Möglichkeit einerwissenschaftlichen Ausbildung der Medicin Verzicht leistete, sondern unter FranzBacon's, des Gründers der heutigen naturwissenschaftlichen Methode, Einfluß dieempirisch gewonnenen Thatsachen an der Hand der Jnduction zu einem wissenschaft-lichen Ganzen verknüpfen wollte. Und doch bleibt Sydenham nur ein Heilkünstlerin dem vorhin erwähnten Sinne. Sein beobachtendes Verfahren richtete sich vor-züglich auf Therapie, deren künstlerische Abrundung er von seinen Nachfolgern inder Ausbildung der specifischen Heilmethode erreicht zu sehen hoffte, da die Naturin jeder Krankheitsform die Lösung des Processes auch aus einem jeder derselben ei-genen Wege anzubahnen versuche, welchen zu ebnen besondere für jede Krankheits-form eigenthümliche Mittel dienen sollten. Es ist dies um so bemerkenswerther, alsdurch die großartige Entdeckung des ein Menschenalter vor Sydenham gestorbenenHarvey die Physiologie eine große Umwälzung erfuhr, welche um so leichter zu neuenHypothesen für ein System der Medicin hätte führen können, als man durch die-selbe immer eindringlicher auf die schon von Galen aufgestellte Ansicht geleitet wurde,daß der Ablauf der Krankheitsprocesse vom Ablauf des gesunden Lebens nicht we-sentlich verschieden sei, eine Erklärung des letzter» also auch die erster» berührenmüsse. In der That waren auch kurz vor Sydenham zwei medicinische Schulengebildet worden, von denen die eine sich von Auswüchsen fernzuhalten suchte, dieandere der Natur ihres Grundgedankens wegen weniger Anspruch auf Exactheit undwissenschaftliche Tragweite erheben konnte. Zu der erster« gehören die von Italienaus sich verbreitenden Jatrophysikerf welche in Sanctorius und Borelli ihren Aus-gang hatten und sich durch die Mäßigung, mit welcher sie ihre physiologischen An-sichten auf die Heilkunde zu übertragen versuchten, lange in Ansehen hielten, derenGrundsätze selbst später noch den Systemen Boerhaave's und F. Hoffmann's zumAnknüpfungspunkt dienten. Zu der letztem haben wir die wegen der Anwendungchemischer Hypothesen zur Erklärung physiologischer Vorgänge Iatrochemiker genann-ten Arzte des 17. Jahrhunderts zu rechnen, deren Hauptrepräsentant Kranz Dele-boe Sylvius, der erste bedeutende klinische Lehrer, war. Gegenüber diesen beidenRichtungen steht Sydenham durch Zurückführung der Medicin auf die hippokrati-schen Grundsätze der Beobachtung und des Heilens als Reformator der Medicin