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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

speciellen ätiologischen Schlüssen gelangte man aber nicht. Der Grund hiervon liegteinmal in den unzureichenden Beobachkungsmethoden der als Krankheitsursachen be-trachteten Außendinge, welche man weder hinreichend zu isoliren noch in ihren Ver-bindungen auf ihre Wirkungsweise zu untersuchen verstand, dann besonders in demMangel richtig erkannter Einzelformen des Erkrankens. Auch hier das physiolo-gische Forschungen so mächtig hebende Experiment einzuführen, lag leider fern, diesumsomehr, als der eine Zweig der ärztlichen Thätigkeit, bei welchem derartige Expe-rimente von der Erfahrung geboten wurden, sich von der eigentlichen Medicin los-getrennt hatte, die Toxikologie, der andere, die Chirurgie, wegen der ursprünglichenStellung der Wundärzte in der bürgerlichen Gesellschaft noch nicht mit ihr vereinigtwar. Verhältnißmäßig erst sehr spät erkannten die Ärzte die großen Vortheile, welchesich aus der sorgfältigen Beobachtung einfacher, durch mechanische Einwirkungentstandener, oder infolge der Aufnahme chemisch wirkender Stoffe auftretenderKrankheitsformen für die Theorie der Krankheit ergaben. Wir können die Ärzte,welche sich in dieser Richtung verdient machten und welche besonders Deutschlandangehören, als die neuere physiologische Schule bezeichnen, obgleich es bei der jetzt soallgemein gewordenen Verbreitung richtiger Gesichtspunkte schwer ist, noch oder schon(denn wir leben noch mitten in der Bewegung) von Schulen zu sprechen.

Fragen wir nun nach alledem, wie sich in der Jetztzeit die Änsichten der Ärzteüber das Wesen der Krankheit gebildet haben, so finden wir, daß von einem Para-sitismus nicht mehr die Rede ist, daß von einem widergesetzlich verlaufenden Processegegenüber der sonst als unumstößlich erwiesenen und einzig und allein anzunehmendenNaturgesetze nicht mehr die Rede sein kann. Wir. können keine wissenschaftlichereund prägnantere Darlegung geben, als wenn wir Hasse reden lassen: „Die Krank-heit ist kein selbständiges, außerhalb des Organismus stehendes Wesen, kein Indi-viduum, gleich den Objecten der Naturgeschichte, sondern sie besteht aus einer Reihevon Erscheinungen an und im Gesammrorganismus. Sie ist nur deshalb eine zu-sammenhängende Einheit, weil ihre einzelnen Erscheinungen.von einer bestimmteneinigen Ursache herrühren, welche unter gegebenen Verhältnissen immer dieselben be-stimmten Wirkungen hervorbringt. Demnach ist die Krankheit in Bezug auf diekrankmachende Schädlichkeit eine Summe von Vorgängen, welche durch jene in be-stimmter Reihenfolge hervorgerufen werden; — in Bezug auf den erkrankten Körpereine Summe von Erscheinungen, welche auf eine bestimmte Weise einer bestimmtenUrsache entsprechen." Wir können diesen Abschnitt nicht besser schließen und dieStellung der heutigm Medicin nicht treffender bezeichnen,' als wenn wir mit demeben genannten ausgezeichneten Arzte und Lehrer fortfahren: „Durch diese Dar-legung des Krankheitsbegriffs 'ist der Pathologie auf das entschiedenste ihre Stelleals ein Theil der Physiologie angewiesen, und es ist vom wissenschaftlichen Stand-punkte aus unmöglich sie der lehtern gegenüberzustellen, sowie es unmöglich warden Gegensatz von Gesundheit und Krankheit wissenschaftlich durchzuführen."

Vervollkommnung der Diagnostik.

Wenn nach der Aufgabe gefragt wird, eine bestimmte Krankheit zu erkennen,so ist es fast müßig daran zu erinnern, daß die Lösung derselben höchst verschiedenausfallen wird, nach dem Stande der Kenntnisse der einzelnen Krankheiten und demZustande der Pathologie im Allgemeinen. Wir haben vorhin erst gesehen, daß, so-lange die Pathologie noch vorzugsweise symptomatisch war, ein bestimmter in ähnlicherMesse wiederkehrender Symptomencomplex als Krankheitssorm angesehen wurde. DieSymptome konnten aber zu einer Zeit, wo die Krankheit nur nach ihren äußernErscheinungen bestimmt wurde, wo weder gewisse Gruppen von Vorgängen alsnothwendig mit andern zusammenhängend erkannt wurden, noch der eigentliche Sitz.des Erkrankens in allen Fällen sicher bekannt war, nichts Anderes sein, als gewisseim Allgemeinbefinden des Körpers nachweisbare Zeichen von Störung. Je we-niger objective Merkmale man von gewissen Krankheiten hatte, um so größerer