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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

außer jenem noch gewisse, der Berechnung durch ihre Nachweisbarkeit zugänglicheStoffe übergehen. Wie mächtig hat nicht die Einführung des Äthers, des Chloro-forms, des Formylchlorürs die Welt, nicht blos die ärztliche, bewegt. Kurz, unserArzneischatz ist so reich, daß es scheint, als konnten wir für jede Krankheitsformnicht blos das richtige einzelne Mittel, sondern für jede besondere Modifikation der-selben noch besondere Mittel anwenden. Und doch ist es noch nicht so weit-

Fragen wir nämlich, wie sich die Therapie in jetziger Zeit gestaltet hat, so kön-nen wir die Antwort nur dahin, geben, daß einerseits, mit Ausnahme weniger vonder Menge „gelehrt" genannter Ärzte, der Glaube an die Erfahrung älterer Ärzte,welcher eine zeitlang sehr gemindert war, erst neuerdings etwas zu erwachen beginnt,andererseits, und dies bei der Mehrzahl der jungem Ärzte, das Vertrauen in dieHeilwirkung gewisser Mittel sehr erschüttert ist. Es ist eine Zeit des Zuwartens.Man hofft von der Zukunft der Wissenschaft das Beste, will aber durch Änwendungvon Mitteln, deren Wirkung man nicht naturwissenschaftlich exact bestimmen kann,nicht schaden, kann indessen auch natürlicherweise nicht nützen und gibt womöglich garnichts. Das Hippokratische wpürcw ro (vor allem nur nicht schaden) hat

fast nie in einem solchen Ansehen gestanden. Doch ist der große koische Arzt nichtblos hierdurch zu Ehren gekommen. Seine Behandlungsweise war auf eine aus-gedehnte diätetische Basis gegründet, welche durch Fernhaltung jedes schädlichen Ein-flusses sowie durch möglichste Regelung der dem physiologischen Proceß des Lebensnothwendigen Außendinge den kranken Körper in eine der Genesung günstige Stim-mung zu bringen suchte. Daß dies jetzt wieder lebhafter in Angriff genommen wird,ist allbekannt. Wie oft hören wir mit Verwunderung davon sprechen, daß bei einemTyphuspatienten die Fenster geöffnet worden seien auf Verordnen des Arztes; wasfür Kämpfe hat man jetzt zuweilen zu bestehen, wenn das Wechseln der Wäsche ineinem Zeitraum der Krankheit durchgesetzt werden soll, wo die in die Leibwäsche über-gegangenen Ausdünstungen am schlimmsten auf die eben wieder thätiger werdendeHaut zurückwirken, ein Entfernen derselben also geboten ist. Diese die naturgemäßeGenesung wesentlich unterstützenden Theile der äußern Behandlung verdienen großeAnerkennung. Sie bringen den Kranken in eine Lage, in welcher man den Zustandder natürlichen Kräfte desselben richtiger und schneller beurtheilen kann, als wenn ermitten in dem schauervollen Apparat eines antiken Krankenzimmers mit vppressiverLuft, drückender Wärme u. s. w. sich befände. Diese diätetische Seite der Therapiemuß uns aber auch freilich für Manches entschädigen, was ein exclusiver neuererArzt vermissen läßt, besonders für eine Meditation. Zwar ist durch Erweiterungdiätetischer Mittel der Kreis der eigentlich sogenannten Heilmittel etwas beschränktworden, indessen werden wir deren doch nie ganz entrathen können. Daß dieselben jetztweniger verordnet werden, liegt an der-ganzen Richtung der Medicin. Man hattebisjetzt eine besondere Sorgfalt auf Erforschung des Krankheitsprocesses verwendet,und ist nun dabei angekommen, für ihn genau dieselben Gesetze anzuerkennen, welchedas gesunde Leben ermöglichen. Die Frage lag daher nähe, in welcher Weise woleinzelne Heilmittel auf die physiologischen Vorgänge einwirkten und inwieweit mandaher auch in Krankheiten aus ihren Beistand rechnen könne. Die Antwort hieraufkonnte nur ein Verfahren geben, welches von der Physiologie bereits seit Halter mitdem größten Erfolge benutzt worden war, von der praktischen Heilkunde nur in sehrbeschränkter Weise in Anwendung gezogen werden konnte, das Experiment. In derThat hat man denn auch seit ungefähr 15 — 20 Jahren begonnen, die Reihe derHeilmittel einer experimentellen Prüfung zu unterwerfen. Eine ziemliche Zahl konntedabei gleich von vornherein als unnütz verworfen werden, da sich bei näherer Unter-suchung ihrer etwaigen Wirksamkeit ergab, daß dieselbe nur außerordentlich beschränktsein könne. Bei andern fand man, daß ihre Wirkung zwar evident, aber doch ineiner andern Weise auftrete, als man annehmen zu können geglaubt hatte u. s. w.Es sind jedoch von allen dieser Prüfung unterworfenen Mitteln nur solche in ihrenWirkungen erklärt worden, welche in irgendwelcher Weise chemisch nachweisbare Be-