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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

wegungen und Umsetzungen zur Folge haben. Die große Zahl der reizenden, al-terirenden, die betäubenden, narkotischen u. dergl. sind wol als solche bestätigt wor-den, doch ist man bisjetzt noch nicht über diese einfache Bestätigung hinausgekommen.Wie dem auch sei, jedenfalls ist das pharmakologische Experiment der Theil der Me-dicin, welcher noch die größte Zukunft hat, da die dasselbe erleichternden Verhältnisseimmer mehr geklärt werden, und andererseits keine Lehre von so unmittelbarer Folgefür den Arzt und Kranken ist als diese die wirklichen Heilmittel betreffende. Daßjetzt nur ein kleiner Kreis von Mitteln experimentell durchforscht und in seiner Wir-kung erklärt und dadurch gesichert ist, hat zur Folge, daß von andern Mitteln ver-hältnißmäßig nur wenig angewendet werden. Man will erst den Erfolg beweisen,ohne Denen zu glauben, welche vor uns für die „Wirkung aufgetreten sind. DieMineralwässer, welche seit F. Hoffmann von den Ärzten ernstlicher beachtet wurden,sind daher jetzt im Ganzen sehr beliebt. Man kennt ihre Zusammensetzung, kanndieselbe sogar, dank den Bemühungen der Familie Struve, nach Bedürfniß der Ver-sendung, der Wirkung u. s. w- verändern, und ist so im Stande, den Erfolg eineslängern fortgesetzten Gebrauchs derselben ziemlich bestimmen zu können. Nur mußman dabei sich die Mühe geben, wirklich die chemische Natur der Wässer kennen zulernen, ein Umstand, welchen allerdings manche jüngere Ärzte vernachlässigen.

Berücksichtigen wir alle genannten Verhältnisse, so stellt sich heraus, daß wirin der Gegenwart doch nicht so schlimm daran sind, als es uns manche ältere Leuteglauben machen möchten. Manches Hergekommene ist gefallen, vieles ist aber glän-zend bewährt worden; vieles Neue ist gut ausgefallen und vieles Alte durch wissen-schaftliche Begründung noch werthvoller geworden. Daß man jetzt zuweilen einseitigzu weit geht, wer kann das leugnen, wer wird aber der Zeit und der ganzen Rich-tung einen Vorwurf machen wollen? Es könnte ja gar keine goldene Mitte geben,wenn die Extreme nicht die Mitte durch ihren Gegensatz hervortreten ließen. ImGanzen schadet auch das Zuweniggeben gewiß weniger als das Zuvielgeben;und wir brauchen, wenn wir überhaupt nach solch leidigem Troste uns umsehen wol-len, nur an die Zeit. der Einführung fast jedes einigermaßen berühmten Mittels zudenken, um in den Übertreibungen, mit welchen die neuen Mittel fast allen Krank-heiten heilend entgegengetragen wurden, eine Beruhigung zu finden. Auch warendie wechselnden Systeme derartigen Auswüchsen günstiger als unser jetziger physiolo-gischer Boden. Die Blutentziehungen, die manche Schule des vorigen Jahrhundertsbis zum Vampyrismus ausübte, welche aber vermöge des eigenthümlichen Krank-heitscharakters doch nicht so viel geschadet zu haben scheinen, als sie jetzt ohne allenZweifel schaden würden, sind doch noch unheilvoller gewesen als das ruhige Abwar-ten und rein diätetische Behandeln der Jetztzeit, besonders wenn man an die wirk-lichen Bereicherungen der Wissenschaft im Ganzen denkt, welche jedes ärztliche Han-deln sicherer machen.

Wir können die heutige Therapie nicht verlassen, ohne einige einseitige Richtungenderselben zu berühren, welche allerdings nicht in dem letzten Jahrzehnd entstanden,doch zum Theil sogar leidenschaftliche Verfechter noch heute ausweisen, zum Theil,in ein richtiges Gleis geleitet, für die Therapie von Nutzen gewesen sind. Wir meineneinerseits die Hydropathie, welche, auf der alten Ansicht von der Gegenwart gewisserUniversalmittel ruhend, die unschädlichste der Richtungen gewesen ist, die wir noch be-sprechen wollen, andererseits der durch Mesmer eingeführte thierische Magnetismusund die von Hahnemann entdeckte Homöopathie.

Die Wasserheilkunde ist keine Erfindung dieses Jahrhunderts; in diesem fandsie nur durch Vincenz Prießnitz' Anwendungsmethoden des kalten Wassers ihregrößte Verbreitung. Die frühern Wasserärzte waren es entweder durchaus, oder siewendeten nur das Wasser häufig, selbst häufiger als andere Heilmittel an. Sokann Asklepiades, den man seines Beinamens Psychrolutes wegen oft hierherzählt,nur der letzter« Kategorie beigerechnet werden, allerdings noch mit mehr Recht alsmancher andere, das Wasser nur als eines der wirksamsten und zugänglichsten Dia-