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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

wie praktische Schriften suchten die Anwendung desselben zu regeln und zu sichern.In einem systematischen Werke eines geistreichen Naturphilosvphen wurde die histori-sche Bedeutung dieser Erscheinung begründet und dieselbe durch Zurückführung aufdie Polaritäten des hohem Gehirn- und niedern Ganglienlebens wissenschaftlich zubegründen versucht. Eine noch merkwürdigere Entwickelung erlangte die ganze Rich-tung durch Justinus Kernxr. Für ihn wurde aus der Wechselwirkung der Körperund Seelen (Mesmer und später Nasse noch hielten zuweilen ein Bestreichen fürüberflüssig und bloßen Willen für hinreichend) ein Hereinragcn der Geisterwelt indie unsere. Seine „Blätter aus Prevorst" sowie die „Geschichten Besessener neuererZeit" halten den strengsten Vergleich mit den Geschichten von Gespenstern, Teufels-bannern, Exorcismen aus den finstersten Zeiten des Mittelalters aus. Nut sehr ver-einzelt ragen diese Verirrungen in unsere Zeit herein. Kein, aber auch absolut keinFall von somnambülen Personen hat vor wissenschaftlichen, objectiv beurtheilendenRichtern Stich gehalten, und wenn auch die an und für sich unwissenschaftlichen Be-mühungen eines neuern Jüngers der odischen Kräfte bei Manchen die Ahnung andoch vielleicht vorhandene, außer uns unsichtbar wirkende Naturkräfte aufdämmernlassen, so fehlt denselben für jetzt der blässeste Schein der Wahrscheinlichkeit. Undselbst zugegeben, daß im Licht, in der Wärme, Elektricität, Magnetismus noch etwasOdisches enthalten sei, so beruhen doch die bisjeßt darüber veröffentlichten Ansichtenviel zu sehr auf rein subjectiven Gefühlsäußerungen, als daß dieselben auch nurals Ausgangspunkt für etwaige spätere exactere Untersuchungen - dienen könnten. Inanderer Weise noch klingt jene mystische Richtung in unsere Zeit herein. An eineZurückführung der Pathologie auf den Sündenfall denkt wol kein verständiger Arztund Theolog mehr; die Krankheit auf die in Lust und Begierde entzündete und wild-gewordene Seele zurückzuführen, fällt auch Niemandem mehr ein. Doch ist die Zeit,in welcher dies alles Ernstes ausgesprochen wurde, noch nicht lange vergangen, undes kommt wol noch vor, daß durch mystischen Wahn verblendete Leute ihre liebsten An-gehörigen sterben lassen, weil sie, einer verständigen Behandlung sich widersetzend, indem feierlich ausgesprochenen Namen Jesu oder Dergleichen das beste Mittel gegen einhitziges mit Irrereden verbundenes Fieber zu besitzen glauben. Glaubt in unserer Zeitnoch Jemand an einen mystischen Zusammenhang zwischen der Menschenseele undderen Sünden mit der umgebenden Natur, so kann man ihn nur bedauern. Hat aberJemand die Stirn, die einfachsten Naturgesetze durch Verdrehung biblischer Worte inüberirdische Beziehungen unserer Seele zur materiellen Welt umzudeuten und öffent-lich in Schriften die klarsten, zweifellosesten Wahrheiten in mystischen Unsinn zu ver-kehren, so hört das Bedauern auf. Während man auf der einen Seite über dieDummheit lachen möchte, muß man sich wundern, wie erleuchtete Regierungen diesenoffenbaren Sünden gegen den Heiligen Geist, dieser absichtlichen Bekämpfung der bessernEinsicht und des gesündern Volksgeistes ohne Einsprache zusehen können.- Wahnmacht blind und nährt Haß gegen Andersdenkende; nur wahre Bildung macht denMenschen fähig ein williges Mitglied eines geordneten Staats zu sein; mur wahreAufklärung über die Natur und ihre Kräfte schützt vor Aberglauben und Teufelsspuk.

Wenn auch Samuel Hahnemann nicht ohne weiteres Mesmer an die Seitegestellt werden kann, so bleibt doch die Entwickelung seiner Lehre in unserer Zeitimmer eine seltsame Erscheinung, da dieselbe aller Erfahrung und den positiv nach-weisbaren Errungenschaften der Wissenschaft widerstreitet. Man hat versucht, dieHomöopathie als einen auf die Spitze getriebenen Dynamismus anzusehen undsie von dieser Seite her mit der Entwickelung der Medicin in den ersten Jahr-zehnden dieses Jahrhunderts in Verbindung bringen wollen. Wir müssen gestehen,daß wir ihr diese Ehre nur zum kleinen Theile anerkennen können. Die bisheri-gen dynamistischen Theorien hatten wenigstens bei ihrer Entwickelung auf die be-stehenden Naturgesetze, aus die Zurückführbarkeit gewisser krankhafter Vorgängeauf die des gesunden Lebens Rücksicht genommen: sie schlössen sich alle dem jedes-maligen Stande der Naturwissenschaft, und Physiologie speciell, aufs genaueste an.