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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

Nicht so bei Hahnemann. Seine Lehre erklärt sich von vornherein für völlig un-abhängig,.von Anatomie und Physiologie; pathologische Anatomie ist ihm ein Spottauf die Ärzte, da die gefundenen krankhaften Veränderungen nur Folge der allopa-thischen Behandlung sein sollen. Er 'braucht nicht einmal eine Krankheit, sondernnur krankhafte Symptome; eine Verstimmung der völlig geistartigen Lebenskraft ist idas Wesen der Krankheit, eine Verstimmung des Befindens ist ihm bereits Heil-objeet. Alle Symptome werden gehörig aufgeschrieben, und da er doch den Krank- Iheitproceß als solchen nicht leugnen kann, die hervorragendsten vorzüglich ins Augegefaßt. Um die Krankheitsursache braucht man sich nicht zu kümmern, die ist reingeistartig; die Heilung kann also gar nicht anders einwirken,, als durch Umstimmender verstimmten Lebenskraft. Hat man sich infolge eines Ärgers nach der Mahl-zeit den Magen gründlich verdorben und galliges Erbrechen u. s. w., so reicht dasRiechen an ein mit Pulsatille befeuchtetes Streukügelchen hin, um den Menschenin zwei Stunden gesund, den Mageninhalt zu einem gesunden zu machen. Wennin einer Zeit, wo eigene Forschung in vielen Fragen einen neuen Ausschlag gibhdie Neigung hervortritt, sich von Autoritäten loszumachen, so kann in einem zu weitgehenden Verwerfen des ältern Guten viel gefehlt werden. Wenn aber ein, jedesScheines von Wifsenschaftlichkeit entbehrendes, nur nach grob empirischer, völlig un-kritischer Weise zusammengeschriebenes Buch, wie das Hahnemann'sche „Organon",gleich damit beginnt, daß die bis dahin sogenannte rationelle Heilung Unsinn seiund nur zur Zerstörung des Organismus geführt habe, daß dagegen er, Hahne-mann, den richtigen Weg nun entdeckt habe, so kann man sich nur wundern, wiediese in der Geschichte der Wissenschaft fast unerhörte Anmaßung nur hat Nach-folger finden können. Sehen wir aber zu, wie Hahnemann heilt und wie er seineHauptsätze stützt. Von der Krankheit geht den Arzt nur das Sympton etwas an.Doch werden die widersprechenden Sätze aufgestellt, daß alle chronischen Krankheitennur durch fortgesetztes Änstecken mit einem Miasma erzeugt werden, von dem dasverbreitetste das Krätzmiasma ist, und daß daher die antipsorischen, krätzwidrigen Mit-tel bei chronischen Krankheiten die wichtigsten sind; ferner, daß bei Epidemien Krank-heiten mit den gegen diese Epidemien, gerichteten Mitteln zu heilen sind, auch wenndie charakteristischen Symptome nicht vorhanden. Die Heilung erfolgt nie durch die„rohe Verstandlose Lebenskraft", sondern nur durch den geistigen menschlichen Ver-stand. Ist je ein Mensch wirklich geheilt worden, so ist er es durch absichtslos an- -gewendete homöopathische Arzneien. Bei dieser Behauptung kann aber Hahnemannnur aus unlogische Köpfe rechnen. Denn die Form und Gabe der Mittel istbei Hahnemann wesentlich und von ihm erst neu entdeckt; kein Arzt hat vor ihmArzneien in dieser Weise angewendet. Sein therapeutischer Hauptsatz ist: „Jede Arz-nei, welche unter ihren im gesunden menschlichen Körper von ihr erzeugten Krank-heitszufällen die meisten der in einer Krankheit bemerkbaren Symptome ausweisenkann, vermag diese Krankheit am schnellsten, gründlichsten und dauerhaftesten znheilen" („Organon", I.Aufl., S. 21). Als Beispiele führt er nun ältere Heilungenan, die aber ohne irgendwelche Kritik zusammengestellt sind und wegen des anderntherapeutischen Grundsatzes nicht passen: „Die Gabe des homöopathisch gewähltenHeilmittels kann nie so klein bereitet werden, daß sie nicht noch stärker als die natür-liche Krankheit wäre" („Organon", 5. Aufl., S. 287). Durch möglichste Verdün-nung (bis in Decillionen) wird die Arzneikraft posenzirt und hierbei noch behauptet,daß durch fortgesetztes Verdünnen das physisch-chemische Verhalten der Ärzneikörperverändert werde.

Wir haben bisjetzt die Honiöopathie geschildert nach ihren von Hahnemann inder starrsten Form vorgebrachten Grundsätzen. Fragen wir nun, wie sie sich jetzt ge-staltet hat, so finden wir ein wesentlich verändertes Bild. Hahnemann und seineersten Änhänger haben keine Section vorgenommen, sie konnten also sehr gut leug-nen, was für sie nicht existirte. Allmälig machte sich aber die hieraus entspringendeVerlegenheit zu fühlbar. Wesentlich verschiedene Krankheiten können gleiche Symptome