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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

von Thieren in die Adern geisteskranker Personen vorgeschlagen und ausgeführtwurde; ferner, daß Hofer im Jahre 1675 die erste Beschreibung von Kretinen gab.jener Form endemischen Blödsinns, welche in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit deröffentlichen Gesundheitspflege in so hohem Grade auf sich gezogen hat. Das 18.Jahrhundert ist besonders durch die Bemühungen ausgezeichnet, das Verhältnißzwischen psychischen und körperlichen Krankheiten zu ermitteln. Das Interesse fürdie erster« wird allgemeiner; doch gewinnen die englischen Ärzte einen entschiedenenVorsprung. Schon Culten hatte die Geisteskrankheiten zum Gegenstände eingehen-der theoretischer Betrachtungen gemacht, besonders aber schenkte Arnold der patholo-gischen Anatomie derselben eine große Aufmerksamkeit. Neben Arnold machten sichnoch Crichton, Bath, Mead um die theoretische Ausbildung, William Perfect umdie praktische Vervollkommnung der Psychatrie verdient. In Frankreich forderte be-sonders der schon früher genannte Pinel, welcher durch das unglückliche Schicksaleines seiner Freunde zur eingehenden Beschäftigung mit Wahnsinnigen geführt wurde,die Entwickelung der Psychiatrie, und machte sich besonders dadurch um die Mensch-heit verdient, daß er die einer sorgfältigern Bewachung bedürftigen Kranken ausGefängnissen in Hospitäler brachte. Gleichzeitig ruhte aber auch die deutsche Forschung nicht; im Gegentheil wurde hier besonders die Diagnostik gepflegt, und es istin dieser Beziehung Langermann zu nennen. Derselbe war wol auch der Erste, wel-cher, die ausschließlich physische Behandlung der Irren verwerfend, die Nothwendig-keit einer psychischen anregte. Die hierdurch angebahnte Vermittelung der somati-scheu und psychischen Theorie der Geisteskrankheiten fand noch bei Hoffbauer undReil ihre entschiedene Aussprache. Das gegenwärtige Jahrhundert hat aber geradein dieser Principienfrage manchen Kampf auszuweisen und vorzüglich in Deutschland.Das im allgemeinen schwerer zur Änderung von Grundsätzen zu bewegende Englandhielt noch immer an der von Perfect eingeführten Ansicht fest. Die wesentlichstenBemühungen in diesem Lande galten vorzüglich der äußern Behandlung der Irren,und es ist nicht lange her, daß der Kampf um das Restraint und Non - Restraint-system sehr lebhaft geführt wurde. Frankreich leistete dadurch der allgemeinern Ent-wickelung der Psychiatrie einen großen Vorschub, daß Pinel's Schüler, Esquirol,im Jahre 1817 die erste psychiatrische Klinik gründete und dadurch dieselbe dem all-gemeinem Studium zugänglich machte. Die nur erwähnte Ausgleichung der An-sichten von dem eigentlichen Wesen und den Bedingungen der Seelenstörungen warvon nicht langer Dauer. Gewichtige Stimmen erhoben sich für die rein körperlich«sowie für die rein seelische Natur der Seelenstörungen. Auf der einen Seite war eibesonders der ältere Nasse, welcher die Behauptung aufgestellt und scharf vertheidig!hak, daß die Seele als ein einfaches freies Wesen nicht selbst erkranken könne, folg-lich der nächste Grund einer jeden psychischen Krankheit nicht in der Seele selbst ge-sucht werden dürfe, sondern immer nur vom Körper ausgehe. Er stützt diese An-sicht vorzüglich damit, daß alle psychischen Erkrankungen constant von den Sympto-men körperlicher Krankheiten begleitet sind; daß ferner jeder Seelenstörung Störun-gen im körperlichen Befinden vorausgehen. Diese von Jacobi noch weiter entwickelteAnsicht fand in Heinroth einen ebenso geistreichen als gewandten Gegner. Derselbeführte den Grund der nur die Seele betreffenden Geisteskrankheit auf die Sünde zu-rück. Es ist jedoch Unrecht, wenn man Heinroth für die Konsequenzen verantwort-lich macht, welche Andere, wie Windischmann und Ringseis, aus seiner Ansicht zo-gen. Wir haben oben einen Ausspruch des Erstgenannten über die in der wildge-wordenen Seele liegende Ursache jeder Erkrankung angeführt. Derselbe erklärt, daß derArzt, welcher das Wesen des Exorcismus nicht kennt, das wichtigste Heilmittel ent-behrte. Derartigen Gedanken blieb Heinroth fern; im Gegentheil war er einer derWenigen, welche ärztlicherseits auf das Studium der Psychologie drangen, um i»ihr für die Psychiatrie dieselbe Grundlage zu gewinnen, wie die Physiologie deskörperlichen Lebens der Körperheilkunde die einzig wissenschaftliche Basis gibt, einBedürfniß, welches sich unter den heutigen Irrenärzten immer lebendiger ausspricht-