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Die Medicin.
Erfindungen bereichert, und statt wie früher in der Operation den eigentlichen Kernder chirurgischen Behandlung zu finden, begann man sie vermeiden zu lernen. So-wol die Technik als die Zndieationen der einzelnen operativen Eingriffe wurden voll-endeter. Neben der Kühnheit derselben ist jetzt besonders deren Sicherheit zu be-wundern; und daß nicht blos die Entfernung krankhafter, die Erhaltung nochgesunder, sondern sogar die organische Wiederherstellung verloren gegangener Theilezu den Heilzwecken der operativen Chirurgie gehöre, hat der geniale Dieffenbachdurch die ihm eigene Vervollkommnung der plastischen Chirurgie bewiesen. Nebender plastischen Chirurgie bezeichnet überhaupt die hippokratische Richtung, die gestörteSchönheit des Körpers wiederherzustellen, das Bestreben der neuern Chirurgie, undes verdankt vorzüglich die Orthopädie diesem Streben ihre Entstehung.' Die Sorg-falt, welche man der chirurgischen Anatomie zugewandt, die Aufmerksamkeit, welcheman den normalen Lagen und Größenverhältnissen der einzelnen Theile geschenkt, hatauch andern chirurgischen Operationen, z. B- den Gesäßunterbindungen, eine immergrößere Sicherheit gegeben. Daß die Chirurgie die sonst mit ihr unzertrennlich ver-bundenen Schmerzen zu beseitigen bemüht gewesen ist, beweist die Anwendung derÄther- und Chloroformeinathmungen.
Wie in allen Zweigen der Heilkunde der das jetzige Jahrhundert bezeichnende,offenbar höhere Standpunkt besonders darauf zurückzuführen ist, daß bei allen krank-haften Erscheinungen zunächst der naturgemäße Vorgang ins Auge gefaßt werdenmußte, welcher in der Medicin die Therapie vereinfachte, in der Psychiatrie auf dasWohlbefinden des Körpers und Geistes achten hieß, in der Chirurgie die Operationeneher beschränkte als vermehrte und deren künstlerische Seite entwickeln ließ, so wird auchfür die Geburtshülfe der Anbruch einer neuen Epoche durch das Bestreben bezeichnet,dem gesundheitsgemäßen Vorgänge der Geburt größere Aufmerksamkeit zu widmen.Wie in der Chirurgie, so hatte auch die Geburtshülfe darunter zu leiden, daß siesich in den Händen eines privilegirten, den Ärzten noch mehr als den Badernverschlossenen Standes befand, in den Händen der Hebammen. Mangelhafter, kaumauf die Anatomie ausgedehnter Unterricht sowie das fest eingewurzelte Vorurtheil,daß es unschicklich sei für Frauen, sich von Männern entbinden zu lassen, hindertendas sich Geltendmachen wissenschaftlicher Grundsätze. Die Geburtshülfe war im Übri-'gen ein Theil der Chirurgie. Während das 17. Jahrhundert dieselbe ganz oder we-nigstens der Hauptsache nach den Ärzten zurückgab, wobei Frankreich wieder voran-ging, und in demselben die wiedereingeführte Wendung einen Theil der grauenvollenInstrumental- und Manualhülse früherer Zeiten verdrängte, wurde durch die in das18. Jahrhundert fallende Erfindung der Zange von englischen Geburtshelfern der Haupt-anstoß zur spätern noch größer» Vereinfachung der Behandlung gegeben. Gleichzeitigwurden, und zumal in Deutschland, geburtshülfliche Unterrichtsanstalten für Ärzte ge-gründet, an denen nun Männer wie Röderer und Stein der Ältere in Deutschland,Leake, Osborn und Denman in England, Fried (Vater und Sohn) in Strasburgkräftig zur Verbreitung wissenschaftlichen Eifers für das ein allgemeineres Interessein so hohem Grade auf sich ziehende Fach wirkten. Waren aber auch die durchdiese verschiedenen Momente bedingten Fortschritte immerhin bedeutend zu nennen,war besonders der Gebrauch scharfer Instrumente mit segensreichem Erfolge beschränktworden, so operirte man doch noch immer zu viel und verkannte häufig die der Naturbei dem Geburtsvorgange zugebote stehenden Hülfsmittel, was umsoweniger Wundernehmen darf, da der Geburtsmechanismus selbst noch nicht aufgeklärt war. Dievon Deutschland ausgehende Umgestaltung der herrschenden Ansichten wurde in Frank-reich durch Solayre's de Renhac und den ältern Baudelocque vorbereitet, von denender Erste die Physiologie des Geburtsacks, die Bedeutung der Kopflagen, der Letzterebesonders die physikalischen Verhältnisse des Beckens zu dem Zwecke einer gründlichenUntersuchung unterwarfen, um die Grenzen der Naturthätigkeit kennen zu lernen unddamit eine rationelle Begründung des operativen Eingreifens zu gewinnen. Das von
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