Band 
Zwöflter Band.
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Die Medicin. 46K

die Aufsichk über die Anlegung von Wohnungen, deren Lage, Lüftung u. s. w. über-nommen und dadurch dafür gesorgt, daß einer auch dichten Bevölkerung weder Lust,noch Licht, noch Wasser fehle. Die Nahrungsmittel, deren Fälschungen infolge derFortschritte der technischen Chemie leichter möglich, aber auch leichter nachweisbargeworden sind, unterliegen einer genauen, im Sinne des öffentlichen Wohls ausge-übten Controle. Im Fall wirklicher Volkskrankheiten ifi die erlangte bessere Einsichtin das Wesen der Krankheiten, in die Wirksamkeit gewisser Mittel, in den möglichenErfolg etwaiger Absperrungs- oder Desinfectionsmaßregeln Veranlassung gewesen,theils durch öffentliche Belehrung dem Wahne entgegenzuarbeiten, theils durch polizei-lich angeordnete Maßregeln der Ausbreitung ein kräftiges Hinderniß setzen zu können.Eine der segensreichsten Entdeckungen in dieser Hinsicht ist die von E. Jenner, daßdas Kuhpockengift den Menschen vor dem Blatterngift schütze. Durch Einführungder, die frühere Einimpfung der Menschenblattern verdrängenden Jnoculation der Vac-cine wurde eine der ärgsten Geißeln der Menschheit in ihrer Heftigkeit gebrochen undhat seitdem nie jene Grade von Tödtlichkeit erreicht, mit der sie noch im vorigenJahrhundert wüthete. Im Ganzen läßt sich wol sagen, daß, abgesehen von demeigentlichen Heilen, die Fortschritte der Heilwissenschasten in ihrem ganzen Umfangedadurch auf das segensreichste gewirkt haben, als sie durch Begründung einer ver-nunftgemäßen öffentlichen Hygieine dem Entstehen und der Verbreitung von Krank-heiten aufs wirksamste entgegengetreten sind. Die mit steter Hinsicht auf einen recht-lichen Zweck vorgehende gerichtliche Medicin ist nicht minder durch die Fortschritte derNaturwissenschaften, Physiologie und praktischen Medicin gefördert worden. Wirerinnern nur an die Fragen über Tödtlichkeit der Verletzung, welche durch genaueEinsicht in das Wesen des Heilungsvorgangs sowie in das Verhalten der Reactions-fähigkeit des Organismus wesentlich sicherer sich gestalten mußte, an die Frage nachVergiftungen, welche die Chemie mit einer früher nicht geahnten Schärfe zu beant-worten vermag u. s. w. Dadurch, daß die Medicin ihren Boden in den natur-gemäßen Vorgang wiedergefunden hat, ist auch die Controle der Ärzte selbst und diezum Bereich der gerichtlichen Medicin gehörende Frage nach Kunstfehlern in ein an-deres Licht getreten. Mit Einem Worte, wie die Menschheit nicht blos durch diepopularisirende Darstellung der Wissenschaften an Aufklärung gewonnen, sondern be-sonders durch praktische Anwendung des in jenen Erreichten an Erleichterung, sohat vorzüglich der großartige Umschwung in dem Stande der Medicin dazu beigetragen,den Comsort, den Lebensgenuß, die körperliche Zufriedenheit der Völker zu erhöhen:ein Resultat, welches, da der Mensch nun einmal aus Körper und Geist besteht, umso höher anzuschlagen ist, als die damit verbundene Aufklärung ihn auch von tau-senderlei Vorurtheilen und falschem Wahne befreite.