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Die Industrieausstellungen.
schiedenen Nutzen gewährt, ihrerseits selbst zu Unterdrückern geworden, indem siesich allerlei gewerbliche Vorrechte beilegten. So hielten sie die Entwickelung allerErfindungen zurück, die nicht aus ihrem Schoose hervorgingen und von denen sieeine Beeinträchtigung ihrer Privilegien fürchteten. Einige Thatsachen mögen dasdamalige zünftig gewerbliche Treiben schildern. Lenoir, der berühmte Hersteller phy-sikalischer und mathematischer Instrumente, bedurfte einer besondern Erlaubniß desKönigs, um sich vor der Zunft der Roth- und Gelbgießer zu sichern, zu wel-cher Lenoir nicht gehörte. Ami Argand, der Erfinder der bekannten Argand'schenLampen, war, obgleich im Besitz eines königlichen Erfindungspatents, auf demPunkt, von der Klempner- und Schlofferzunst in der Ausübung seines Geschäftsgehindert zu werden, weil er in keiner dieser beiden Zünfte das Meisterrecht erwor-ben hatte. Reveillon, der Begründer der Tapetenfabrikation in Frankreich, konntesich vor den Intriguen und Nachstellungen der Kupferstecher, der Drucker, der Ta-petenisten nur dadurch retten, daß er sein Etablissement ein königliches nannte, welcheBenennung jedoch wieder veranlaßte, daß beim Ausbruche der Revolution der Pöbeldie Fabrik demolirte. Was die Vorrechte der Innungen und Zünfte zur Unter-drückung der Entwickelung der Industrie nicht thaten, bewirkten die königlichen Mono-pole. So hat z. B. das Privilegium, welches Rabais im Jahre 1665 für sichund seine Nachkommen erhielt und darin bestand, in einem Umkreise von 50 Meilenum Abbeville Tuch zu bereite» und jeden andern Tuchmacher auszuschließen, die Aus-breitung und Verbesserung der Tuchsabrikation im Norden Frankreichs lange Zeitaufgehalten. So unterdrückte ferner das Monopol der königlichen Porzellanfabrik zuSevres bei Paris alle Bestrebungen der Thonwaarenindustrie, sodaß nur der Ver-mögende im Stande war, sich Porzellan anzuschaffen. In der Thatsache, daß in demMomente, wo der Einfluß des Zunftwesens und andere mannichfache Beschränkun-gen freier Entfaltung der Arbeit vernichtet und aufgehoben worden, eine gänzlicheUmwandlung in den verschiedenen Zweigen der Erwerbsthätigkeit vor sich ging, er-blickte Chaptal einen Beweis, daß Freiheit der Entwickelung der Industrie günstigsei. Anstatt unter den Trümmern der staatlichen Einrichtungen begraben zu wer-den, wuchs die Industrie an innerer Ausdehnung und Tüchtigkeit; wenn auch einigeZweige nur spärliche Früchte trugen, so entwickelten sich andere, und zwar solche umso üppiger, welche dem bedrängten Frankreich die Mittel zur Vertheidigung gewähr-ten, so die Fabrikation von Waffen, von Salpeter, die Gerberei, die Fertigung ma-thematischer Instrumente u. s. w.
Die erste französische Ausstellung fand auf dem Marsfelde zu Paris statt unddauerte vom 19. — 21. Sept. 1798. Um ein inneres größeres Gebäude, den Tem-pel der Industrie, erbaute man 60 Colonnaden, um die Erzeugnisse der Industriewürdig aufzunehmen. Sechs Wochen vor dieser ersten Ausstellung feierte man indenselben Räumen die Ankunft der von Italien an Frankreich übergegangenen Mei-sterwerke der plastischen Kunst: es waren der Apollo von Belvedere, die MediceischeVenus, der Farnesische Hercules, die Gruppe des Laokoon vor kurzem dort ausge-stellt worden, wo nun die Erzeugnisse der wiederauflebenden Industrie sich befan-den. Die Ausstellung vom Jahre 1798 gewährte dem Beschauer jedoch nur ein un-vollkommenes Bild von dem Standpunkte der französischen Industrie seit ihrer Wie-dererhebung, da wegen der raschen Ausführung die entfernter» Provinzen an derTheilnahme verhindert waren. Von den damaligen 98 Departements nahmen nur16 daran theil, die 111 Aussteller lieferten. Der Minister des Innern, de Neuf-chateau, wollte den Franzosen den Zustand ihrer Industrie gegenüber der englischenzeigen und sie zum Wetteifer anregen. Wenn nun die Sachverständigen, welchedie Jury zur Beurtheilung dieser Ausstellung bildeten, der Anerkennung des bereitsunter den Industriellen bestehenden regen Strebens hinzufügen: „Hus Is Zouver-nsmsnt n'svsit gu'L vouloir pour portsr Iss srts su llszrs oü 8'vtgit plsoss lagrsnäs nstion psrmi lss psuplss 6s I'llurops", so sprechen sie bereits den großenIrrthum aus, der bis auf die Gegenwart in Frankreich von der Masse wie ein