Band 
Zwöflter Band.
Seite
497
JPEG-Download
 

497

Die Industrieausstellungen.

Ausstellungen von Gewerbserzeugnissen wurden in England schon in den Jahren1756 und 1757 von der Polytechnischen Gesellschaft in London veranstaltet. Seitdem Jahre 1820 fanden in jeder Hauptstadt des vereinigten Königreichs und inden bedeutendsten Fabrikstädten Ausstellungen von Fabrikproducten und Maschinenstatt. Im Jahre 1829 veranstaltete die königliche Gesellschaft zu Dublin einedreijährig wiederkehrende Ausstellung von Erzeugnissen der Industrie, der Kunst undder Wissenschaft, zu welcher nur Werke Irlands zugelassen wurden. Die imSeptember des Jahres 1849 zu Birmingham stattfindende Gewerbeausstellung istals ein Vorläufer der Weltausstellung erwähnenswerth. Die Resultate der allge-meinen deutschen Ausstellung zu Berlin (1844) und der in demselben Jahre statt-findenden französischen Ausstellung gaben zu mehren Vorstellungen bei dem englischenCabinet über die großen Vortheile Anlaß, welche aus einer ähnlichen Ausstellungder englischen Industrie erwachsen würden. Die Regierung zögerte jedoch, die zueinem solchen Unternehmen unumgänglichen Geldmittel zu bewilligen, zögerte selbst noch,auch nur die Angelegenheit zu unterstützen, als ihr ein Vorschlag einer Commission,eine Ausstellung ohne Staatszuschuß ins Leben treten zu lassen, vorgelegt wurde.Man sah nun ein, daß, wenn das Unternehmen zustande kommen solle, dasselbeohne Mitwirkung der Regierung unternommen werden müsse. Unter der Pflegedes Prinzen Albert reifte der Plan, eine Weltausstellung zu veranstalten, immermehr und mehr. Das Widerstreben einiger alten Kirchenlichter gegen die voraus-sichtliche Verherrlichung weltlicher Arbeit, die Opposition einiger beschränkten Köpfeder Aristokratie, die Zweifel der Geldmänner wegen der Neuheit und Unsicherheit deskostspieligen Unternehmens, die Befürchtungen mancher Aristokraten und Diplomatensowie des Spießbürgerthums wegen der mit der zuströmenden Menge schaulustigerFremden hereinbrechenden Vertheuerung der Lebensmittel und der Roherzeugnisse, derängstlich gewordenen Freunde des Bestehenden, es möchte schreckliche Scenen derUnordnung und Zerstörung geben, es möchte vielleicht von Seiten der Umsturzparteieine Überrumpelung stattfinden — alle diese Bedenken wurden bekämpft und über-wunden, und die Unterstützungsbeiträge gewannen Kraft und Leben. Die Idee derWeltausstellung hatte das ganze Jahr 1850 hindurch in England und der ganzencivilisirten Welt ein gewisses Gefühl des Friedens erweckt und genährt, wie es seitlange nicht gehegt worden war. Diese friedliche Wirkung gab sich sehr charakteristischbei einer Festlichkeit kund, zu welcher der Lordmayor von London, Mr. Farncomb, am21. März 1850 die Notabilitäten von London vereinigte. Der Lordmayor sprach unterAndern:: „Es wird Niemand, welcher die besondern Richtungen der gegenwärtigen Zeitmit Aufmerksamkeit verfolgt, auch nur einen Augenblick daran zweifeln, daß wir in einerwundersamen Übergangsperiode leben, welche der Verwirklichung des großen Ziels, aufdas in der That die ganze Weltgeschichte gerichtet ist, der Darstellung der Einheit derMenschheit, rasch zustrebt. Nicht einer Einheit, welche die Grenzen beseitigen und dieNationalitäten vernichten will, sondern vielmehr einer Einheit, welche das Resultat undProduct ist nationaler Verschiedenheiten und miteinander wetteifernder Volkscharaktere.Die Entfernungen, durch welche die Nationen voneinander getrennt find, sie ver-schwinden in dem Maße, als die Wissenschaft sich vervollkommnet; die Sprachenaller Völker sind bekannt und die Leistungen der Nationen in den Kreis des Erreich-baren für Jedermann gestellt; der Gedanke wird mit der Geschwindigkeit, aber auchmit der Macht des Lichtstrahls verbreitet. Auf der andern Seite wird der Grund-satz der Arbeitstheilung, der wol die bewegende Kraft der Civilisation genannt zuwerden verdient, auf alle Zweige der Industrie und der Wissenschaft ausgedehnt.Früher zerstreute sich die geistige Arbeit zu einem universellen Wissen, jetzt concen-trirt sie sich auf ein specielles Fach und in diesem wieder auf einen einzelnen Punkt;das eroberte Wissen wird aber sofort Eigenthum des großen Ganzen. Ehedem suchteman Entdeckungen geheimzuhalten, gegenwärtig stellt die Öffentlichkeit unserer Tage jederEntdeckung und Erfindung ganze Welten zur Verfügung, sodaß wir nur den bestenDie Gegenwart. XII. ' 32