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Zwöflter Band.
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Die Industrieausstellungen. 499

und Ausschmückung mit dem Material und Zweck, Ebenmaß und Schönheit derForm, Helligkeit und Brauchbarkeit betrifft, als ein bis dahin unübertroffenes Werkder Kunst und Architektur. Als er vollendet war, begann England den Gewerbfleißaller Völker zu olympischen Spielen der Concurrenz und gegenseitigen Belehrung undVervollkommnung einzuladen. Aus allen Himmelsgegenden strömten die Völker her-bei. Aus dem Innern Rußlands, aus China, aus Australien, man kann sagen,von einen, Pole bis zum andern eilte man sich einzusinken in dem ersten Tempel derbeginnenden Friedens- und Freihandelspolitik. Die Gesammtzahl der Ausstelleraus 94 Staatsverbänden belief sich auf 47062i Die Zollvereinsregierungen warenWürdig vertreten; ihre Interessen nahm eine Commission (resp. Berichterstattungs-Com-mission) wahr unter dem Vorsitze des Geheimen Oberfinanzraths von Viebahn, ausden bewährtesten Kennern der zollvereinsländischen Industrie gebildet — wir erwähnenals hervorragende Mitglieder von Hermann aus München, Schubarth aus Berlin,Hülße aus Dresden, von Skeinbeis aus Stuttgart, Roßler aus Darmstadt, Kar-marsch aus Hannover. Der von dieser Commission herausgegebene amtliche Berichtüber die londoner Ausstellung ist nicht nur in technologischer Hinsicht eine wichtigeErscheinung, sondern hat auch auf das deutsche Gewerbewesen seit der kurzen Zeitseines Erscheinens den günstigsten anregenden Einfluß ausgeübt.

Nicht nur nach dem Rauminhalte, auch nach den dargelegten Kräften undLeistungen war die Ausstellung bei weitem mehr als zur Hälfte eine englische.Die Fortschritte des Handels und der Industrie auf den Gebieten der Gewerbe, desBergbaus, der Landwirthschaft ergeben eine Kunstentwickelung und Leistungsfähigkeit,für welche sich in der Geschichte dieser Zweige der Volkswirthschaft kein entsprechen-des Beispiel zeigt. Die Industrie Großbritanniens war hervorragend in vielen In-dustriezweigen, welche für die Maffenproduction und den Welthandel entscheidendsind, unbedingt aber in allen, in welchen billiges Brennmaterial und gute MaschinenHauptbedingungen bleiben. Wo dagegen die Kunst als Factor der Industrie auftrat,da gebührte andern Ländern häufig der Vorrang. Frankreich legte bei allen Pro-dukten, bei welchen Geschmack und gefälliges Äußere von Wichtigkeit sind, seineÜberlegenheit an den Tag und erwies sich auch bei dieser Gelegenheit als der Füh-rer der Mode und der Bewegung in den Jndustrieerzeugniffen. Obgleich von derRevolution noch zerrissen, stand Frankreich bewunderungswürdig da, wenn auchnicht gerade, wie Blanqui meint: „als der Herrscher in diesem Congresse betrieb-samer Nationen, welcher ihm eben die Krone zuerkannt hat." Die pariser Industrieüberragt weit die der französischen Provinzen. Durch das dort consequent durch-geführte Princip der Arbeitskheilung eröffnet sich in Paris jedem strebenden Talenteeine glänzende Carriere. Bei mehr als 200000 Arbeitern zählt Frankreichs Haupt-stadt zwischen 60 — 70000 Unternehmer, deren Existenz von der Führung ihresGeschäfts, von der Schönheit, Brauchbarkeit und Verkauflichkeit ihrer Erzeugnisseabhängig ist. Außer der Hauptstadt waren nur noch Lyo» und Roucn würdigvertreten. Daß die französische Industrie in den für die Maffenproduction und denWelthandel entscheidenden Industriezweigen diejenige Deutschlands und Englandsnicht erreichte, daß überhaupt die ganze Existenz der Industrie jenes Landes zumgrößten Theile auf dem Prohibitivsystem beruhte, daran konnte wol Niemand zweifeln.

In der Ausstellung der deutschen Gewerbserzeugniffe feierte der Kunstsinn desDeutschen manchen Triumph. Es zeigte sich deutlich, daß die deutsche Industrie invielen wichtigen Branchen nicht allein auf gleicher, sondern auch in manchen aushöherer Stufe in Bezug auf Qualität und billige Preise steht als die andern Län-der, obgleich nicht in Abrede zu stellen war, daß sich bei der Vergleichung derdeutschen Erzeugnisse mit denen der übrigen Völker manche schwache Stelle kund-gab. Die Basis der deutschen Industrie, eine allgemeine Schulbildung, ein ent-wickelter Schönheitssinn und ein eiserner Fleiß mit bescheidenen Änsprüchen genügen,wie die Ausstellung lehrte, den heutigen höher» Ansoderungen der Industrie nicht

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