Die Industrieausstellungen. 503
bei der französischen Ausstellung im Jahre 1849 5000 Aussteller aufgetreten; dielondoner Industrieausstellung übertraf mithin, dem Umfange nach, jede der frühervorgekommenen um mehr als das Dreifache.
Von den 17000 Ausstellern erhielten 2978 Preismedaiüen (davon kommen1244 auf englische Aussteller), 172 erste Preise (oomreii msllgls), von welchenletztem 79 englischen Ausstellern ertheilt wurden, und 2163 ehrenvolle Erwähnungen.Die ersten Preise wurden selbst nicht für die ausgezeichnetste Arbeit bewilligt, sobalddiese nicht auf einer neuen Erfindung und Anwendung oder auf einer besondernEigenthümlichkeit in der Art der Fabrikation beruhte. Als Material zu den Me-daillen war nicht, wie bisher bei andern Ausstellungen, Gold, Silber und Bronze,sondern allein Bronze gewählt worden, indem man diese Legirung am geeignetstenhielt, vorzügliche Kunst und Geschicklichkeit im Medailliren darzulegen und ein dauern-des Andenken > an die Ausstellung herzustellen. Was den Zollverein betraf, so be-fanden sich zollvereinsländischc Aussteller unter den durch
die große Medaille Ausgezeichneten ... 13
„ Preismedaille Ausgezeichneten.255
„ ehrenvolle Erwähnung Ausgezeichneten 233
Zusammen 501.
Da die Gesammtzahl der Aussteller 1563 betrug, so ergibt sich, daß es der Industriedes Zollvereins auf, der londoner Ausstellung an einer erfreulichen Anerkennungnicht gefehlt hat. Östreich erhielt 4 große Medaillen, 115 Preismedaillen und 128ehrenvolle Erwähnungen. Unter den mit der großen Medaille ausgezeichneten Ausstellerndes Zollvereins befanden sich Krupp in Essen für Gußstahl, Güttler in Reichenbachfür schlesisches Gold, Uhlhorn in Gevenbroich für seine Prägmaschine, Heckmann inBerlin für Zuckersiedeapparate, Siemens und Halske in Berlin für Telegraphen-apparate, Merz in München für einen Refractor, Böhm in München für seineFlöte, Wagner in Berlin für Silberarbeit, Weißhaupt in Hanau für Juwelier-arbeiten, Miller in München für Kunstguß, Kiß in Berlin für seine Amazone u. s. w.Allo ausgestellten Gegenstände waren in 34 Classen getheilt und jede derselbeneiner aus einer gleichen Anzahl von Engländern und Preisrichtern anderer Nationengebildeten Jury zur Beurtheilung überwiesen worden. Die 34 Juries bildetensechs Gruppen (Rohstoffe; Maschinen; gewebte Fabrikate; Metall, Glas und irdeneFabrikate; Fabrikate gemischter Art; schöne Künste). Für die Beurtheilung undZuerkennung der Preise unterstützten sich die Jurys aus ihren Gruppen, die außer-dem noch durch zugezogene Sachverständige unterstützt wurden.
Die Eindrücke und Lehren, welche mehr als sechs Millionen Menschen auSder Industrieausstellung in alle Welt mitnahmen, wirken noch segensreich fortfür alle bctheiligten Völker. Wie groß aber auch der Nutzen sein mochte, denjeder Einzelne der Betheiligten aus der Ausstellung zog, der wohlverdiente Haupt-gewinn des Unternehmens fiel doch England zu. Nur England konnte es — seinerSiege gewiß — unternehmen, den Kampfplatz zu dem Wettstreit der Industrie her-zurichten und alle Nationen der Erde einzuladen, mit seiner Industrie, großgezogendurch die einflußreichste Weltstellung, durch den ausgedehntesten Welthandel unddurch ungeheure Geldkräfte, den friedlichen Kampf zu beginnen. In der vcrwiche-nen Halste des gegenwärtigen Jahrhunderts war es der höchste, aber thörichtste PlanNapoleon's, das Eisen, die Steinkohlen und die Cultur Englands vom übrigenEuropa abzusperren; die andere Hälfte des Jahrhunderts begann damit, daß dasnämliche England die Industrie aller Völker einlud. England hat durch die Aus-stellung viel gelernt, es ist bescheidener geworden in seinem Stolze und hat andereVölker achten lernen müssen, deren fast jedes England in dieser oder jener Productionübertrifft. Die Erkenntniß und gewerbliche und mercantile Anerkennung der Vor-züge und Eigenthümlichkeiten einzelner Nationen aber führt nothwendig zweckmäßige