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Zwöflter Band.
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514 Die Industrieausstellungen.

Die allgemeine Industrieausstellung zu Paris im Jahre 1855.

Es waren erst drei Monate seit der Errichtung des Kaiserreichs in Frankreichvergangen, als ein Decret Napoleon's III. vom 8. März 1853 anzeigte, daß inden Champs Elysees zu Paris, in einem unter der Benennung kslais 6s I'in-6u8tris zu errichtenden Gebäude, eine allgemeine Ausstellung von Produkten derIndustrie und der Landwirthschast vom f. Mai bis zum 31. Oct. 1855 stattfindensolle. Ein zweites Decret vom 22. Juni desselben Jahres hob die bisher jedesfünfte Jahr stattgefunden Ausstellung der schönen Künste auf, vereinigte sie mitder Industrieausstellung, machte sie ebenfalls zu einer universellen, und erließ dem-gemäß an die Künstler aller Nationen eine Auffoderung zur Theilnahme. Ein drit-tes kaiserliches Decret vom 24. Dec. 1853 ernannte unter dem Vorsitze des Prin-zen Napoleon eine aus den anerkanntesten Autoritäten aus dem Gebiete der schönenKünste, der Industrie und der Landwirthschaft bestehende Commission und beauf-tragte sie mit der Abfassung der Ausstellungsordnung, welche genehmigt und mittelsDecrets vom 6. April 1854 zur öffentlichen Kenntniß gebracht wurde. Nach die-sem Regulativ waren zur Universalausstellung zulässig sowol alle Erzeugnisse der In-dustrie und der Landwirthschaft als auch die Kunstschöpsungen aller Nationen, mitAusnahme derer, die in folgende Kategorie gehören: lebende Thiere und lebendePflanzen, dem Verderben unterworfene Thier- und Pflanzenstoffe, explosive Präpa-rate sowie solche Products, deren Umfang die Grenzen der Ausstellung überschreitenwürde. Sämmtliche Ausstellungsgegenstände zerfielen in acht Gruppen, welche zu-sammen 30 Classen bildeten. Die erste Gruppe umfaßte Bergbau, Forst- und Land-wirthschaft; die zweite das Maschinenwesen; die dritte die auf" Chemie und Physikbasirten Industriezweige (Beleuchtung, Heizung, Färberei und Druckerei, Leder- undPapierfabrikation); die vierte Pharmacie, Medicin und Chirurgie, Seewesen, Kriegs-kunst und Civilbauwesen; die fünfte die Stahlindustrie, die Metall - und Goldarbeiten,die Glas- und Thonindustrie; die sechste die Industrie der Gespinnste und Gewebe;die siebente die Industrien für Möblirung und Ausschmückung, die Druckerei und dieMusik; die achte Gruppe endlich enthielt die Kunstgegenstände (Malerei, Bildhauerei,Architektur).

Die Ausführung des Baus des Jndustriepalastes erhielt eine englische Com-pagnie, welcher zugleich damit das Recht der Nutznießung des Gebäudes auf dieDauer von 35 Jahren zufiel. Einer französischen Verwaltung, welcher der Archi-tekt Viel beigegeben war, untergeordnet, brachten die Unternehmer durch Creirungvon 130000 Actien s 100 Francs Nominalwerth ein Capital von 13 MillionenFrancs auf. Dieses Capital erwies sich aber als nicht ausreichend selbst für denKörper des Gebäudes, sodaß nun der Staat genöthigt war, mit einem Darlehnvon 6 Millionen Francs der Gesellschaft als Creditor zur Seite zu treten. DerStaat leistete ferner eine Zinsgarantie auf die nächstfolgenden Jahre. Der Aus-stellungspalast erhebt sich auf dem Marignyplatze genau in der Mitte der ChampsElysees; er zeigt die Form eines Parallelogramms, ist an den vier Ecken mitvorspringenden Pavillons und in der Mitte der Langseiten mit gleichfalls vortre-tenden Pfortenbauten versehen; er ist der Richtung der Avenue der Champs Elyseesentlang, nahezu von Südwest nach Nordost gestellt. Das Gebäude ward nichtwie seine Vorgänger in London, Ncuyork und München aus Glas und Eisen, son-dern aus gelblichweißen Sandsteinen erbaut und mit einem halbrunden Zink- undGlasdache bedeckt. Der pariser Ausstellungspalast unterscheidet sich demnach seinerForm nach wesentlich von dem Krystallpalafl des Hydepark, mit welchem er in derThat nur die Glasüberdachung gemein hat, und gibt Zeugniß von der Verschieden-heit des französischen und englischen Baugeschmacks. Indessen war auch die Be-stimmung^ beider Gebäude eine verschiedene. Der Krystallpalast wurde nur für dieDauer der Ausstellung errichtet, das pariser Ausstellungsgebäude war nicht alleinder Universalausstellung, sondern auch allen später in Paris sich wiederholenden,auf Künste, Ackerbau und Industrie sich beziehenden Feierlichkeiten zugedacht. Die