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Die Industrieausstellungen.
Die Ausstellung ward am 15. Mai 1855 von dem Kaiser im. Beisein desHofes und der höchsten Personen des Staats ofstciell eröffnet. Es war ein er-hebender Anblick, so viele Menschen der verschiedensten Stände, auch viele Söhnedes Mars, umgeben von dem friedlichen Fleiße aller Völker, so bereitwillig ^demRuhme der Gegenwart huldigen zu sehen. Prinz Napoleon gab dem Kaiser einenBericht seiner Commission und bat den Kaiser, die Ausstellung als eröffnet zu er-klären. Der Kaiser erwiderte hierauf: „Ich eröffne mit Freuden diesen Tempel desFriedens, der die Völker zur Eintracht auffodert." Unter dem Zurufe: Es lebeder Kaiser, es lebe die Kaiserin! hielt das kaiserliche Paar einen Umzug im Central-saale. Damit war die Feierlichkeit beendigt.
Versuchen wir nun in der Kürze das Wesentlichste und Interessanteste der aus-gestellten Jndustrieerzeugnisse hervorzuheben.
Die Grundlage der gesammten Industrie bildeten unstreitig die Rohmaterialiender ersten Classe, die Producte des Bergbaus, die auf der Ausstellung zahlreich ver-treten waren. Etwa der dritte Theil der Aussteller gehörte Deutschland und Ostreichan. Unter den Ausstellern nahmen die Metallurgische Gesellschaft, deren Eisen-,Kupfer - und Bleibergwerke an beiden Ufern des Rhein, am Neckar, an der Lahn,im Odenwald, im Westerwald, und die belgische Zooistö 6s Is visüls montgzrrs,welche ihren Sitz zu Angleur bei Lüttich hat und Zinkhütten auf belgischem, badi-schein, schlesischem und rheinpreußischem Gebiete, Zinkwalzwerke in Belgien undFrankreich, endlich Zinkweißfabriken in Belgien, Frankreich und Nheinpreußen be-sitzt, hervorragende Stelle» ein. Die Apparate und Vorrichtungen zur Aufberei-tung und Zugutemachung der Erze waren schwach vertreten, von Seiten Deutschlandsgar nicht. Die Ausbringung der mineralischen Brennstoffe, die Gewinnung derCoaks und der Holzkohle traten dagegen reichlich und der Wichtigkeit dieses Industrie-zweiges würdig aus; Preußen zahlt etwa vierzig Aussteller dieser Section. Dieköniglich preußische Minenverwaltung schickte zur Ausstellung eine Sammlung vonKohlen, wie sie den reichsten Gruben der Gegenden der Saar, von Essen u. s. w.entnommen waren. Großartig war die Vertretung der Verarbeitung des Eisens, wo-bei sich mehr als 300 Aussteller betheiligten. In dieser ^Section nahm Deutschlanddurch dib vorzügliche Behandlung seines Eisens einen rühmlichen Platz ein. EinGußstahlblock im Gewicht von mehr als 100 Centnern von Krupp in Essen, dieMannesmann'schen Feilen aus Nemscheid und zahlreiche andere Erzeugnisse der Eisen-und Stahlfabrikation Deutschlands gaben ein rühmliches Zeugniß „ von der hohenStufe der Technik. In der Maschinenabtheilung hatten Preußen, Östreich, Barern,Sachsen, Hannover, Hessen für eine imposante Vertretung Deutschlands gesorgt.Die deutschen Länder waren unter Anderm durch fünf große Locomotiven vertreten;und befand sich unter diesen auch keine, die wie die von Ernst Gvuin ausgestellte Loco-motive — LÄigle — in der Stunde 60 französische Lieues zurücklegen kann, sogaben sie doch Zeugniß von dem hohen Standpunkte der deutschen Eisenbahnindustrie.Die Werkstätten von Borsig, Egells, Sigl und Thomas in Berlin, Neumann inEssen und Werken in Aachen hatten dabei wol das Beste geleistet, was in der Maschi-nenabtheilung desLollvereins zu sehen war. Östreich hatte Spinnmaschinen für Baum-wolle, Wolle und Seide, Locomotive, Destillir- und Zuckersiedeapparate ausgestellt;Baiern war durch die Anstalten von Mannhardt und Steinen in München und Rei-chenbach in Augsburg mit Thurmuhrwerken, Knotenfängern für Papierfabriken,Schnelldruckpressen und andern Maschinen vertreten; Sachsen durch Hartmann inChemnitz und Geßner in Aue mit Webe- und Rauhmaschinen; Hannover durchEgestorf mit einer Locomotive, Würtemberg gleichfalls mit einer Locomotive durchdie eßlinger Maschinenfabrik. Belgien zeichnete sich rühmlich durch seine Locomotiven,durch Zuckersiedeapparate und durch seine Spinn - und Webemaschinen aus. Imfranzösischen Departement waren die Maschinen von Cail und Comp. in Paris sowieaus der grafenstader Anstalt bei Strasburg durch Qualität wie Mannichfaltigkeit aus-gezeichnet. Die englische Ausstellung zählte ungefähr 200 Maschinen, unter welchen