Die Aiidustrieausstellungerl. 517
besonders die schon von der londoner Ausstellung her rühmlich bekannten Werkzeug-und Hülfsmaschinen von Whitworth und Comp. in Manchester hervortraten. ImKrystallpalaste des Jahres 1851 wurden nur die englischen Maschinen in Bewegunggesetzt; hier waren 50 Dampfmaschinen auf französische Kosten aufgestellt, um alleabgestellten Maschinen zu treiben. Unter den neuen Maschinen, die der Verbreitungwerth schienen, zeichneten sich die Nähmaschinen aus, wenn sie auch noch Anspruch aufVervollkommnung machten. Unbegründet müssen rücksichklich dieser Maschinen die Be-fürchtungen für den Erwerb der Nähtcrinnen genannt werden, wenn man bedenkt, daßan der Arbeit der Nähmaschine doch im Grunde nur Das bezahlt wird, was an Hand-arbeit in ihr liegt, daß also die.Maschine keine Arbeitsverdienste hinwegnimmk, und daßdas Geld, welches man wegen rascherer Lieferung an der Fertigung der Nähte erspart,dann ohne Zweifel größtentheils zur elegantem Ausrüstung der Nähtereien und derenausgedehntem Benutzung zu verwenden vermag, wobei die Nähterin ihre Geschicklich-keit weit besser verwerthen kann als beim einfachen Nähen. Die Einführung der Näh-maschinen wird den Verdienst in der Nähterei ebenso gewiß erhöhen, als die Erfindungder Druckerpreffe den Verdienst mit Schreiben erhöht hat. Wie die Nähmaschine derHandnäharbeit scheinbar den Garaus zu machen drohte, so erwuchs aus einer andernMaschine auch für die Schuhmacher eine ähnliche Befürchtung. Die Ausstellung zeigtemehre Maschinen, mit deren Hülse acht Personen täglich bei zehnstündiger Arbeit100 Paar genagelte Schuhe verfertigen konnten. Die Heilmann'sche Stickmaschinestickte die schwierigsten Muster auf allen Arten von Stoffen auf beiden Seiten rechtund machte gegen 700 Stiche in der Minute; die Zuschneidemaschine von Harradayfertigte das Zehnfache der Arbeit eines fleißigen Zuschneiders und mochte wol Mi-litärschneidern und Solchen, welche Kleider für den Export anfertigen, eine sehrwillkommene Erscheinung sein. Eine andere interessante Maschine der Ausstellungwar die Korkschneidemaschine, welche in der Minute 25 — 30 Stöpsel mit dergrößten Eleganz und von der verschiedensten Größe schneidet. Die Gold- und Me-tallblattschlagemaschine von August Favrel, welche dem Goldschläger die mühseligeHandarbeit abzunehmen verspricht, verdiente alle Beachtung. Höchst interessant warendie zahlreichen im Annex ausgestellten Turbinen. Bei dem unendlichen Aufschwüngeder heutigen Industrie ist die Nachfrage nach wohlfeilen bewegenden Kräften infortwährendem Zunehmen. Die Muskelkraft der Menschen und die thierischen Ar-beitskräfte sind als Motoren schon längst nicht mehr genügend. Die Anwendungder Maschinenkraft ist nicht überall möglich. Eine sorgfältige und verständige Aus-beutung der vorhandenen Wasserkräfte ist daher eine Hauptaufgabe der Industrieund nur durch die Anwendung der Turbinen — horizontalen Wasserrädern — erreich-bar. Haben schon die. ältern Turbinen von Foumeyron, Whitelaw, Jonval undPoncelet dadurch, daß sie bei hohem wie niederm Wassergefälle anwendbar sindund eine Geschwindigkeit erzeugen, die durch kein verticales Wasserrad erreicht wird,schnell Verbreitung gefunden, so steht der Turbine, die der Ingenieur Girard ausge-stellt hatte und die wesentliche Vortheile vor den ältern Turbinen besitzt, eine großeZukunft bevor. Das Girard'sche System hat bereits die Aufmerksamkeit der Xosäsnaisclss soitziross und der Staatsregierung auf sich gezogen, und man hofft sogar, durchdie Anwendung desselben auf die Eisenbahnen durch Construction von Seilebenen dieLocomotive theilweise entbehrlich zu machen. Auf den sardinischen Eisenbahnen wurden1856 Versuche mit Girard'schen Wasserrädern angestellt.
Kleider und Möbeln zeigen nicht blos den Zustand des häuslichen Lebens einerNation an, sondern sie erlauben auch einen tiefewBlick in ihre socialen Verhältnisse.Die Möbeln wechseln mit den Kleidern, aber weil sie kostbarer und dauernder sindals letztere, bleiben sie länger im Gebrauche und geben nur den Grundton in derMode an, während die Kleider tausend Variationen durchmachen. Aus der Form derMöbeln läßt sich der wahre Geist des geselligen Lebens einer Periode erkennen: ober einfach und heiter ist oder ob darin Steifheit und Verschrobenheit herrschen. Wienun seit Ludwig XV. Paris stets die Mode angegeben, so hat auch die pariser