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Die Industrieausstellungen»
fertiger wegen falscher Formenlehre gezüchtigt werden müßten, aber man konnte dochim Großen und Ganzen nach dem Anblicke der ausgestellten Gegenstände sagen,daß das Spielzeug heutzutage ebenso sehr geeignet sei zu bilden, als es frühergeeignet war zu verbilden. Wir wollen nicht versäumen, bei dieser Gelegenheit derBöttcherarbeiteu und Holzschnitzereien zu gedenken, von denen die nordamerikanischcn sichdurch saubere und feste Arbeit, Güte des Holzes und billige Preise auszeichneten.Von den Holzarbeiten seien die Holzschuhe (ssbots) angeführt, die wol verdienten inDeutschland allgemein eingeführt zu werden. Bei den französischen Producken dieserArt ist neben der Haltbarkeit auch der Zierlichkeit Rechnung getragen, und man sahauf der Ausstellung -Holzschuhe so fein und elegant mit ihrem schwarzen Lacke, daßsich ihrer auch eine Modedame nicht 'zu schämen hat.
In der Baumwollindustrie hat England ein wohlerworbenes Recht obenange-stellt zu werden; zu der höchsten Stufe der Vollkommenheit gelangt, ist ein großerTheil von Englands Handelsreichthum und seiner Bedeutung in ihr begründet. AlsHauptsitze englischer Baumwollmanufactur gelten bekanntlich Manchester und Glas-gow. Für gewisse Sorten von Baumwollgeweben hat es jedoch auch in Deutschlandan rüstigem Streben, eine gleich hohe Stufe, zuweilen sogar einen Vorrang zu ge-winnen, nicht gefehlt. Deutschland muß jedoch in der Baumwollmanufactur vonEngland und Schottland noch viel lernen., In wohlfeilen Baumwollstoffen undSammeten zeigte Deutschland sich Frankreich nicht nachstehend, während Frankreichin seinen Mustern und feinsten Geweben allbekannt den Vorzug verdiente. DieWollindustrie Deutschlands war tüchtig vertreten, besonders zeichneten sich die preußi-schen Tuche aus den Distrikten Aachen, Hagen und Görlitz durch Schönheit, Stärkeund Preiswürdigkeit aus. Für die sächsischem Tuche machte sich ein günstiges Ur-theil in der Ausstellung geltend. Die östreichische Tuchfabrikation hatte große Fort-schritte gemacht. Das französische Departement mit seinen Seidenstoffen, Spitzen,Shawls zeigte, daß die französische Industrie sich seit der londoner Ausstellung bereitsmerkwürdig entwickelt hatte, daß es Ziel und Strebepunkt der gesammten Fabrikationsei, das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden. In der Lederfabrikation zeichnetensich Frankreich durch Handschuhleder, England und Belgien durch tüchtige Sohllederaus. Deutschland hatte besonders an Glanzleder und an Saffian Vorzügliches geleistet.
Wenige Industriezweige waren auf der Ausstellung so allseitig vertreten als dieMassenfabrikation; fast alle Nationen Europas hatten ihr Contingent in größererund kleinerer Menge, in mehr oder minder vorzüglichen Proben gesandt. Indessenscheint es, als hätten die Büchsenmacher und Gewehrfabrikanten Deutschlands undEnglands die Concurrenz mit Frankreich und Belgien gescheut, denn sie befandensich in entschiedener Minderheit. In der Herstellung von Karabinern leisteten dieSchweizer Vorzügliches; ihre Waffen waren von untadelhafter Präcision und schienenunverwüstlich. Belgien hatte eine überaus reiche Ausstellung von Schußwaffen, undkein Land der Welt konnte mit ihm in Bezug aus Wohlseilheit concurriren.
Die Musikinstrumente fanden sich in überaus großer Menge im Jndustriepa-laste vertreten. Am zahlreichsten waren die Pianos; der Katalog wies darin nichtweniger als 161 Aussteller nach. Neben den Erard'schen Instrumenten, welche denVorrang vor allen übrigen behaupteten, waren in der französischen Abtheilung die vonPleyel, Pape und Blanchet ausgezeichnet. Im Bereiche der Blaseinstrumente con-currirten auf der Ausstellung eigentlich nur zwei Länder, nämlich Frankreich undOstreich. Die Ausstellung von Streichinstrumenten, obgleich minder zahlreich ver-treten als die der übrigen Instrumente, hatte dennoch mehre vorzügliche Stücke aus-zuweisen. Die Vertretung Deutschlands in der musikalischen Abtheilung war jedochnur unvollkommen.
Die Glasfabrikation nahm auf der Ausstellung einen hervorragenden Platzein. Den Glanzpunkt der zollvereinsländischen Glasausstellung bildeten die Gegen-stände von Steigerwald in Schachtenbach. Auch die Thonwaarenindustrie lieferteerfreuliche Beweise des Fortschritts. Unter den Erzeugnissen der neuern Chemie,