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Zwöflter Band.
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52V Die Industrieausstellungen.

welche die Ausstellung auszuweisen hatte, nahm das Aluminium den ersten Rangein. Dieses von Wähler bereits im Jahre 1827 aus dem Chloraluminium dargestellteMetall ist in den letzten Jahren von Deville in Paris mit Unterstützung des Kai-sers im Großen dargestellt worden, und die Ausstellung zeigte große Barren diesesMetalls und Fabrikate daraus, wie Wagebalken, Chronometer, kleine Gewichte, einKinderservice u. s. w. Die auffallendste Eigenthümlichkeit dieses Metalls liegt inseiner Leichtigkeit, wonach man glauben könnte, ei^ mit Blattsilber überzogenes StückHolz in der Hand zu halten, und in einer ungewöhnlichen Festigkeit. Sollte das Alu-minium, das aus der Erdoberfläche in unermeßlicher Menge vorkommt — ein jeder.Ziegelstein, eine jede Porzellankasse, der Chausseestaub, > die Ackererde enthalten etwadie Hälfte ihres Gewichts an reinem Aluminium — wohlfeil und. fabrikmäßig dar-gestellt werden können (gegenwärtig kostet das Pfund ungefähr noch 1000 Gulden),so würde eine Revolution in der Technik Und Industrie stattfinden, deren Folgen nichtabzusehen sind. Gleichwie bei der londoner Ausstellung, nur weit zahlreicher, fandensich alle die duftigen Essenzen, Ananasöl, Birnenöl, Äpfelöl, welche die Chemieaus dem widrig riechenden Fuselöle der Kartoffeln zu erzeugen gelehrt hat. Wichtigerals diese Essenzen waren die conservirten Lebensmittel, die gepreßten Gemüse, die halt-baren Fleischbrühen u. s. w. Die Aufbewahrung der Gemüse, zum Verproviantiernder Schiffe in hohem Grade wichtig, hat durch den Franzosen Masson eine wesent-liche Vervollkommnung erfahren dadurch, daß er die getrockneten Blätter einer starkenPressung unterwirft und sie so in kleine Kuchen verwandelt, die große Haltbarkeithaben. Die vortheilhafte Rückwirkung dieses jungen Industriezweiges, der auch inDeutschland seit einigen Jahren mit großem Erfolge betrieben wird, auf den Acker-bau, indem er die Spatencultur und Viehzucht befördert, wird sicher nicht ausbleiben.Die Kunst des Conservirens gekochter Nahrungsmittel wird in Frankreich in der Weisebetrieben, daß man dieselben bis über ihren Siedepunkt erhitzt und sodann luftdichteinschließt. Nach diesem Princip war unter Andern: conservirte Milch ausgestellt,welche wol die Beachtung der deutschen Landwirthschaft verdiente. Könnte man dasdabei beobachtete Verfahren in unsern Milchwirthschaften einführen, so hätte manüberall und zu jeder Jahreszeit die frischeste Milch.

In keinem Fabrikationszweige traten die Fortschritte, welche die Industrie denNaturwissenschaften und besonders der Chemie verdankt, so augenfällig hervor, alsin der Beleuchtungsindustrie. Glaubte man bisher, in der Veredelung des Talgeszu Stearinsäure das Nonplusultra der Leuchtmaterialien erreicht zu haben, so drohtgegenwärtig durch das Paraffin und durch das Mineralöl oder Photogen den Be-leuchtungsmethoden eine gänzliche Umwälzung. Dort, wo man es am wenigstenvermuthete, in den Braunkohlen, in dem Torfe und hauptsächlich dem Liasschiefer,finden sich unerschöpfliche Quellen des vollkommensten Leuchtmaterials. Was dieSteinkohle für die Heizung ist, das dürfte das Paraffin und das Schieferöl vielleichtschon in Wenigen Jahren für die Beleuchtung werden. Quenstedt, der würtem-bergische Geolog, sagt: „In den Posidonienschiefern des Lias in Schwaben liegenauf einer Quadratmeile zum Theil ganz oberflächlich, gering berechnet, über 200Millionen Centner des feinsten Öls, ja man übertreibt nicht, wenn man die Mäch-tigkeit der zu gewinnenden Ölschicht auf einen Pariser Fuß schätzt." Die Ausstellungzeigte vielfache Lampenconstructionen, in Venen das Schieferöl (lruils 6s 8oiüsts) zurVerbrennung kommt. Mit der Beleuchtungsindustrie hängt die Zündholzfabrikationzusammen, ein Industriezweig, welcher den Einfluß der geistigen Hülfsmittel auf dieindustrielle Entwickelung bedeutsamer als jener andere zeigt. Noch sind keine zwanzigJahre verflossen, daß die Schwefelholzfabrikation einer der ärmlichsten Industriezweigewar, so zwar, daß der „Schwefelholzkrämer" sprichwörtlich den armen Teufelrepräsentirte. Heute sehen wir dieselbe Industrie mit Productionsquanten auftreten,welche nur in wenigen riesigen Productionsverhältnissen Englands ihres Gleichenfinden. Östreichs Production — Pollak in Wien beschäftigt gegen 3000 Arbeiter —übertrifft die aller andern Länder. Ebenso wie auf der Münchener Ausstellung,