Das Gold. 547
zunehmenden Unsicherheit im größten Theile des Reichs, wie stets in solchen Zeiten,Gold als leichter zu transportiren und zu bewahren mehr noch im Werthe stieg alsdas Silber. Kaiser Konstantin hatte freilich bei seiner Münzrcform die alte Normder Werkhrelation von 1 :10 in den Ausmünzungen noch beibehalten, indem von ihmbestimmt wurde, daß die neue Goldmünze, der Solidus, zu 72 Stück auf das Pfundfeinen Goldes, die Silbermünze aber, die Denare, von denen man herkömmlich 40auf den Solidus rechnete, zu 288 auf das Pfund Silber (also — 1 :10)
ausgemünzt werden sollten. Es war diese Bestimmung indessen nur nominell, indemseitdem die Goldwährung allgemeine Geltung erhielt und das Silbergeld danebenals Ausglcichungs- oder Scheidemünze galt. Die allmälige Werthsteigerung desGoldes dauerte fort, und schließlich ward dann durch ein kaiserliches Edict vom Jahre410 die Werkhrelation des ungemünzten Goldes zum Silber wie 1:14,4 als gesetz-liche Norm anerkannt. Es heißt nämlich in den bezüglichen Edicten der beiden Kai-ser Honorius und Arcadius ausdrücklich einmal, daß bei Berichtigung einer Schulddurch Gold in Barren 1 Pfund Gold gerechnet werden solle zu 72 Solid!, und aneiner andern Stelle, daß es Jedem freistehen solle, statt je eines Pfundes Silber5 Solid! zu bezahlen.
5) Mittelalter.
Goldgewinnung wurde während des Mittelalters vielerwärts in Europa betrie-ben, weil der hohe Werth der Edelmetalle Goldwäschereien auch bei geringerer Aus-beute lohnend machte; dieselben mußten indessen eingehen, sobald die anfängliche verhält-nismäßige Ergiebigkeit vorüber war, und namentlich als nach der Entdeckung Ameri-kas der bisherige äußerste Mangel an baaren Circulationsmitteln mehr und mehr auf-hörte. Was im Mittelalter in Europa zur Vermehrung des Goldvorraths beigetragen,worden, kann indessen seiner Vergleichsweisen Geringfügigkeit wegen so gut wie garnicht in Betracht kommen, wenn man die Goldgewinnung in Ungarn, Siebenbürgen undBöhmen ausnimmt. In den beiden zuerst genannten Ländern war die Goldproductionnur eine Wiederaufnahme des gleichen Betriebs in der römischen Kaiserzeit, in Böh-men dagegen scheint die Goldausbeute etwa vom 8. Jahrhundert an bald mehr,bald minder ansehnliche Summen Gold in den Verkehr gebracht zu habe». Über denBetrag der europäischen Goldproduction im Verlaus des Mittelalters lassen sich nichteinmal annähernde Schätzungen wagen, da es an allen Anhaltspunkten dazu fehlt.Gar zu gering wird man sich die genannten Erträge übrigens nicht vorstellen dürfen,da man berichtet findet, das Goldbergwerk bei Eule in Böhmen habe einmal ineinem Jahre in einer einzigen Fundgrube den Werth von 1,600000 Dukaten, ineinem andern Jahre (H46 oder 998) gar mehr als 100000 Mark Gold geliefert;oder wer im Jahre 1363 im Bergwerke zu Eule ein Dreißigstel gehabt, derselbe habedazumal auf ein Quartal- für seinen Antheil an der Ausbeute 50000 hungarischerothe Gülden erhalten. Wie übertrieben solche Angaben, insbesondere die auf ältereZeiten sich beziehenden, auch sein mögen, eine ungewöhnliche Goldergiebigkeit magdenselben sicherlich zugrunde liegen.
Durch fortgesetzten Tauschhandel mit den Negcrvölkern, deren hauptsächlichesZahlmittel außer Sklaven in Goldstaub bestand, wird auch während des MitkelalkersGold nach Europa gelangt sein. Den größten Theil dieses Zeitraums über warder gedachte Verkehr fast ausschließlich in den Händen der Araber, im letzten Jahr-hundert des Mitkelalkers haben indessen auch die Portugiesen auf der Westküste Afri-kas Gold eingetauscht. Daß aus Asien in der ersten Hälfte des Mittelalters Goldnach Europa gelangte, beweisen die nicht ganz seltenen Funde von Goldmünzen derKhalifen und anderer asiatischen Herrscher, die an verschiedenen Punkten der Ostsee-länder zufällig gemacht sind.
Der Handel mit Ostasien wies übrigens im Ganzen genommen auch währenddes Mittelalters eine beständige Untcrbilanz zu Ungunsten Europas auf, welche durchSilberausfuhr ausgeglichen werden mußte. Es mag aber auch damals wie im Al°
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