634
Die Photographie. !
hält alles zuvor Gesagte seine volle Geltung, nur fällt der Brennpunkt dieser amRande der Linse gebrochene» Strahlen nicht genau mit dem Brennpunkte der durch >die Mitte derselben gegangenen Strahlen zusammen, sondern liegt etwas näher ander Linse als der letztgenannte Brennpunkt. Läßt man nun auf die ganze Ober- !fläche einer Linse von dem leuchtenden Punkte Strahlen fallen, so werden diese (sammt- >lieh von einerlei Farbe oder Brechbarkeit angenommen) durch die Brechung nichtalle genau mehr in einem Punkte sich durchschneiden; je näher nach dem Rande hinsie die Linse getroffen haben, um so früher schneiden sie die Achse. Von einem leuch-tenden Punkte erhält man also, wenn die kugelförmige Oberfläche der Linse einiger-maßen groß und stark gekrümmt ist, kein vollkommen scharfes Bild. Man würde jAbweichungen in der Lage der Brennpunkte der auf die verschiedenen Zonen derLinse auffallenden Strahlen bei einer einzigen Linse nur beseitigen können, wenn esmöglich wäre, die kugelförmigen Begrenzungsflächen durch Flächen von einer andern ^Krümmung zu ersetzen. Die durch die kugelförmigen Krümmungen erzeugte Ab-weichung in der Lage der Brennpunkte heißt die Kugelabweichung.
Die Schärfe des Bildes leidet aber noch aus einem andern Grunde, und sogarnoch stärker als zuvor wegen der Kugelabweichung. Von jedem leuchtenden Punktegehen, wenn nicht etwa besondere Vorkehrungen getroffen sind, Lichtstrahlen vonverschiedener Farbe oder, was Dasselbe heißt, von verschiedener Brechbarkeit aus. Auchabgesehen von der Kugelabweichung vereinigen sich daher die von einem aus der Achseder Linse liegenden Punkte ausgehenden Strahlen nicht genau in einem Punktehinter der Linse wieder, sondern die violetten Strahlen, welche stärker brechbar sindals die andern, durchschneiden sich in der Achse früher als die übrigen; der Durch-schnitt oder der Brennpunkt der rothen Strahlen liegt am weitesten von der Linseab. Berücksichtigt man die dunkeln Wärmestrahlen jenseit des Roth, so liegt derenBrennpunkt noch weiter von der Linse ab, während gerade entgegengesetzt der Brenn- ^Punkt der jenseit des Violett liegenden sogenannten übervioletten Strahlen um sonäher an die Linse heranrückt, als der Brennpunkt der violetten, je weiter dieselbenin ihrer Brechbarkeit vorn Violett abweichen. Die Brennpunkte der äußerstenStrahlen auf beiden Seiten des Sonnenspeckrums liegen also ziemlich voneinanderentfernt; es gibt folglich keinen Punkt, wo sich alle von einem Punkt ausgegangenenund i» der Linse gebrochenen Strahlen wieder vereinigten. >
Was nun aber von einem vor der Linse befindlichen leuchtenden Punkte gilt, !bleibt auch richtig, wenn mehre solcher Punkte, und also auch ein Gegenstand, von !dem jeder Punkt als ein leuchtender Punkt angenommen werden muß, vor der Linsestehen. Die von jedem dieser Punkte ausgegangenen und in der Gegend der Brenn-punkte hinter der Linse auf einem Papier oder matten Glase aufgefangenen Strahlenvereinigen sich nie völlig wieder in einem Punkte, sondern sind über einen kleinenKreis ausgebreitet. Die zu benachbarten Punkten gehörigen Kreise greifen überein-ander, geben zu Farbensäumen Veranlassung und machen das Bild undeutlich.
Diesem llbelstande läßt sich dadurch abhelfen, daß man nicht eine einfache Linse,sondern eine aus zwei verschiedenen Glassorten zusammengesetzte, sogenannte achro-matische Linse anwendet. Wenn man die Brechung des gewöhnlichen Glases unddie Brechung des sogenannten Flintglases, das unter seinen Bestandtheilen Blei lenthält, für die verschiedenen Farben mit Genauigkeit bestimmt, so findet man erstens ,die Brechung im Flintglase im Allgemeinen größer als in dem gewöhnlichen Glase, ^aber zweitens auch den Unterschied zwischen der Brechung der violetten und rothenStrahlen im ersten größer als im zweiten. Erzeugt man durch zwei Prismen ausgewöhnlichem Glase und Flintglase von gleichen brechenden Winkeln *) zwei Sonnen-speckra in gleicher Entfernung auf einer Wand, so ist das durch das Flintglas gebil-dete Spectrum größer und auch zugleich stärker gebrochen, aber doch im Verhältniß
*) Die Winkel, welche die beiden Flächen miteinander bilden, durch welche die Licht-strahlen gehen.