636 Die Photographie.
Gegenstand noch näher (bleibt aber stets noch weiter entfernt als die Hauptbrenn-weite selbst), so entfernt sich das Bild weiter und ist also größer als der Gegenstand.
Bei verschiedenen Linsen hängt, die Lage des Bildes, wenn der Gegenstand ingleiche Entfernung gesetzt wird, von der Krümmung der Flächen ab, sodaß das Bildin einer um so geringern Entfernung hinter einer Linse entsteht, je stärker ihre Flä-chen gekrümmt sind.
Der Körper einer zu Photographischen Zwecken brauchbaren 6amsrs obsourabesteht gewöhnlich aus einem viereckigen rings verschlossenen Kasten. Seine Vorder-seite trägt eine messingene Röhre, in der man eine für die chemischen Strahlen mög-lichst achrvmatisirte Linse so einsetzt, daß sie durch Trieb- und Zahnstange etwasverschiebbar ist. Die Hintere, der Linse gegenüber befindliche Wand ist beweglich; sieläßt sich in einem Falze nach oben schieben und gänzlich Hinwegnehmen. An ihreStelle kann man zunächst einen ebenso großen Rahmen in den Falz einschieben, dereine-nur auf einer Seite mattgeschliffene Glastafel enthält, die ihre mattgeschliffeneSeite der Linse zukehrt. Befindet sich in angemessener Entfernung von der Linseein Object, so läßt sich durch den Trieb mit der Zahnstange die Stellung der Linse ^so reguliren, daß das Bild genau auf die mattgeschliffene Glasfläche fällt, also dem ^hinter dem Glase befindlichen Auge vollkommen scharf erscheint. Anstatt die Linsezu verschieben, erreicht man natürlich auch denselben Zweck, wenn man den Kastender 6amerg obscmrs selbst durch Ausziehen verlängern oder durch Einschieben ver-kürzen kann. Um besser beurtheilen zu können, bei welcher Stellung der Linse dasBild die größte Schärfe auf der matten Glasfläche besitzt, ist es zweckmäßig, an derobern und den seitlichen Flächen des Kastens ein größeres Stück (eine Art Schürze)eines undurchsichtigen schwarzen Zeuges (z. B. Manchester) zu befestigen und nachhinten zu schlagen, das man zur Abhaltung alles fremden Lichtes über den hinterdem Glase befindlichen Kopf wirst. Anstatt mit bloßen Augen kann man das Bild >auch mit einer Loupe betrachten. Der Rahmen, in welchem das matte Glas be-festigt ist, läßt sich Hinwegnehmen und an seine Stelle ein anderer mit einem fürdie Einwirkung des Lichts empfindlichen Papiere oder einer jodirten versilbertenKupferplatte einschieben, wie dies später noch weiter angegeben werden wird.
Die (lsmsrs obsours wird auf einem passenden Stativ angebracht, sodaß siesich in beliebiger Höhe und Richtung sicher einstellen und befestigen läßt.
Erste Versuche einer Photographie von Wedgwood und Davh.
Unmittelbar (1803) nach den oben erwähnten Versuchen Ritter's kam Wedgwoodauf den Gedanken, mittels der Eigenschaft der Silberfalze, im Lichte ihre Farbe zuändern, und zwar je nach den verschiedenen farbigen Strahlen desselben mit größereroder geringerer Geschwindigkeit, die Bilder der Lsmsrs c>b8ours sich selbst abbilden zulassen. Wedgwood wandte aber nicht das Chlorsilber, sondern das salpetersaureSilberoxyd an; daher waren die Einwirkungen, welche er erhielt, zu schwach; er gabalso diesen Zweck auf, und benutzte sein Verfahren, um Contoure und Schattenvon Gemälden auf Glas zu copiren und Profile von Figuren zu erhalten. Er stellte :zu diesem Zwecke eine weiße, mit einer Auflösung von salpetersauerm Silber über- Istrichene Fläche hinter ein Glasgemälde und setzte sie so dem Sonnenlichte aus; die ^entstehenden braunen oder schwarzen Tinten waren in ihrer Intensität je nach denSchatten des Gemäldes verschieden; wo weder Schatten noch Farbe auf dem Glase,ward natürlich die Farbe des salpetersauern Silberoxyds am dunkelsten. Wurde dieLösung dieses Salzes auf Leder angebracht, so ging die Einwirkung des Lichtsschneller vor sich als bei Anwendung von Papiir. Die Farbe ließ sich weder durchreines Wasser noch durch Seisenwasser abwaschen; dagegen mußte die fertige Copiesogleich an einen dunkeln Ort gebracht werden und durfte nur im Schatten (und auchda nur auf kurze Zeit) oder besser bei Lampenlicht betrachtet werden. Alle VersucheWedgwood's, die »„geschwärzten Stellen gegen spätere Lichteinwirkungen zu schützen, !schlugen fehl.