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Zwöflter Band.
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Die Photographie.

also zweckmäßig das Chlorsilber durch das empfindlichere Jodsilber und Bromsilber,oder durch ein Gemenge aus ihnen und auch wol noch andern Silberverbindungenersetzen. Es werden später mehre Vorschriften für solche Mischungen angegeben wer-den. Aber auch diese Vertauschung des einfachen Chlorsilbers gegen ein Gemengeaus mehren Silberverbindungen würde den beabsichtigten Zweck doch noch nicht voll-ständig erreichen, weil selbst jetzt das Licht immer noch eine ziemliche Zeit brauchenwürde, um durch seine eigene Wirkung die von ihm getroffenen Stellen hinreichenddunkel zu färben. ... , -

Man hat daher gesucht, ob es nicht möglich wäre, solche chemischen Substanzenaufzufinden, welche auf die empfindliche Schicht von Silbersalzen, wenn dieselbeauch nur so kurze Zeit dem Lichte ausgesetzt gewesen ist, daß das Äuge auf ihrnoch gar keine oder nur eine äußerst schwache Farbenveränderung wahrnimmt, in derArt einwirken, daß sie dieselbe entsprechend der Stärke der stattgehabten Lichteinwir-kung dunkel färben, während die nicht vom Lichte getroffenen Stellen durch sie inkeiner Weise eine Farbenveränderung erleiden. Denn besäße man solche Substanzen,so würde es augenscheinlich genügen, das mit dem Kupferstiche bedeckte Papier nureine sehr kurze Zeit dem Lichte auszusetzen und dann dem Einflüsse jener chemischenSubstanzen zu unterwerfen, also z. B. in die Lösung derselben, wenn sie flüssig sind,einzutauchen; durch die chemische Einwirkung würden dann die vom Lichte getrof-fenen Stellen allmälig dunkel gefärbt und so das Bild sichtbar werden. Eine solcheSubstanz, welche auf die vom Lichte bestrahlten Silberverbindungen in der angedeu-teten Weise einwirkt, ist nun zuerst durch Talbot in der schon von Scheele entdeck-ten Gallussäure erkannt worden; später fand man, daß das schwefelsaure Eisenoxydul(Eisenvitriol) und die ebenfalls von Scheele zuerst beobachtete Pyrogallussäure die-selbe Wirkung in noch stärkerm Grade zeigen.

Man möchte sagen, es könne nichts Wunderbareres geben, als die zauberhafteWirkung dieser Substanzen. Setzt man ein mit Chlor- oder Jodsilber überzogenesBlatt Papier, auf das man in die Mitte eine aus schwarzem undurchsichtigen Pa-pier geschnittene Silhouette gelegt hat, äußerst kurze Zeit dem Sonnenlichte oderauch nur zerstreutem Tageslichte aus, so bemerkt das Auge noch keine Veränderungin der Farbe. Wirft man dann aber dieses Papier in die Auflösung einer der ge-nannten Substanzen, so beginnt augenblicklich der Schattenriß sichtbar zu werden;die von dem schwarzen Papiere bedeckt gewesenen Stellen bleiben weiß, während dievom Lichte getroffenen Stellen sich dunkel zu färben beginnen, was immer weiterfortschreitet. Die Schnelligkeit der Entwickelung des Bildes ist bei Anwendung derverschiedenen oben genannten Stoffe verschieden; so wirkt, wie schon angedeutet, diePyrogallussäure, ein Product der Sublimation der Gallussäure, viel schneller als dieGallussäure selbst.

Auf den ersten Blick scheint es fast nicht möglich, den Schleier etwas zu lüften,der die geheimnißvollen Vorgänge bei diesem Processe bedeckt, da der Chemiker in demso kurze Zeit dem Lichte ausgesetzten Chlor- und Jodsilber, daß eine Farbenverände-rung noch nicht merklich ist, keine Änderung in der quantitativen Zusammensetzung zuentdecken vermag. Vielleicht gelingt es uns aber doch, in Anschluß an frühere Er-örterungen den Faden zu finden, der uns auch hier zu einem Verständniß leiten kann.

Als oben die Entdeckung der chemischen Wirkungen des Lichtes durch Scheeleerwähnt wurde, lernten wir gleich die Art der Wirkung desselben auf das Chlor-silber kennen; wir sahen, daß das Licht einen Theil Chlor abscheidet, sodaß eine Ver-bindung mit geringerm Chlorgehalte zurückbleibt. Ebenso geht, wie an einer andernStelle erwähnt wurde, das in Äther gelöste Eisenchlorid im Sonnenlichte in Eisen-chlorür über, und ähnlich wird eine Lösung von oxalsauerm Eisenoxyd in überschüssigerOxalsäure unter Entwickelung von Kohlensäure in oxalsaures Eisenoxydul verwandelt.Salpetersäure verliert Sauerstoff und wird zu salpeteriger Säure u. s. w. Die Wirkungdes Lichtes geht also bei den genannten Subflanzen dahin, Chlor oder Sauerstoff ausden Verbindungen auszuscheiden. Ist die Verwandtschaft zwischen diesen letzten Stoffen