Die Photographie. 671
lebhafte Farben; die Einwirkung beginnt im Orange, Gelb und ,Grün, und ver-breitet sich dann auch einerseits nach dem Blau und Violett, andererseits nach demRoth. Alle Farben sind wie auf den erhitzten Platten hell auf dem dunkeln Grunde(mit Ausnahme des äußersten Blau und Violett, wenn die vorhergehende Bestrah-lung durch die rothen Strahlen zu lange gedauert hat); die farbige Abbildung über-trifft aber die auf erhitzten Platten darin, daß jetzt auch das Grün, Gelb undOrange ebenso lebhaft ausfallen als auf einer den äußersten rothen Strahlen nichtausgesetzt gewesenen Platte. Dagegen geht, wie man leicht voraussehen wird, dieEinwirkung des Sonnenspectrums nur bis an das äußerste Noth; im äußerstenRoth selbst erleidet die Platte anfangs keine Veränderung; sie ist ja eben zuvor durchsolche Strahlen in den dunkelfarbigen Zustand versetzt worden; die farbige Abbildungdes Sonnenspectrums ist also auf der rothen Seite kürzer als das leuchtendeSpectrum. Sollen die rothen Strahlen des Spectrums sich durch ihre Wirkungauf der Platte noch bemerklich machen, so muß man die Zeit der vorhergehendenBestrahlung unter dem rothen Glase abkürzen, sodaß die Platte noch nicht die größteDunkelheit erreicht hat.
Ebenso wie die Farben des Sonnenspectrums lassen sich auch die durch Inter-ferenz entstehenden farbigen Str.eifen und Ringe mit ihren Farben darstellen; dagegenstellen sich dem Gelingen farbiger Bilder in der 6amors obseura größere Hinder-nisse entgegen. Das Licht, das von der Oberfläche der Körper ausgeht, ist nichtvollkommen gleichmäßig, sondern enthält noch weißes Licht beigemischt. Wenn nundies weiße Licht auf der Platte wieder Weiß erzeugte, so würde durch seine Bei-mengung die durch das Licht hervorgerufene Farbe nicht geändert werden; erzeugteaber das weiße Licht eine mehr oder weniger graue Nüance, wie dies auf den nichterhitzten Platten stattfindet, so würde dadurch die Reinheit der Farbe gestört werden.Auf erhitzten Platten gibt nun zwar das weiße Licht wieder Weiß, aber auf ihnenerscheinen wieder einige Farben schlechter. Sodann erfodert die Entstehung derBilder in der 6-unsr» obscmrs eine ziemlich lange Zeit. Selbst wenn Becquereldie abzubildenden Objecte durch Sonnenlicht beleuchtete, so mußte die mit demSilberchlorür überzogene Platte doch mehre Stunden in der tlsmsrs obseura derBestrahlung ausgesetzt werden, bis ein deutliches farbiges Bild erhalten wurde.
Eine unmittelbare praktische Anwendung könnte übrigens von dem erläutertenVerfahren auch selbst dann noch nicht gemacht werden, wenn die eben erwähntenUbelständc nicht vorhanden wären. Die erhaltenen farbigen Bilder haben nämlichnur im Dunkeln Bestand, während am Lichte ihre ganze Oberfläche bald gleich-förmig gefärbt wird. Becquerel hat kein Mittel gefunden, um sie zu fixiren, undes wird sicherlich auch schwerhalten, ein solches zu entdecken. Erwägt man, daßdie auf dem angegebenen Wege hervorgerufenen Farben jedenfalls in die Kategorieder Farben dünner Platten gehören, so wird man nur dann die Firirung derselbenerreichen, wenn es gelingt, aus dem durch das Licht veränderten Silberchlorür dasChlor hinwegzunehmen und durch eine Substanz zu ersetzen, die, mit dem Silberverbunden, denselben Brechungsexponenten hat wie das Silberchlorür an der be-treffenden Stelle, aber am Lichte sich nicht verändert; man sieht, es könnte wolder Fall eintreten, daß die Fixirung jener Farben, wenn zufällig eine solche Sub-stanz nicht existirte, ganz und gar unmöglich wäre.
Benutzung der Photographie für Lithographie und Stahlstich.
Sehr bald nach dem Bekanntwerden des Daguerre'schen Verfahrens zur Dar-stellung von Photographischen Abbildungen auf silberplattirten Kupferplatten entstandauch der Wunsch, diese Bilder sofort durch den Druck vervielfältigen zu können, undman stellte verschiedene Versuche an, um entweder die das Lichtbild selbst tragendePlatte mit Schwärze zu versehen und abzudrucken, oder von ihr auf galvanischemWege Abdrücke zu gewinnen. Alle diese Versuche, wenn sie auch in einzelnen Fälleneinige brauchbare Abdrücke geliefert haben, konnten doch zu keinem für die Praxis