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Zwöflter Band.
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680 Die bildenden Künste»

Kuppelfresken vom Jahre 1807 können als Jugendversuche nicht füglich in Be-tracht kommen), die Composüionen zu Goethe's „Faust", die Erfüllung seiner Phantasiemit nationalen Gestalten. Keiner der beiden Führer der modernen Kunst wurde erstin Rom, wo sich seit dem Jahre 1810 ein engbefreundeter Kreis zusammengefundenhatte, für die von ihnen eingeschlagene Richtung begeistert, jeder brachte schon ausseiner Heimat den Grund zur spätern Entwickelung mit. Overbeck brach bereitsin Wien im Verein mit Schnorr, Scheffer und Andern mit solcher Heftigkeit dieLanze fük seine Götter, daß er von der Akademie verwiesen wurde; Cornelius kün-digte schon in seiner Jugend, indem er die Antiken nach seiner Art zeichnete und dieFähigkeit, Alles nach der bloßen Erinnerung wiederzugeben, zur Virtuosität aus-bildete, den reichen und selbständig schaffenden Formensinn an. Was diese Künstlerund durch sie die deutsche Kunst Rom verdankten, das ist die Frescomalerei, dieglückliche Entdeckung, daß dieses Material sich vorzugsweise zum Ausdrucksmittel ihrerPhantasie eigne. Die gewöhnlich vorgebrachte Behauptung, die Frescotechnik sei seitmehren Menschenaltern gänzlich in Vergessenheit gerathen, ist zwar nicht stichhaltig.In katholischen Ländern hatte sich die Übung derselben niemals völlig verloren, dasBedürfniß monumentaler Ausschmückung der Kirchen ihre äußere Pflege wacher-halten. Noch am Schlüsse des vorigen Jahrhunderts malte z. B. Maulpertschdas Stift Slrahow zu Prag in einer Weise aus, die wenigstens technische Ge-wandtheit und handwerksmäßige Sicherheit nicht vermissen läßt. Doch hatten dieseVorgänge auf den Kreis, von dem die Kunstreform-ausgehen sollte, keinen Einfluß;hier allerdings mußte die Frescomalerei erst neu entdeckt werden. Daß sie wiederWurzeln schlagen müsse,, solle der Weg der Reforni erfolgreich fortgesetzt werden,wurde bald zur festen Überzeugung. Alles Unheil war ja aus der maßlosen Herr-schaft des Malerischen hervorgegangen. Diese Herrschaft wurde durch die dem plasti-schen Stile sich annähernde Frescomalerei, die allen Schein verschmäht, bei welcherjeder schiefe Gedanke, jede falsche Form »«verhüllt an den Tag tritt, glücklich besei-tigt; durch die ernste Strenge in der Composition, durch die edle Einfachheit in derDarstellung ward der Wiederkehr des Zopfes vorgebeugt. Wir besitzen zwei ausge-dehnte Frescvwerke aus dieser jugendfrischen, stürmischen Periode der deutschen Kunst,die jedenfalls bei der Schilderung unserer Kunstzustände an die Spitze gestellt werdenmüssen: die Geschichte des ägyptischen Joseph in der Casa Bartholdi auf dem MontePincio (seit 1816) und die Scenen aus den epischen Gedichten der Italiener in derVilla Massimi gegenüber dem Lateran. Dort malten Overbeck den Verkauf Joseph's,Philipp Veit die Versuchung durch Potiphar's Weib, Wilhelm Schadow die Klage Ja-kob's und die Auslegung der Träume im Gefängniß, Cornelius die Auslegung der Königs-träume und die Wiedererkennung der Brüder, in den Lünetten oder HalbkreisfeldernVeit die fetten und Overbeck die magern Jahre. In der Villa Massimi rühren dieDarstellungen aus der „Göttlichen Komödie" von Koch und (Paradies) Veit, .jene ausdem „Rasenden Roland" von Julius Schnorr her; die Scenen aus dem „Befreiten Je-rusalem" vollendete nach Overbeck's, durch Gesundheitsrücksichten veranlaßtem Rück-tritte dessen Schüler, der Böhme Führich. Von der Arbeit des Letzter« darf man inso guter Umgebung nicht reden. Auch Schnorr's Bilder gehören nicht zu den ge-lungenen; dem Künstler fehlte offenbar die Kraft, sich in seinen Gegenstand hinein-zuleben. Vollends Koch's Höllenspukgeschichten, das Schmoren, Zernagen, Peitsche»der Sünder u. s. w. können nicht die Aufmerksamkeit fesseln, selbst wenn man dashohe Alter des Meisters, als er an das Werk ging — er zählte bereits 72 Jahre —berücksichtigt. Desto bewunderungswürdiger bleibt Overbeck's Antheil. Mag es ihmauch an technischer Gewandtheit mangeln und der Charakter des Gedichts zuweilenden klaren Ernst der Verkörperung erschweren, jedenfalls traf Overbeck in vollendeterWeift den romantischen Ton und offenbarte eine Poesie des Gemüths, einen feinenSinn für die landschaftliche Schönheit, wie. kaum noch Jemand unter seinen Zeit-genossen. Auch in den Fresken der Casa Bartholdi trägt Overbeck den Preis da-von» Cornelius bewies daselbst zwar schon seinen eigenthümlichen, aber noch nicht