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Die bildenden Künste.
des obern Raumes. Der Bau des Schauspielhauses zeigt Schinkel's weltumfassen-den und erfinderischen Geist in noch glänzenden,! Lichte. Hier war die Aufgabeungleich verwickelter, die künstlerische Lösung der mannichfachen Bedürfnisse, vielschwieriger als bei dem Museum. Vollends gewagt mußte die Anwendung griechi-scher Bauformen erscheinen, es wäre denn, daß man sich mit-der banalen Anordnungbegnügte, die an den Schmalseiten des Baus oder blos an die Hauptfronte einenSäulenporticus anlehnt und die übrigen Theile des Baus ungegliedert laßt, höch-stens mit zahlreichen Gucklöchern sie ausfüllt. Schinkel hat auch nicht den kleinstenWinkel zu gliedern vergessen, alle Bedürfnisse berücksichtigt, und doch die künstle-rische Einheit festgehalten, Formen und Ausdrucksmittel mit bewundernswürdiger Sicher-heit der Antike entlehnt und dennoch die individuelle Freiheit gewahrt, ein selbständigesWerk geschaffen. Dem Hauptbau legen sich zwei Flügelgebäude zur Seite, vonwelchen das Eine den Concertsaal enthält, das Andere technischen Zwecken, zur Aus-bewahrung der Theaterrequisiten u. s. w. dient. Dem Hauptbau tritt ein tiefersechsseitiger ionischer Porkicus vor, in gleicher Höhe mit den Flügelbauteik gehalten.Um die Längenrichtung des erster« Gicht auffällig zu machen, oder die magere Kreuz-form vorherrschen zu lassen, wurden sinnreich die Winkel in der Fronte des vorsprin-genden Hauptbäus durch rechteckige Anbauten ausgefüllt. Die Architektur des Por-tikus klingt im gesummten Außenbau an, sein Gebälk seht sich auch an den Flü-gelbauten fort, die Functio» der Säulen wird an allen Ecken durch Verstärkungs-pfeiler vertreten. Eine gegliederte, harmonische Fensterarchitektur ließ sich aus sach-lichen Gründen nicht anbringen, sie hätte auch den vorherrschenden antiken Formenschlecht entsprochen. Schinkel ersetzte sie in genialer Weise durch zwei übereinandergeordnete schmale Pilasterstellungen, welche alle Bedeutung absorbiren, sodaß inner-halb derselben nach Belieben ohne alle Störung hier (dunkel gehaltene) Fenster ange-bracht, dort einfache Wandflächen ihre Stelle einnehmen können. Nicht unerwähntdürfen wir lassen, daß der plastische Schmuck an den Wangen der Freitreppe undan den Giebeln von Tieck und Andern, sowie die Malereien im Innern von Wachund Schadow zu den vollendetsten Werken ihrer Zeit gehören, und die decorativeAusstattung des Concertsaals als ein wahres Musterbild dienen kann. Minderin die Augen fallend, in gediegener Einfachheit, auch im Material anspruchslosertritt uns die Bauschule entgegen. Dennoch besitzt sie Vorzüge, welche dieselbeSchinkel's Meisterwerken anreihen lassen. Daß die Dekoration und Formengebungaus der Natur des verwendeten Materials sich entwickeln und das Äußere des Bausdas Innere vorbereiten und klar andeuten soll, sind Gesetze, von welchen wir trotzihrer Wichtigkeit nur wie von fernen Mythen wissen. Schinkel hat sie an der Bau-schule wieder zu Ehren gebracht. Der gesammte plastische und decorative Aufputzist streng auf den Backstein berechnet, aus den Verstärknngspfeilern, aus den flachenFensterbogen oder der. Gestalt ihrer Bekrönungen erkennt man sofort die innere Ge-wölbestructur, wie auch in der ganzen Anordnung, z. B. in den breiten, lichtspen-denden Fenstern, die Bestimmung des Werks klar sich kundgibt. Es kann hiernatürlich nicht unsere Sache sein, ein vollständiges Verzeichniß der Schinkel'scheiiWerke und Entwürfe zu liefern (wem an dem Besitze desselben liegt, findet dasselbein Kugler's gründlicher, nur zuweilen von der Pietät gegen den Verstorbenen einsei-tig gefärbter Denkschrift) oder in der kritischen Beleuchtung der Einzelwerke fortzu-fahren, mögen auch z. B. das Palais des Grafen Redern, die berliner Hauptwache,die oft nachgeahmten Flügelbauten am Potsdamer Thore u. s. w. beinahe unwider-stehlich dazu verlocken. Eine wichtigere Frage verlangt Beantwortung: jene nachSchinkel's Stellung und Bedeutung in der modernen Kunstgeschichte.
Daß Schinkel's Stil und Auffassungsweise in Berlin selbst keine weitere Ent-wickelung gefunden hat, ist eine unleugbare Thatsache. Traditionell lebt er in denLehren der berliner Bauakademie, hier und da begegnet man seinen Anregungen,aber im Ganzen und Wesentlichen ist er ohne Nachfolge geblieben. War aberauch Schinkel's Stil entwickelungsfähig? Bei aller Bewunderung für des Meisters