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Die bildenden Künste.
i- persönliche Größe muffen wir es ableugnen und die Unmöglichkeit einer Schul-
>e begründung durch denselben festhalten. Schinkel wollte bekanntlich kein neues Bil-
el dungsprincip in die Baukunst einführen, er sann nicht neuen architektonischen For-
i- men nach, er wollte nicht neue Constructionen begründen. Das Ideal, welches
lg .er wieder beleben wollte, war das Hellenenthum, nicht die einzelnen äußerlichen
m Theile und Glieder der griechischen Architektur, sondern ihre organischen Gesetze,
K- wenn der Ausdruck noch erlaubt ist, ihren Geist. Aber dieser Geist, diese Gesetze
m lassen sich nicht in unmittelbarer Weise verwenden, wir bauen ja nicht Temvel,
e- sondern Kirchen, Museen, Theater. Der geschlossene Organismus der antike» Bau-
r- kunst hat keine Stelle in der modernen Kunstbildung. Ein Ausweg allein bleibt
es übrig, durch Schürfung des künstlerischen Sinns, durch die Ausbildung einer glück-en lich und fein organistrten Empfindung nach der Hervorbringung eines ähnlichen Ein-st- drucks, wie ihn die Antike gewährt, zu sterben. Das sind aber rein persönliche
'er Eigenschaften, die sich nicht erwerben, nicht beliebig übertragen lassen. Rechnen wir
m. ab, was Schinkel's tiefster und eigenthümlichster Individualität angehört, so bekommen
>z- wir das nackte Formengerüste der griechischen Architektur, das auch vor Schinkel
>n- gekannt und nachgebildet wurde. Wollte aber Jemand in Schinkel's Fußstapfen ire-
)r- ten, dessen besonderes Empfindungsvermögen verallgemeinern, sodaß es die Grund-
lü- läge einer . Schule, abgeben könnte, so würde er unrettbar der Manier verfallen,
zs- durch Kälte und Übertreibungen zurückstoßen. Schinkel, wie alle Idealisten unsers
ch- ' Zeitalters, steht einsam da, ein würdiger Gegenstand der Bewunderung, aber der
icn unmittelbaren Nachahmung durch seine Natur gänzlich entzogen. Gerade dieser Um-
der stand rechtfertigt seine Zusammenstellung mit Cornelius.
er- Auch Cornelius regt die größte Bewunderung seiner persönlichen Größe an;
ze- ^ man kann von seiner poetischen Begabung, von der Tiefe und den Reichthums sei-
)nt nes Geistes nicht gut genug denken. Aber auf die Hoffnung muß man verzichten,
md daß sich seine Weise als Schulrichtung längere Zeit lebendig erhalten werde. Den
ach vollständigen Beweis wird die folgende Schilderung seiner Werke liefern. Wir schrei-
tive ten an dieselbe ohne das geringste Vorurtheil für oder gegen den Meister. Man hat
lder in frühern Zahrzehnden den Corneliuscultus vielleicht übertrieben, auch nicht die
eser kleinste Schwäche an ihm anerkennen wollen; die geringe Beachtung, die er später
elbe in Berlin gefunden, erscheint aber auf der andern Seite ebenso wenig gerechtfertigt,
ung Freilich auf Popularität darf Cornelius keinen Anspruch machen, seine Werke sind
aus nur für die Aristokratie der Bildung berechnet und können nur von dieser verstanden
trotz und genossen werden. Wer von der Malerei zunächst Befriedigung des Auges ver-
lau- langt, wird den großen Ruhm des Meisters nicht begreifen. Auch die Bewältigung
putz des Materials läßt Vieles zu wünschen übrig. Cornelius kann nicht in Ol malen
chen und übertrug auch die Ausführung seiner Frescoarbeiten aus guten Gründen regel-
Ge- mäßig andern Händen. Der letztere Umstand schließt unbestritten einen Mangel in
pen- sich. In der Freskomalerei mag immerhin das eigenthümliche Verfahren es bedin-
hier gen, daß der Künstler in die äußere Durchführung,, nicht so unmittelbar seine Seele
'chen und Empfindung hineinlegen kann wie bei einem Ölgemälde, daß der größte Theil
selbe der Schönheit schon am Entwürfe und Carton ersichtlich ist; aber vollkommen gleich-
nsei- gültig ist die malerische Technik keineswegs. Die berühmtesten Frescowerke der Ver-
rtzu- gangenheit sind nicht durch eine solche Trennung und Theilung der Arbeit entstanden:
ache, man verliert viel, wenn man sie blos in der Zeichnung, nicht in der malerischen
öder- Durchführung kennen lernt, die auch Michel Angela so hoch und so wichtig hielt, daß
nach er bei der Schöpfung der unsterblichen Deckengemälde in der Sixtina nur die Hülfe
des Farbenreibers duldete. Und Cornelius wird doch gewöhnlich als geistesverwandtEnt- mit Michel Angela zusammengestellt. Wenn man aber so weit geht, unserm Meister
den die Formenkenntniß abzusprechen und ihn absichtlicher Formenverfälschung anzukla-
igen, gen, so hat man nur sich selbst den falschen Standpunkt in seiner Beurtheilung
aber vorzuwerfen.
isters Bekanntlich schreibt sich die verminderte Pietät für Cornelius von dem Zeit-