Band 
Zwöflter Band.
Seite
695
JPEG-Download
 

Die bildenden Künste. 695

ment (Winter, Nacht, Pluton) verkörpert. Was sich hier als Grundgedanke kund-gibt: die Herrschaft des Geistes über die elementaren Kräfte, wird in dem näch-sten Bilderkreise (kleine Vorhalle): Minerva belebt den von Prometheus geform-ten Menschen, Prometheus' Befreiung und Pandora's Büchse, weiter entwickelt,gleichzeitig der Übergang von der Götierwelt zur irdischen gewonnen, deren Schick-sale in dem für alle Zeiten symbolisch gültigen Trojanerkriegc mit epischer Breiteschließlich vorgeführt werden. In der Glyptothek genügen am ehesten noch die Ein-zelbilder und wird das ideelle Zusammenfassen und Festhalten des ganzen Cyklus, umzum Genusse der einzelnen Darstellungen zu gelangen, in mindern! Grade erfodert.Zwingender erscheint das Zusammenfassen schon in dem Bilderschmucke der Loggien in derPinakothek (seit.1827). Als Vorwurf bot sich die Geschichte der mittelalterlichen Kunstbis zu ihrer höchsten Blüte und Vollendung von selbst dar. Auch hier haben wires nicht mit einzelnen Fragmenten zu thun, nach Maßgabe ihrer malerischen Bedeu-tung aus der Geschichte der Kunst hervorgehoben, sondern werden über den noth-wendigen Entwickelungsgang derselben mit philosophischem Scharfsinn belehrt. Cor-nelius verleugnet nicht seinen idealistischen Standpunkt und hält Rafael als denGipfelpunkt der neuern Kunst am höchsten. Ihm ist daher Hie miktelste Loggiageweiht; ihm nähern sich auf beiden Seiten, gleichsam als die einzelnen Stufen zurVollendung, die hervorragenden Künstler Italiens und des Nordens. Die östlicheHälfte der Loggien ist den Italienern, die westliche den Nordländern gewidmet, jedeLoggia der einen Hälfte mit her ihr in der Reihenfolge entsprechenden der andernHälfte auch im Inhalte in Übereinstimmung gebracht und diese Übereinstimmungnoch durch die Gleichartigkeit des Arabeskenschmucks weiter ausgeführt. Weil aberder Anfang und Ausgangspunkt für die Kunst Italiens und des Nordens derselbeist, so wurden die äußersten Loggien identisch angeordnet: die Kuppeln der äußerstenwestlichen und östlichen Loggia enthalten dasselbe Bild, nämlich die Herrschaft derReligion über die Künste. Auch in den übrige» Loggien wiederholen sich häufigdieselben Darstellungen, z. B. in der vierten Loggia östlich und westlich, wo derAufschwung der italienischen Malerei durch Giotko, der deutschen durch den kölni-schen Meister Wilhelm verherrlicht wird, sind die Mittelbilder der Lunetten identisch.Dasselbe kann man in der fünften Loggia (Fiesole und Eyck), in der Lunektc dersechsten, elften Loggia und andern Lunetten beobachten. Schade, daß das Auge nichtgleichzeitig die einander entsprechenden Loggien betrachten und mit demselben Blickevon Osten und von Westen nach der Mitte sich bewegen kann; des Meisters Scharf-sinn und geistreiche Aufsassungsweise würde noch viel mehr bewundert werden.

Das dritte Hauptwerk ist der umfassende Bildercyklus in der Ludwigskirche,nicht mit Unrecht als ein christliches Epos gefeiert und stolz der monumentalenMalerei der Vergangenheit als ebenbürtig gegenübergestellt. Die Decke über dem Al-tare schildert die Weltschöpfung mit einem großen Auswande symbolischer Gestalten —die Cherubim und Seraphim, die tkroiri und virtulss, die sapisntias und ciominstions» wurden zur Verdeutlichung der Idee zu Hülfe gerufen — aber auch miteinen! Sinne für Rhythmik und Harmonie ausgeführt, der seines Gleichen sucht. InNebenfeldern kommen, wir möchten sie Übergangsstellen nennen, welche die einzel-nen Gesänge des Epos verbinden, die streikenden und schützenden Engel zur Dar-stellung. Die Seitenchöre sind der Geschichte Christi, seiner Geburt und Kreuzigunggeweiht, die Decke des Querschiffes zeigt das Walten des Heiligen Geistes und diereligiöse Gemeinde, die Patriarchen und Propheten — an die Welkschöpfung ansto-ßend — die Apostel, Märtyrer, Kirchenlehrer, die heiligen Könige und Jungfrauen;an der Altarwand aber entrollt sich der letzte Gesang der Heiligen Schrift, dasWeltgericht, ausnahmsweise von Cornelius selbst ausgeführt. Auf diesen letzter« Um-stand legen wir kein großes Gewicht. Die Malerei steht zurück hinter Manchem, wasdie Hand der Schüler zu Ende gebracht. Die Einförmigkeit der Färbung, die min-der beachtete Scheidung der Gruppen durch Licht und Schatten bewirkt, daß sichdas Niesenbild für das Auge nicht sondert und nur ein matter allgemeiner Eindruck