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Zwöflter Band.
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Die bildenden Künste.

punkte her, wo er München (1841) verließ, um in Berlin der Kunst eine neueBahn zu brechen. Die größten Erwartungen kamen ihm entgegen. Er hatte ja inMünchen nicht blos den Nuhm des ersten deutschen Künstlers der Gegenwart er-worben, sondern galt als einer der größten Meister aller Zeiten. Den auf das höchstegespannten Anfoderungen antwortete Cornelius mit den Olbilde: Christus unter den,Erzvatern in der Vorhölle (Naczynski'sche Galerie). Welchen Eindruck dasselbemachte, kann man aus dem Urtheile ersehen, weiches ein sonst begeisterter Verehrervon Cornelius darüber fällte: „Sollen diese harten, schweren, zum Theil unvermit-telten Farben für Malerei, diese körperlosen, im Einzelnen geradezu widernatürlichenFormen für Zeichnung und Plastik, diese seltsam znrückgewundencn Augen für Aus-druck gelten? Soll dies zum Theil ganz apathische, zum Theil allerdings leidenschaft-lich angeregte Zusammensitzen und Stehen eines Kreises, in dessen Mitte ein man-gelhaft organisirter Mann mit ausgebreiteten Armen steht, die Befreiung der Seelenvorstellen?" Die öffentliche Meinung sprach sich noch herber aus und hielt ihr weg-werfendes Urtheil vollkommen gerechtfertigt, als bald darauf Scenen aus Tasso inUmrissen erschienen mit Gestalten von neun Kopflängen und darüber, mit Formen, dieweder nach der Natur gebildet waren, noch dem herkömmlichen Idealismus ent-sprachen. Mislich war es, daß Cornelius in Berlin mit einem Ölgemälde und miteinem Einzelbilde auftrat, während doch seine Haupkstarke in den mit feinem Sinnefür Rhythmik angeordneten Cartons und i» der Erfindung ausgedehnter Gemäldecyklcnruht. Wäre es dem Auge möglich, im Angesicht eines Bildes auch den vollen Ein-druck der ganzen Reihe, zu welcher es gehört, festzuhalten, könnte es der poetischenEinbildungskraft die Fähigkeit ablauschen, auch zeitliche Entwickelungen einer Bege-benheit, das Vor und Nach mit gleicher Freiheit zu betrachten, dann wäre Corne-lius der größte Künstler aller Zeiten.' In der Begabung, großartige, tiefe Gedan-ken in weiten Gestaltenreihen niederzulegen und in ausgedehnten Räume» scharfsinnigzu entwickeln, in der Fähigkeit, Gedichte zu zeichnen, findet Cornelius kaum einenNebenbuhler. Es klingt wie Ironie, wenn man behauptet, die Lectüre des in Pro-grammen veröffentlichten Inhalts, welchen seine Gemäldecyklcn darstellen, gewährekaum einen mindern Genuß als die Anschauung derselben. Und doch ist es ver-hältnißmäßig wahr, wenigstens ohne vorhergegangene sachliche Studien, ohne dieWissenschaft von dem Gedankenorganismus, welche Cornelius' Kompositionen zu-grunde liegt, ist ihr Verständniß unmöglich. Wir wollen, von diesem Gesichtspunktegeleitet, die Hauptwerke der Reihe nach durchgehen.

Die erste größere Arbeit, mit welcher Cornelius München schmückte, warendie Fresken in den Hauptsälen der Glyptothek. Der Bestimmung des Baus ent-sprechend bildete die griechische Götter- und Heldenwelt, die hellenische Sage über-haupt den Gegenstand der Darstellung, aber nicht in isolirten Scenen, sondern durcheine Reihe tiefer Gedanken zu einem episch-didaktischen Gedichte verbunden. Wirlernen im Göttersaale Eros als den Mittelpunkt und den ordnenden Geist des Natur-lebens kennen, sehen den vier Elementen die Glieder der Zeit, die Jahres- und Ta-geszeiten angereiht, durch mythische Gestalten dieselben versinnlicht, und als Haupt-bild stets das Walten der Götter in jedem Naturreiche verherrlicht. Ein Beispielmag diese Anordnung verdeutlichen: Wo es die Darstellung des Lichkelements gilt,gewahre» wir den Herrscher Eros in der Mitte mit dem Adler zur Seite, darunterden Sommer (Demetcr und Zephyr) und den Mittag (Helios auf dem Sonnen-wagen mit den Hören). Bei Helios-Apollon's Schilderung verweilt der Künstlereinen Augenblick und führt uns noch Daphne, Leukothoe, Klytie und Hyacinth,sämmtlich durch des Gottes Liebe in Pflanze» .verwandelt, sowie Apollon unter denHirten und das Urtheil des Midas vor. Von diesen Episoden zur Haupthandlungzurückkehrend, zeichnet er den Kampf Jupiker's wider die Giganten (Relief von Haller),also den ethischen Ausdruck der siegreichen Lichtwelt, und reiht daran schließlich in derLunekre die Darstellung des Olymp. In ähnlicher Weise wird das Wasserelement(Frühling, Morgen, Neptun), das Luftelement (Herbst, Abend) und das Erdele-