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Zwöflter Band.
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^ Die bildenden Künste.

der unstreitig den bedeutendsten Malern der Gegenwart sich anreiht, im deutschenI Publiceim eine große Bekanntschaft genießt, bezweifeln wir; dieser Umstand darfuns aber nicht hindern, der Wahrheit ihr Recht zu geben und die vollendeteMeisterschaft des in Düsseldorf gebildeten Ludwig Knaus (jetzt in Paris) als Sitten-maler anzuerkennen. Eine glückliche Erfindungsgabe, einen poetischen Sinn und eingeübtes Auge, die Formen des menschlichen Zusammenlebens festzuhalten, theilt ermit vielen deutschen Künstlern; Niemand überragt ihn aber in der scharfen und' sprechenden Charakteristik, in der tiefen psychologischen Auffassung, Niemand erreichtihn in der meisterhaften Beherrschung der Farbe, in der vollendeten Technik. Knaus. hat die Errungenschaft moderner Bildung, die poetische Erfindung, nicht verschmäht,damit aber den Vorzug der alten Genremalerei, den Reiz des Colorits verknüpft.Über den Bildungsgang des 27jährigen Künstlers sind wir nicht näher unterrichtet,höchstens dürfen wir aus dem Aussehen seiner „Spieler" (1851 gemalt) auf ein tie-fes Studium der Niederländer schließen. Einen weiten Entwickelungsweg hat erwol schwerlich eingeschlagen, da er so frühzeitig schon eine abgeschlossene Meisterschaftoffenbart. Günstige Vorurtheile hatte wol kein deutscher Kritiker zur pariser Welt-ausstellung mitgebracht, und das Lob der Pariser selbst konnte nur um so größeresMistrauen erwecken. Aber jeder Deutsche mußte doch den Enthusiasmus der Fran-zosen für Knaus theilen, und den Ehrenplatz, den seine Bilder auf der Ausstellungbehaupteten, gerechtfertigt finden. Hatte man sich an den 5000 ausgestellten Kunst-werken müde gesehen, war die Aufmerksamkeit erschöpft, die Phantasie abgespannt, sobrauchte man nur zu Knaus'Bildern zurückzukehren, um sich wieder aufgefrischt undgeistig angeregt zu finden. Seine Feuersbrnnst mag vorzugsweise durch die virtuoseFarbentechnik anziehen; sein Zigeunerlager in der Nähe des Dorfes, sein Morgen nachder Kirmeß sind aber nicht mit der einfachen Hinweisung auf das meisterhafte Coloritabgeurtheilt: hier dient dasselbe nur, um die seltene Tiefe und den Reichthum der Cha-rakteristik, die ergreifende poetische Empfindung vollständig dem Auge des Beschauersvorzulegen. Ob Knaus auf der gewonnenen Höhe sich erhalten werde, können wirnicht entscheiden; wünschen müssen wir nur, daß er dauernd die deutsche Innigkeitmit solch ungewöhnlicher technischer Meisterschaft verbinde.

10) Die Landschastsmalerei.

Die Gunst, deren sich reale Schilderungen aus dem menschlichen Leben bei demVolke erfreuen, wird von der Landschastsmalerei getheilt, und die Anregungen, welchedie moderne Bildung der Genremalerei verleiht, empfängt die landschaftliche Kunst innoch erhöhterm Grade. Wir würden uns in arge Sophistereien verlieren, wolltenwir von der Gegenwart das unmittelbare Leben in der Natur behaupten, und dieSchranken, welche die Cultur gezogen hat, die Neigung, unsere Beziehungen zurNatur zu mechanisiren, dieselbe unserm Willen zu unterwerfen, ableugnen. Ver-lor sich aber auch die naive Ursprünglichkeit in unserm Dasein, wird selbst das liebeVieh nicht mehr seinem natürlichen Schicksale überlassen, sondern durch wohlerson-nene Kreuzungen gezwungen, künstlichen, abstrakten Zwecken zn dienen: so hat dafürdie Erkenntniß der Natur an Tiefe und Umfang erstaunlich zugenommen, die Em-pfänglichkeit für das Verständniß der Naturformen sich gesteigert, die liebevolle Freude, an denselben einen seltenen Grad erreicht. Welche ungeahnte Fülle von Anschaüun-gen steht uns nicht gegenwärtig zugebote, welche reichen Mittel und Wege, dasAuge zu üben, liefert nicht die moderne Wanderlust? Landschaftliche Formen wehenuns heimisch an, und sind uns unmittelbar verständlich, von deren Dasein unsereVorfahren kaum eine Ahnung hatten; Eigenthümlichkeiten der äußern Natur sprechenoffen zu unserer Seele, welche ehedem nur ein dumpfes Staunen erregten. Unddaß es uns Ernst sei mit der Ausweitung des landschaftlichen Sinnes bis zur Uni-versalität, dafür sprechen die energischen Versuche, die Flora fast aller Welttheile auf' unsern Boden zu verpflanzen. Wir suchen ferner den Geist der landschaftlichenNatur nicht hinter den Erscheinungen, wir hüllen dieselbe nicht in ein mythisches