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Zwöflter Band.
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Die bildenden Künste.

Gewand und verwandeln jenen nicht in menschliche Gestalten: die äußer» Erscheinungenselbst rege» unsern Sinn an und haben für uns. einen selbständigen Schönheits-werth. Man kann über den Ursprung des modernen Natnrcultes diese oder jeneMeinung aufstellen, den Gewinn aus der vorherrschenden naturwissenschaftlichen Bil-dung hoch oder gering anschlagen,, den günstigen und wesentlichen Einfluß, den die-selbe auf die Landschaftßnialerei erlangte, kann man nicht in Abrede stellen. Wirmüssen eingestehen, daß kein Zweig der bildenden Künste sich einer so allgemeinenPopularität erfreut als die Landschastsmalerei. Wenn man aber meint, es sei dieZahl der tüchtigen Leistungen in derselben am beträchtlichsten, und aus diesem Um-stände ihre weite Beliebtheit zu erklären, so wird diese Meinung auf einen nicht un-begründeten Widerspruch stoßen. An und für sich unterliegt die Schöpfung einesvollendeten Landschaftsgemäldes nicht geringern Schwierigkeiten als die eines histori-schen Werkes; und dann ist auch die Summe meisterhafter Landschaften thatsächlichkeineswegs überwiegend. Der Mehrzahl nach bilden sie nur sogenanntes Mittel-gut, und ohne gerade abzustoßen, besitzen sie dennoch keine eigenthümliche hervorra-gende Schönheit. Das allgemeine Bedürfniß, sich mit landschaftlichen Bildern zuumgeben, der enge Anschluß der landschaftlichen Kunst an die übrigen Bilduugs-sormen macht uns tolerant, der Besitz feinerer Fühlhörner, unsere leichtere Erregbar-keit läßt sich oft schon an bloßen Andeutungen des Reizes und der Schönheit genü-gen. Wenn man will, so kann man auch die geheimnißvolle Verwandtschaft zwischender Wirkung, die ein landschaftliches Bild und die Musik ausübt, den Ursachen derallgemeinen Beliebtheit jener beizählen. Die Musik behauptet offenbar unter allenKünsten den höchsten Rang in der Gegenwart, insoweit wenigstens als sie die Zeit-stimmung am schärfsten wiedergibt, unser ästhetisches Bedürfniß am vollkommenstenbefriedigt. Die musikalische Bildung ist mit der Bildung überhaupt gleichbedeutend,musikalische Genüsse für uns so nothwendig wie das tägliche Brot geworden. Vonder Gunst, deren sich die Musik erfreut, entfiel ein Theil auf die ihr zunächst ste-hende Landschaftsmalerei und wendete auch dieser das allgemeine Interesse zu.

Aber nicht die Landschaftsmalerei überhaupt, nur der realistisch gefaßte und aufdie vollendete Wiedergabe der äußern Erscheinungsformen berechnete Zweig derselbenfindet Anklang und Anerkennung. Diese Beschränktheit kann nicht auffallen, wennman auf die Wurzeln der Blüte der modernen Landschaftsmalerei zurückgeht underwägt, daß ja der namentlich durch die naturwissenschaftliche Bildung geförderteRealismus derselben ein frisches und kräftiges Leben einhaucht. Durch den vorherr-schenden realistischen Zug unterscheidet sich unsere Landschastsmalerei von der nocham Anfange des Jahrhunderts gültigen Richtung, welche, angeregt durch die epoche-machenden Umwälzungen auf dem Gebiete der historischen Kunst, und bemüht, Car-stens' Beispiel auch in ihrem Kreise nachzuahmen, ausschließlich dem Idealismus hul-digt, auf physiognomische Wahrheit und Farbenwirkungen minder bedacht, die Linien-schönheit und den Ausdruck bestimmter Empfindungen in den Vordergrund stellt unddie Naturformen nach einer gewissen subjektiven Regel gestaltet. Gegenwärtig istdiese ideale Richtung ziemlich verschollen, die Originalität des Landschaftsmalersüberhaupt, wie sie z. B. noch in Blechen's (Berlin) Bildern an den Tag „trat, aufeinen engen Spielraum eingeschränkt. Nirgends deutlicher zeigt sich das Übergewichtdes Realismus als in dem Schicksale der düffeldorfer Landschaftsschule. Ursprüng-lich fand die Landschaftsmalerei hier gar keine Pflege, wenigstens keine ofsicielle An-erkennung und wurde von den Meistern des historischen Fachs nur nebenbei betrie-ben. Erst Schirmer, welcher seine Künstlerlaufbahn gleichfalls als Historienmalerbegonnen hatte, begründete eine förmliche Schule und gab der Landschaftsmalereieinen Halt und eine feste Stellung. Nach kurzem Schwanken entschied er sich fürdie idealistische Richtung und begründete einen eigenthümlichen Stil, in welchem diepoetische Grundempfindung vorwiegt und auf eine harmonische Gesammtwirkung derHauptnachdruck gelegt wird. Daß Schirmer gerade solche Landschaften, in welchener das Motiv einer bestimmten Localitä't entlehnte, wie z. B. den Wasserfall bei