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Zwöflter Band.
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Die bildenden Künste.

Tcrni, die Bergstraße, die Grotte der Nymphe Egcria, noch frei durchcomponirt,daß er sonst gewöhnlich nur Waldlandschaften, Hcrbstlandschaften, Abend- und ita-lienische Landschaften malt, seine besondern Anschauungen und Studien verallgemei-nert, daß er noch mythologischen Staffagen einen Raum gestattet, charakterisirt seinkünstlerisches Wesen. Vollkommener Meister der äußern Erscheinungsformen, anStudien reich wie vielleicht kein Zeitgenosse, unterordnet er dennoch jene dem Stil-gesetze, dem Gedanken und hält sich von allem Naturalismus weit entfernt.

Man sollte glauben, die Richtung Schirmer's wäre für. alle Düsseldorfer maß-gebend gewesen. Hatte er doch die Schule gestiftet und alle jünger» Kräfte geleitet.Trotzdem steht er in dem erst jüngst verlassenen Kreise ziemlich allein, und es folgte diegroße Mehrzahl einer andern Fahne. A. Weber und einige wenige Andere traten inseine Fußstapfen, verzichteten auf die Effecte, welche durch pikante Landschafksporträtshervorgebracht werden, und dichteten nach den allgemeinen Gescheit der Natur denZusammenhang der einzelnen Naturformen um. Beinahe alle übrigen Schüler er-wählten Andreas Achenbach zum.Vorbild, nachdem das Nachbilde» der früher vielbeliebten Lessing'schen Weise durch die veränderte Zeitstimmung zurückgedrängt wurde.Achenbach besitzt auch infolge seiner Vielseitigkeit und glänzenden Technik eine mäch-tige Anziehungskraft. Wiederholte Studienreisen nach der niederländischen Küste,nach dem hohe» Norwegen, nach Italien verliehen ihnr die Fähigkeit, nordische undsüdliche Formen, die See und die Alpen, die Fjords und Capri, Strandscenen undGebirgslandschaften mit gleicher Virtuosität darzustellen: sein Auge wurde auf dieseArt geübt, das Eigenthümliche der mannichfachsten Erscheinungen festzuhalten, unddie Hand geschult, es mit unübertrefflicher Wahrheit wiederzugeben. Ohne sich indie täuschende Reproduktion bloßer Einzelheiten zu verlieren und über frappantenEffecten und schlagenden Contrasten die harmonische Totalwirkung gänzlich, aus denAugen zu verlieren, tritt indessen bei ihm nicht immer die Einheit der Empfindungund die gesammelte Stimmung klar an den Tag. In dieser Beziehung dürften zweijüngere Kräfte der Schule, der Norweger Hans Gude und Leu, den Meister über-treffen. Sie können mit ihm in der Ausdehnung des Gesichtskreises nicht wetteifern(aber auch bei Achenbach erscheint die Auffassung der italienischen Natur minder gelungenals die der niederländischen Küstengegend und der nordischen Gebirgslandschaft): ihreDarstellungen sind beinahe ausschließlich der norwegischen Natur entlehnt. Dochtrug gerade diese Beschränkung dazu bei, daß beide Meister, vorzugsweise aber Gude,die Erscheinungen der nordischen Landschaft tiefer faßten, und wir möchten sagen,auch die Seele derselben uns vor die Augen zu bringen verstanden. Gude's Hoch-gebirgslandschaften und Fjordsscenerien sind nicht allein technische Meisterwerke undformenvollendet, sie athmen auch die eigenthümliche Poesie des Nordens und gebentreffliche Charakterbilder jener Gegend. Aus dem Mensatzreichen Norden, aus denzerklüfteten Alpen die Motive zu holen, hätte idealistische Landschafter schwerlich ge-reizt; doch den Realisten mußte das daselbst gebotene Farbenspiel, die Fülle von Con-trasten, die Mannichfaltigkeit der Formen doppelt willkommen erscheinen. Die Ge-fahren, welche die folgerichtige Entwickelung der realistischen Richtung mit sich bringt,die Versuchung, naturalistisch zu wirken, durch pikante Gegensatze zu reizen unddie Einheit der Empfindung, die doch jedes Kunstwerk offenbaren soll, zu vergessen,lassen sich nicht abweisen. Daß diese Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffensind, zeigen mannichfachc Beispiele aus der neuesten Kunstgeschichte. Es ist wahr,die Summe der Ausdrucksmittel hat sich in der letzten Zeit auffallend vermehrt, dieFähigkeit oder wenigstens die Kühnheit der modernen Landschaftsmaler kennt kaumnoch eine Grenze. Kein Luftphänomen, keine Lufterscheinung, kein Farbenspiel fin-det sich gegenwärtig von der Darstellung ausgeschlossen. Nicht allein die blendend-sten Reflexe, die leuchtenden Körper selbst bannt der unternehmende Landschaftsmalerauf die Leinwand. Den Schimmer der Gletscher, das Glühen der Alpen, die Ef-fecte der Mitternachtssonne im hohen Norden, die unbewegte blaue oder grüne Flächeder Gebirgsseen, eingefaßt vom rosigen Lichte der beleuchteten Schneefelder, das fahle