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Die bildenden Künste.
„Vicgr ok^VoksKslä") entgegen; und wieder ganz verschieden, in der Nachahmung derfeinsten Einzelheiten der äußern Erscheinungen verloren, stellt er sich in dem Parkevon Blackheakh dar. Wo soll man die Übergänge suchen, welche Millais und Huntund ihren übertrieben naiven Naturalismus mit dem edeln und gehobenen Stile East-lake's einerseits, und mit dem Inbegriff alles Seltsamen, mit Turner's phantastischenTraumbildern — denn an die Wirklichkeit mahnen seine letzten Landschaften auch nichtim geringsten — andererseits verbände. Bei Millais kommen wir aus dem Erstaunenüber die Treue seiner Detailstudien, die Feinheit der Pinselführung nicht heraus; aberwir enträthseln auch gar nicht den künstlerischen Vorgang, so sorgfältig sind alleSpuren des Wie der Arbeit verwischt. Es ist kein Bild, sondern ein Spiegel, demwir gegenüberstehen, der uns auch nicht die kleinste Faser schenkt, der auch den winzig-sten Farbenpunkt an dem Außendinge offenbart. Und doch machen Millais' undHunt's Schilderungen nicht den einfachen Eindruck der Wirklichkeit aus uns, weilunser Auge die Einzeleindrücke sammelt, während sie bei jenen Künstlern zerlegt undzergliedert uns vorgelegt werden. So weit von aller bisher gültigen Tradition hatsich noch kein Künstler entfernt. Blicken wir dagegen auf die Werke Eastlake's, des,gegenwärtigen, wissenschaftlich gebildeten Präsidenten der londoner Akademie, so wer-den wir zwar nicht von ihnen mit dem Eindrücke scheiden, eine große, geniale Kunst-kraft trete uns da entgegen; doch fühlt man sich hier rasch heimisch, da er sich strengan die alten Muster anlehnt und das Studium der Venetianer und der NafaelischenSchule nicht für überflüssig erklärt, wie die Phantasten und Nebelliebhaber.
Durchmustern wir die Reihe der Maler, so stoßen wir auf eine lange Reiheechtenglischer Originale. Jeder Einzelne dient trefflich zur Verdeutlichung des eng-lischen Kunstwesens, aber,Alle zusammen bilden noch immer keine Schule. SogarWilkie war nicht im Stande, die englische Malerei dauernd an seine Spuren zu fes-seln. Ohne einen andern Lehrmeister als die heimische Natur, aber mit der selten-sten Fähigkeit begabt, diese sinnig und wahr zu erfassen, hat Wilkie gleichzeitig demnationalen Leben glückliche Motive abgelauscht und die formellen Seiten der Malereiglänzend ausgebildet. Niemand wird ihn zwar mit Ostade verwechseln, oder von derGroßartigkeit seiner Ideen tief erschüttert werden; aber die harmonische, fein durch-gebildete Farbe und sorgfältige Zeichnung wird aus Jedermann anziehend wirken, diesinnige, lebenswahre Charakteristik, der liebevolle und doch unbefangene Schilderungs-ton alle Freunde kräftiger Sittenmalerei ergötzen. Wilkie's Dorfpolitiker, BlinderFiedler, Zahltag, Dorfkirmes, Pachterpfändung, Blindekuhspiel, Dorfschule u. s. w.,Alles in ganz Europa wohlbekannte Bilder, entfernen sich nicht vom englischen Bo-den, zeigen Motive und Formen der Heimat entlehnt. Die überaus feine Beobach-tungsgabe, die auch in der modernen Literatur der Briten hervorsticht, verleugnetsich nicht bei ihm. Doch beharrt er nicht eigensinnig bei Absonderlichkeiten. Er mattOriginale, ist aber nicht selbst, wie so viele seiner Genossen, ein Original: er ver-schmäht nicht, allgemein menschliche Empfindungen im Beschauer anzuregen und ver-dankt eben diesem Umstände den großen Erfolg seiner Wirksamkeit. Wilkie, welcherim Jahre 1841 aus der Überfahrt von der Levante nach London starb, wurde , bisauf diesen Tag von keinem seiner Nachfolger übertroffen. Verwandte Klänge schlu-gen Mulready, Webster, Burnett u. A. an; sie haben aber nur in wenigen Fällendie Frische und Unmittelbarkeit der Darstellung erreicht, welche Wilkie's sämmtlicheWerke^auszeichnet. Die Mehrzahl der englischen Genremaler leidet an der literari-ichen Inspiration. Anstatt unmittelbar aus den, Leben zu schöpfen und die Ursprüng-nchkeit der Anschauungen zu hüten, holen sie aus den Dichtern ihre Motive und ver-herrlichen durch die Poesie bereits fixirte und bearbeitete Scenen. So hat FrithShakspeare, Goldsmith und Moliere verherrlicht, Frost aber Spenser, und Leslieewermals Shakspeare, Cervantes und Sterne illustrirt, während Cattermole und Allan,WilMs Landsmann und Mitschüler, sich der Verherrlichung Walter Scott's weihten.Ein Haupkzug der englische» Phantasie, die Lust, Charaktere zu erfinden und Maskentzu zeichnen, die eine ganze Gattung von Originalen zusammenfassen, fand auf diese Art