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Die orientalische Frage.
Alterthum schon gewesen, ist bereits von uns in den einleitenden Bemerkungen überden Schauplatz der orientalischen Frage angedeutet. Es wird hier der Ort sein, einigeVorgänge aus den mittlern Zeiten zu verzeichnen.
Oft und viel ist während des Mittelalters um den Besitz der Krim mit Waffengekämpft. Mehr als einmal so heiß und in solcher Weise, das man das Vorspiel desStreits um Sewastopol zu erkennen meint. So schildert ein byzantinischer Geschichtschreiberdes 11. Jahrhunderts (Nicephorus Gregoras) eine Belagerung abseilen der Tataren(er nennt sie Scythen), welche die Genüssen in Kaffa, dem alten Theodosia, bestehen.Die Tataren sind nicht im Stande, den Belagerten die Verbindung mit der Seeabzuschneiden. Hat Lord Derby am 11. Mai 1885 an seinem Platz im Oberhauseden Ausdruck gebraucht, das Heer vor Sewastopol sei . mehr ein belagertes zu nennenals ein belagerndes, so liest man beim Nicephorus Gregoras: „Da verkehrte sich dasVerhältniß, und es schien, als ob die Scythen vielmehr die Belagerten wären als dieBelagerer."
Ganz anderer Art als die Anläufe der Tataren sind die Kämpfe der Venetianermit den Genuesen. Hier handelt es sich, wie Jedermann weiß, um nichts Anderesals um die Seeherrschaft. Und als der größte Triumph Venedigs über die alteNebenbuhlerin gilt es, wenn es einmal vorüberziehend einem venetianischen Geschwadergelingt, Kaffas sich zu bemächtigen und diese genuesische Niederlassung zu zerstören.
Im Besitz der Krim sahen die Genuesen sich in der Lage, sich Zollfreiheit inallen Städten und Märkten des griechischen Reichs auszubedingen; dagegen erklärtensie sich bereit, dem griechischen Kaiser im Nothfall mit 50 bewaffneten Schiffen zuHülfe zu kommen. Das ist offenbar eine gebietende Stellung, die in solchemVorrecht und noch mehr in der Verheißung des Schutzes sich kundgibt. Und derselbegekrönte Geschichtschreiber (Kantakuzenos), dem wir die Kenntniß dieses „ewigen Bundes"verdanken, erzählt auch drei Fälle, in welchen einzelne genuesische Bürger aus eigeneHand ein Geschwader einmal gegen den Kaiser von Trebisonde, zwei mal gegen denvon Byzanz ausgerüstet und ihren Zweck, die Demüthigung dieser Herrscher, erreicht.
Begehrt man noch einen bündigern Beweis, daß die Herrschaft der Krim dieHerrschaft des Schwarzen Meeres ist, so können wir ihn liefern, indem wir auf einebei Burgus (von der Seeherrschaft der Genuesen) erwähnte Urkunde zurückgehen.Burgundische Kriegsschiffe waren im Schwarzen Meer erschienen, von den genuesischenBehörden sehr zuvorkommend behandelt und mit allem Bedarf versehen worden,hatten aber nachher Schiffe genuesischer Unterthanen weggenommen und als Grundangegeben, sie seien im Kriege gegen alle Ungläubigen. „Sind es auch", schreibtnun der Doge und der Senat von Genua an den Herzog von Burgund (21. Sept.1115), „Ungläubige, so stehen sie doch unter unserer Botmäßigkeit. Und die Unbillist um so großer, da das ganze Schwarze Meer seit länger als 100 Jahren derObhut und dem Schutz der Genuesen anbefohlen ist; und in so langer Zeit ist esso von uns behütet, daß selten oder niemals Seeräuber einzudringen gewagt haben.Wenn in diesem Meere Jemandem Unrecht widerfährt, so ist es unsere Sache, demGekränkten zu Hülfe zu kommen und ihn vor Schaden zu bewahren."
Von diesem Gesichtspunkt aus wird man den Jnstinct würdigen, mit welchemPeter der Große einen ss entlegenen Winkel der Küsten des Schwarzen Meeres wieAsow zur Angriffsstation gegen Konstantinopel sich ausersehen. Auch wird mannun nichts Übertriebenes in den Äußerungen finden, die der Kaiserin Katharinamehrfach in den Mund gelegt worden: die Krim sei die Perle des Reichs, oderauch: sie selber sei als eine arme Prinzessin nach Rußland gekommen, die Krim seidie Mitgift, die sie jetzt den Russen zubringe.
Einverleibung der Krim.
Neun Jahre nachdem die Tataren der Krim auf Rußlands Begehren von derPforte unabhängig erklärt worden, wird die Krim durch ein Manifest der Kaiserin