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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage.

Katharina dem russischen Reiche einverleibt. Von diesem Hergang ist nur sovielhier anzuführen, als zur Charakterisirung der russischen Politik erfoderlich scheint.

Die neue Unabhängigkeit der Tataren war das Zeichen zu unausbleiblichenParteiungen. Die Fortdauer der geistlichen Oberhoheit des Sultans, als Khalisen,bot der Pforte die Mittel, der Verdruß über die empfindliche und nichts wenigerals gefahrlose Einbuße gab ihr ein Motiv, eine türkische Partei in der Krim ander Hand zu halten. Der Khan Dewlet Ghirai galt für die Seele dieser Partei.Grund genug für die Russen, durch eine Truppenbewegung den Khan einschüchtern,und als er die Flucht ergriffen, eine russische Creatur, Sakim Ghirai, wählen zulassen. Dieser Sakim schickte Abgeordnete nach Petersburg, die daselbst sehr gutaufgenommen und reich beschenkt wurden. Dagegen war Selim Ghirai der Candidatder Türken, der aber, da Rußland seinen Schützling doch aufrechthalten mußte, durchein russisches Heer zur Flucht genöthigt ward. Es kostete dem französischen GesandtenSt.-Priest viele Mühe, den Divan zu beruhigen und selbst zur Anerkennung Sakim's(in der Convention vom 21.Nov. 1779) zu bewegen. Der Dank Rußlands, dessenFlassan nur flüchtig gedenkt, ward, wie aus andern Quellen bekannt ist, dem fran-zösischen Diplomaten in reichen Geschenken zuiheil, denen ein Zahrgeld zugesellt wurde.

Sakim Ghirai scheint gar keine Empfindung für die Ehre seines Stammes undfür die Würde seiner Stellung gehabt zu haben. Er bewarb sich um einen militärischenTitel und ward zum Befehlshaber der preobraschenskischen Garden ernannt, auchmit dem St.-Annenorden begnadigt, dessen Kreuz für ihn in einen Halbmond ver-wandelt ward. Er hatte demnach Scrupel, welche der gegenwärtige Sultan nichttheilt, ward aber doch von seinen Tataren weggejagt. Potemkin, der häufig in derNähe sich befand, um die Fortschritte der neuangelegten Stadt Cherson, an derMündung des Dniepr, zu beobachten, sah den Flüchtling. Er äußerte sich zwar späterüber ihn mit großer Verachtung gegen den englischen Gesandten, ließ aber doch durchseinen Bruder Paul Potemkin Sakim mit Heeresmacht zurückführen und nach Ver-treibung von dessen türkischgesinntem Bruder ihn wiederum einsetzen (October 1782).Die russischen Streitkräfte — 15000 Mann, abgesehen von Kosacken— schienenmehr auf türkischen als auf tatarischen Widerstand berechnet. Daß es ohne eineMetzelei widerspänstiger Tataren nicht abging, soll der Kaiserin verschwiegen worden sein.

Aber Rußlands Zweck war nicht, daß Sakim in Ruhe regieren sollte. Er ward,wie es heißt, angetrieben, von den Türken die Abtretung von Oczakow zu begehren.Dadurch war das Maß voll, die Geduld des Divans erschöpft. Türkische Truppenzogen heran; ein Abgesandter des Khans ward von einem Pascha getödtet. Da kamendie Russen, überraschten Kassa, besetzten die Krim und zwangen alle Welt, derKaiserin von Rußland zu huldigen. Sakim sollte ein Jahrgeld haben, bekam abernichts ausgezahlt; das Leben ward ihm so sauer gemacht, daß er zu den Türken ent-floh, die ihn indessen gefangennahmen, nach Rhodus schleppten und ihn im HausedeS französischen Consuls, zu dem er sich geflüchtet, erdrosseln ließen.

Die Einverleibung der Krim ward der Welt durch ein Manifest verkündigt,welches die Nothwendigkeit darlegt, in der sich Rußland befunden, Truppen nach derKrim zu senden, weil sonst Friede, Ruhe und Ordnung unter den Tataren nicht hättenstattfinden können. Das ist die Sprache, welche bei Tacitus der römische FeldherrCerealis den überrheinischen Stämmen gegenüber führt: „Römische Feldherren sindin euer Land gekommen, nicht aus Eroberungslust, sondern weil eure Väter sie herbei-riefen, da unter ihnen verheerende Zwietracht raste." Durch die „Unfähigkeit derTataren, die Früchte der Freiheit zu schmecken", ist Rußland beständigen Reibungenund Kriegsgefahren mit den Türken ausgesetzt, denen es nur durch Einverleibungder Krim entgehen kann.

Der englische Gesandte in Wien schrieb am 12. Juli 1782: „Die Zarinhat nicht die Absicht, dem Divan auch nur eine Mittheilung darüber zu machen,daß sie die Krim und den Kuban weggenommen. Sie stellt sich, als habe der Sultangar kein Recht, sich in Bezug auf diese Erwerbungen einzumischen, weil jene Länder