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Die orientalische Frage.
In der Zwischenzeit waren an Friedrich's thatkräftigem Widerstand Joseph's Ab-sichten auf Barern gescheitert. Der Teschener Friede war (an Maria Theresia's Ge-burtstage, 13. Mai 1779) unter der Vermittelung und Garantie Rußlands geschlossen.Da der Teschener Friede den Westfälischen erneuert, so dakirt von diesem Tage das"Recht Rußlands, in deutsche Reichssachen sich einzumischen. Denn welche Reichs-
sache wäre denkbar gewesen, in der nicht die eine oder die andere Partei, oder beide, !aus den Westfälischen Frieden sich berufen hätten?
Grund genug für Joseph, mit der garantirenden Macht ein gutes Verhältniß zusuchen. Gegen den Willen seiner Mutter (so berichtet Breteuil) ging Joseph imJuni 1789 nach Petersburg. Daß er einen günstigen Eindruck geweckt, daß auchvon Katharina's östlichen Entwürfen die Rede gewesen, ist bekannt.
Am 29. Nov. 1780 starb Maria Theresia. Joseph gewann für sein neuesSystem freie Hand. Die Zarin, rühmte Kaunitz im December, steht fest und ^aufrichtig auf unserer Seite. Um dieselbe Zeit. stellte Sir Robert Keith die nicht ^eben gewagte Vermuthung auf- der Wunsch des Kaisers, Belgrad wiederzugewinnen ^und die Dvnauschiffahrt sich zu sichern, könnte wol zu einem russisch-östreichischen ,Türkenkriege führen. Im Juni 1781 zerschlug sich zwar die Unterhandlung eines !förmlichen Bündnisses, und zwar weil Katharina in einem Punkte der Etikette nicht > ^nachgeben wollte; aber ein vertrauter Briefwechsel dauerte fort. So vertraut, daß ^Sir James Harris (27. Aug. 1782) glaubt versichern zu können, Joseph habe derKaiserin vor wenigen Wochen geschrieben, sie möge ihn als ihren Feldherrn und sein !Heer als das ihrige betrachten. Die Kaiserin, fährt der englische Gesandte fort, !habe das Trugbild eines zu errichtenden östlichen Reichs im Auge; des Kaisers Ab- isichten seien eher ausführbar, sie gehen auf die Erwerbung Bosniens und Serbiensauf Kosten der Türkei, vielleicht auch einiger Landstrecken auf Kosten Venedigs:vor zwei Jahren wenigstens habe er gegen die Kaiserin geäußert, er denke nicht daran,Schlesien wiederzunehmen oder den Frieden in Deutschland zu stören, sein einzigerEhrgeiz sei, <ls rsnvo^sr Iss Uuros plus loin und womöglich seine italienischenBesitzungen auszudehnen. , -
Kaunitz scheint die östlichen Entwürfe Katharina's gleichfalls als Trugbilderbetrachtet zu haben, nicht anders als Panin und dessen Zögling, der Großfürst Paul.Friedrich der Große setzte, ohne Zweifel mit Recht, bei Kaunitz die Ansicht voraus,es sei zuträglicher einen schwachen Nachbar zu haben wie den Türken, als einenfurchtbaren wie Rußland. Jedenfalls suchte Kaunitz einem Türkenkriege, solange es !anging, vorzubeugen, und zu Anfang Januar 1783 meldete der englische Gesandteaus Wien, der Kaiser vertage nicht ungern seine türkischen Erwerbungsplane bis nachdem. Tode des Königs von Preußen oder bis zu einem andern günstigen Zeitpunkt.
Das war vorangegangen, als die lebhafte Thätigkeit der französischen Diplomatiebegann, deren Beweise der „Ncmiteui-" rühmend der Welt vorhält.
Breteuil, der schon am 6. Jan. 1783 Vergennes von den Folgen unterhaltenhat, welche der französisch-englische Friede in Bezug auf die türkischen Entwürfeder stolzen Katharina haben werde, berichtet am 1. Febr. über eine dreistündige Un-terredung mit dem Kaiser Joseph. Der Letztere gestand offen, wenn die Türken nichtnachgegeben hätten, so würde er sich der Moldau und Walachei bemächtigt und einHeer von 169000 Mann zurückgelassen haben, dem Rußland 50000 Mann hätt«hinzufügen sollen, um die preußischen Absichten im Zaum zu halten. Zugleich sucht!'Joseph dem Gesandten „Ideen zu geben über Ägypten" und rühmte sich gegen And« ^dieses Kunstgriffs. Beides, die^ Bereichert, vorkommendenfalls gegen Preußen zu'marschiren und das Anerbieten Ägyptens an Frankreich, wird durch eine Depeschevon Sir James Harris vom 4. Mai 1783 bestätigt, nachdem die letztere' Thatsacheals Gerücht am 12. März 1783 durch den englischen Gesandten in Wien erwähnt war.Dieser Versuch, Frankreich nach Ägypten lüstern zu machen, gewinnt ein erhöhtesInteresse, wenn man einerseits das durch Guhrauer vollkommen aufgehellte BestrebenLeibniz' kennt, Ludwig's XiV. großen Ehrgeiz vom Rhein nach dem Nil hin abzu>