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Die orientalische Frage.
gang früher unterrichtet als der polnische Gesandte in Wien, und erließ sofort einwarmes Glückwunschschreiben an den Kurfürsten von Sachsen. In Petersburg identifi-rirte man den Widerstand und die Emigration von 1793 mit der östreichischen Partei.
Preußens Verhalten zur polnischen Nesorm wie überhaupt seine grundsätzlichePolitik bestimmte sich je nach dem am Hofe vorherrschenden Einfluß. Herzbergsah für Preußen eine große Gefahr darin, wenn Polen durch einen Erbkönig gutregiert wurde (man findet ein mvtivirtes Gutachten vorn 6. Mai 1791 bei Hausier).Er war also für Erhaltung polnischer Anarchie und Schwäche, das heißt, für dieFortsetzung der Politik Friedrichs des Großen. Goltz stimmte ihm vollkommen bei,ja, das Gesammtministerium hatte jenes Gutachten sich angeeignet. Dessenungeachtetsprach der König lebhafte Theilnahme für die Reform aus, und ein Jahr späterWollte er nie etwas damit zu thun gehabt haben. Wie Sybel von einem „Scheinder Treulosigkeit" reden kann, der durch die Wirklichkeit der Dinge nicht begründetsei, übersteigt gänzlich unsere Fassungskraft. Was er in Bezug aus Preußen Neuesmittheilt, kann höchstens beweisen, daß es in Berlin nie ein rechter Ernst gewesen,Zusagen zu halten ; die urkundlichen, längst veröffentlichten Aktenstücke bleiben stehen.
Nach diesen verhält sich „die Wirklichkeit der Dinge" folgendermaßen.
Zm sechsten Artikel des Vertrags vorn 29. März 1790 verspricht der Königvon Preußen, „wenn irgendeine fremde Macht — sich das Recht beilegt, in innereAngelegenheiten der Republik Polen sich einzumischen, zu irgendeiner Zeit und inirgendwelcher Weise" — für diesen Fall verspricht der König seine guten Diensteund, wenn Feindseligkeiten dennoch gegen Polen die Folge sein sollten, seinen bewaff-neten Beistand. In der Antwort auf die Depesche des Grafen Goltz vorn 3. Mai 1791spricht der König von Preußen seinen vollkommenen Beifall aus über den entscheidendenSchritt, den die Nation soeben gethan, und den er, der König, als unendlich geeignethalte für die Befestigung ihres Glücks. In einem Schreiben an den König von Polenvom 23. Mai 1791 sagt Friedrich Wilhelm II.: „Die Beeiferung, mit der ich meineEmpfindung in dieser Sache an den Tag lege, wird Ew. Mas. und das gesammtepolnische Volk von der Theilnahme überzeugen, die ich dieser Maßregel widme,"
Derselbe König schreibt an denselben, am 8. Juni 1792: „Von dem Augenblickan, als, die allgemeine Herstellung der Ruhe in Europa mir erlaubte, mich auszu-sprechen, und als die Kaiserin von Rußland Anen entschiedenen Widerspruch gegendie Ordnung der Dinge vom 3. Mai 1791 an den Tag gelegt hat, war kein Wechselin meinen Ansichten und in der Sprache meiner Minister; indem ich mit ruhigemAuge die neue Verfassung beobachtete, welche die Republik ohne mein Witwissenoder meine Zustimmung sich gegeben, habe ich niemals den Gedanken gehabt, sieaufrechtzuhalten oder zu schützen."
Wir bitten den Leser, aus den Sammlungen öffentlicher Acten sich überzeugenzu wollen, daß dies nicht etwa Auszüge aus Schriftstücken von den Jahren 1848und 1850 über die schleswig - holsteinischen Angelegenheiten sind, sondern daß sie ausden Zähren 1791- und 1792 herrühren und auf Polen sich beziehen. Wir bittenihn auch, zu bemerken, daß in dieser polnischen Sache der Widerspruch Rußlandsals maßgebend für Preußen hingestellt wird.
Der Vertrag zwischen Östreich und Preußen vom 7. Febr. 1702 konntezwar einem harmlosen Auge die Täuschung bereiten, als ob beide Höfe in Bezugauf Polen einig seien, aber in Bezug auf Preußens Wünsche war dies keineswegsder Fall. Preußen war noch immer lüstern nach Danzig und Thorn. Ostreichwollte darauf nicht eingehen: da wandte Preußen „sich nach Petersburg, wo manvor allen Dingen die Unzufriedenheit Preußens mit Ostreich sehr gern vermerkte undnicht eben bemüht war sie zu besänftigen.
Es beginnt nun ein Spiel Rußlands mit den beiden deutschen Großmächte».Zuerst wird Preußens Begehrlichkeit noch angereizt. Danzig und Thorn sei nichtder Erwähnung werth, Preußen bedürfe zur Entschädigung für den französischenKrieg mindestens einiger Palatinate in Großpolen. Aber in Berlin wollte man zur