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Zwöflter Band.
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852 Die orientalische Frage.

Anschlags, im Fall, daß irgendeine Macht die Sicherheit und den Frieden Schwe-dens oder Rußlands zu stören suchen sollte".

Eine solche Ausdehnung Rußlands nach Westen, eine solche Verquickung derdynastischen Interessen, das heißt eine solche Abhängigkeit Schwedens von Rußlandmittels der dynastischen Einflüsse, das greift aus dem Kreise der schwedischen Inter-essen in den der europäischen hinüber. Wenn irgendein Einzelner, so hatte Berna-dotte die Mittel in der Hand, Rußland für lange Zeit hinaus zu demüthigen. Erhat zu dessen Erhöhung beigetragen. Aus dem Kampfe, der durch Bernadotte'sMitwirkung für Rußland allein möglich ward, ist Rußland hervorgegangen mächtigerals je zuvor und bedrohlicher für jede nationale, selbständige Entwickelung.

Wir waren in Deutschland lange, gewohnt, das Ergebniß der Befreiungskriegeso hoch anzuschlagen, daß wir, wie die „Herstellung der vielen Souveränetäten, so dieÜbermacht Rußlands als nothwendige Übel in den Kauf zu nehmen pflegten. Nachund nach, wie die dienstbare Presse immer unverschämter >ben Deutschen die Schuldder Dankbarkeit gegen Rußland und den Segen aller möglichen Restaurationen pre-digte, nach und nach ward uns klar, daß es eigentlich ein Armuthszeugniß sei, wennman eine große Nation für unfähig erkläre, aus eigenen Mitteln, ohne RußlandsBeistand, ein fremdes Joch abzuschütteln und einen angemessenem, würdigern öffent-lichen Zustand zu gründen.

Umsoweniger darf es uns befremden, wenn schwedische Männer heute ganz kühlprüfen, nach welcher Seite hin, als im Jahre' 1812 die Wahl zwischen Frankreichund Rußland schwankte, die Entscheidung am richtigsten würde gefallen sein. Des-potismus gegen Despotismus — welcher ist der gefährlichste? Abgesehen von allemAndern, wird die Antwort nahe liegen: derjenige, der voraussichtlich die längste Dauerhaben wird.

Diese Auffassung war dem schwedischen Thronfolger nichts weniger als fremd.Er hat im Jahre 1813 öfters geschwankt. Er glaubte Grund zu haben, über die.Verbündeten, namentlich über Rußland sich zu beschweren. Die Verbündeten ihrer-seits glaubten Grund zu haben, über ihn bittere Klage zu führen. Der große Feh-ler lag darin, daß in den Verträgen nicht klar hervortrat, ob man zuerst dem Kron-

prinzen zum Besitz Norwegens verhelfen, oder ob er zuerst durch Anstrengungen inDeutschland Norwegens Erwerbung sich verdienen sollte. Wir haben die Schwan-kungen der russischen und englischen Politik in Bezug auf Norwegen, und die Schwan-kungen Bernadotte's, bei einem andern Anlaß (in der „Zeitschrift des Verein für

Hamburgische Geschichte", neue Folge, Heft 1, S. 154 fg.) sorgfältig aus den Quellendargestellt. Hamburgs Schicksal im Jahre 1813 und 1814 ist in die norwegischenVerhandlungen tief verwickelt. Ein ,russischer Unterhändler bot dem Dänenkönig denBesitz Hamburgs, als Preis des Übertritts zür Sache der Verbündeten, währendHamburg für seine Deutschheit und Selbständigkeit zu jedem Opfer bereit sich er-hoben hatte. Der Unterhändler ward verleugnet; die Sache konnte ruchbar werden,ist es auch geworden (der Dänenkönig hat sie an Napoleon berichtet, dieser hat siedrucken lassen); der Unterhändler, hieß es, habe Unrecht gethan, „die Länder, die zurEntschädigung dienen sollten, namhaft zu machen, indem man noch des Eifers undder thätigen Mitwirkung der Einwohner zu sehr bedürfet. Nach solchen Proben po-litischer Moral ist es kaum noch der Mühe werth, zu untersuchen, auf welcher Seitedie größere Schuld liegen mag. Wol aber sind in den neuesten schwedischen Denk-würdigkeiten Äußerungen zutage gekommen, die Bernadotte in seinem Ünmuth ge-than, und vorübergehende Tendenzen, die, wie sich sogleich zeigen wird, recht eigent-lich hierhergehören.

Am 13. Mai 1813 schrieb Bernadotte an Lagerbring: „Es ist für die Freiheitder Hamburger, nicht um sie zu Vasallen einer fremden Regierung zu machen, daßman zu Opfern sich entschließen kann; denn die eine Sklaverei ist nicht besser alsdie andere und freie Männer könnten eher noch Napoleon's Joch dulden, indem diesmit seiner Person aufhören wird, während dagegen die Politik, welche Polen zu-